Steuerrechtliche Hilfe für den Sport
Mitglieder laufen den Sportvereinen davon

Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU, Mitte) mit den Sportvereinsvorsitzenden Arno Reglitzky und Renate Preuß vor der Freiluft-Kletterwand von Blau-Weiss Buchholz
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  • Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU, Mitte) mit den Sportvereinsvorsitzenden Arno Reglitzky und Renate Preuß vor der Freiluft-Kletterwand von Blau-Weiss Buchholz
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ts/jb. Buchholz. Die Solidarität mit dem eigenen Sportverein in der Nachbarschaft bröckelt. Hatten Mitglieder ihrem Club zu Beginn der Corona-Krise noch die Treue gehalten, kündigen jetzt zahlreiche Mitglieder ihre Mitgliedschaft. Dass Sporthallen und Schwimmbäder nur eingeschränkt genutzt werden dürfen, treibt Sportler aus dem Verein. Das berichteten die Vorsitzenden der Sportvereine Blau-Weiss Buchholz und Todtglüsinger SV bei einem Treffen mit Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) in Buchholz. Bei dem zweieinhalb Stunden langen Termin diskutierten Arno Reglitzky (Blau-Weiss), Renate Preuß (Todtglüsingen) und der Vorsitzende des Kreissportbundes Harburg-Land, Uwe Bahnweg, mit dem Minister über steuerliche Erleichterungen für Sportvereine und die Förderung des Ehrenamts.
Infolge der Corona-Krise sei die Mitgliederzahl bei Blau-Weiss Buchholz von 6.500 auf 5.800 gesunken. Etwa 500 Mitglieder hätten auch den Todtglüsinger SV verlassen. "Wir haben viele Austritte und Passivstellungen der Mitgliedschaften", sagt die Vorsitzende Renate Preuß. "Die Mitglieder treten aus, weil sie keine Perspektive für ihren Sport sehen."
Den Mitgliederschwund bestätigt der Vorsitzende des Kreissportbundes, Uwe Bahnweg: "Bis Sommer hatten wir keine große Austrittswelle. Jetzt höre ich, dass viele den Eindruck haben, dass es mit dem Sport nicht weitergehe."
Beispiel Buxtehuder SV: Etwa 150 von mehr als 4.000 haben den Verein verlassen. Problematischer sei, dass der Verein neue Mitglieder nur in geringer Zahl gewinne, sagt Finanzvorstand Stefan Hebecker. Grund: Die nach den Sommerferien übliche Einstrittswelle sei ausgeblieben. Hinzu komme, dass derzeit vermehrt Mitglieder nicht am Sportbetrieb teilnehmen und als passive Mitglieder geführt werden. Das führe zu geringeren Einnahmen bei den Mitgliedsbeiträgen. Größere Verluste habe der BSV bei den Kursen im Gesundheitsbereich und beim Schwimmen, weil Angebote nicht stattfinden können. Stefan Hebecker: "Sollte es jetzt vor dem Hintergrund weiter ansteigender Infektionszahlen wieder zu Einschränkungen kommen, werden wir wohl auch noch mehr Mitglieder verlieren."
Wie groß der Mitgliederschwund ist, wird sich zum 31. Dezember zeigen. Bis zu diesem Datum müssen die 9.429 Sportvereine in Niedersachsen ihre Mitgliederzahlen melden.
Einfallsreich stemmen sich die Vereine gegen den Trend: Mit seiner neu gegründeten Baggersee-Abteilung habe der Todtglüsinger SV neue Mitglieder gewonnen, sagt Renate Preuß. Blau-Weiss Buchholz nutzt ein früheres Baumarkt-Gebäude als Sportstätte, die Training mit Abstand möglich macht. Der Verein sucht dringend weitere Ausweichsportstätten.
Das Land Niedersachsen fördert den Sport in diesem Jahr mit 66,6 Millionen Euro. In 2021 werden es 71 Millionen Euro sein. Ohne die Corona-Hilfen des Landes und der landeseigenen Investitions- und Förderbank (NBank) wäre Blau-Weis Buchholz auf die Insolvenz zugegangen, sagt Arno Reglitzky.
Die Finanzminister der Länder setzen sich im Bundesrat für Verbesserungen des Gemeinnützigkeitsrechts und somit zur Stärkung des Ehrenamtes in den Beratungen zum Jahressteuergesetz ein. Ziel ist die Anhebung der Übungsleiterpauschale um 600 Euro auf 3.000 Euro jährlich. Daneben soll die Ehrenamtspauschale um 120 Euro auf 840 Euro steigen. Wer in Sportvereinen ehrenamtlich tätig ist, soll künftig einen höheren Betrag steuerfrei als Aufwandsentschädigung bzw. Vergütung erhalten dürfen.
Der Vorsitzende des TVG Drochtersen, Dirk Ludewig, und der stellvertretende Vorsitzende des VfL Horneburg, Hartmut Schmidt, haben zwar nicht mit Mitgliederschwund aufgrund von Corona zu kämpfen. Die eingehenden Kündigungen zeigten die "normale Fluktuation", so Schmidt. Die geplanten finanziellen Maßnahmen begrüßten die beiden aber dennoch. "Schon vor Corona war es problematisch, vor allem junge Menschen für das Ehrenamt zu begeistern, viele Posten bleiben unbesetzt. Da wäre beispielsweise die Erhöhung der Pauschalen ein guter Vorstoß", so Ludewig.
Reinhold Hilbers hält es für möglich, dass die Gesetzesänderung im nächsten Jahr in Kraft treten könne. Voraussetzung ist, dass der Bundesrat und der Bundestag zustimmen.
Bei dem Treffen mit Niedersachsens Finanzminister in Buchholz unterbreiteten die Vorsitzenden der Sportvereine Vorschläge zur steuerlichen Förderung von Sportvereinen. Dazu zählt zum Beispiel die Anhebung der Freibeträge bei der Körperschaft- und der Gewerbesteuer. Kleinere Vereine mit jährlichen Einnahmen bis zu 45.000 Euro sollen demnach von dem Zwang befreit werden, das Geld zeitnah zu verwenden - ein Beitrag zum Bürokratieabbau.
Das Treffen in Buchholz kann Impulse für die Förderung von Sportvereinen und des Ehrenamts in ganz Niedersachsen geben. Initiiert hat es der Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke (CDU) aus Elstorf. Beteiligt waren der sportpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, André Bock aus Winsen, die CDU-Kreistagspolitiker aus dem Landkreis Harburg, Hans-Heinrich Aldag und Jan Bauer, Landrat Rainer Rempe, Dirk Hirsch, erster Stadtrat in Buchholz und Blau-Weiss-Vorstand Wilfried Geiger. 

Kommentar:
Zehn Euro hat man doch übrig!
Weil Mitglieder wegen der Corona-Beschränkungen nicht die volle Leistung erhalten, verlassen sie den Sportverein. Aus kaufmännischer Sicht mag das berechtigt sein. Die Rechnung stimmt dennoch nicht: Wer austritt, gibt eine Heimat, eine Familie auf. Wer den Verein verlässt, vergisst, dass es nach dem düsteren Shutdown die Sportvereine waren, die im Frühjahr und Sommer als Erste vor allem den Kindern und Jugendlichen wieder Freude, Spaß, Bewegung und ein Gemeinschaftsgefühl bescherten. Als Städte und Gemeinden Ferienprogramme ausfielen ließen, sprangen Sportclubs in die Bresche. Ehrenamtliche Trainer und Betreuer haben sich ein Bein ausgerissen. Es ist jetzt Zeit, ihnen etwas zurückzugeben. Leute, bleibt im Sportverein, damit er überleben kann! Die zehn oder zwölf Euro Mitgliedsbeitrag im Monat hat man doch irgendwie übrig, oder? Thomas Sulzyc

Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU, Mitte) mit den Sportvereinsvorsitzenden Arno Reglitzky und Renate Preuß vor der Freiluft-Kletterwand von Blau-Weiss Buchholz
Uwe Bahnweg, Vorsitzender Kreissportbund Harburg-Land
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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