Hamsterkäufe in den Supermärkten - so ist die Lage

Oliver Michelsen, Marktleiter bei Edeka Subey in Buchholz, steht am Regal mit Speiseölen. Die günstige Ware ist vergriffen und kommt auch so schnell nicht wieder, das Öl anderer Anbieter ist verfügbar
  • Oliver Michelsen, Marktleiter bei Edeka Subey in Buchholz, steht am Regal mit Speiseölen. Die günstige Ware ist vergriffen und kommt auch so schnell nicht wieder, das Öl anderer Anbieter ist verfügbar
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(os). Leere Regale in den Supermärkten: Die Hamsterkäufe in Deutschland nehmen wieder zu. Im Vergleich zu den Panikkäufen zu Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 sei das Problem derzeit vielschichtiger, erklärt Oliver Michelsen, Marktleiter des Edeka-Marktes Subey an der Hamburger Straße in Buchholz. Lieferengpässe, Preissteigerungen und Auswirkungen durch Corona-Quarantänemaßnahmen führten zu einer angespannten Situation.
Wie im März 2020 sei die Nachfrage nach Nudeln, Mehl, Konserven oder Toilettenpapier sehr groß, berichtet Michelsen. Einen wirklichen Engpass gebe es bei keiner der genannten Warengruppen, betont der Marktleiter. "Es kann höchstens sein, dass z.B. Toilettenpapier einer bestimmten Marke kurzzeitig nicht verfügbar ist." Dem begegne man, indem man Ware von anderen Lieferanten ordert, z.B. Toilettenpapier aus Spanien.
Nicht mehr verfügbar sind bei Edeka Subey, wie in den meisten Supermärkten deutschlandweit, günstige Speiseöle. Dieses Problem werde mittelfristig auch bleiben, prognostiziert Oliver Michelsen. Grund: Aus der Ukraine als Kornkammer Europas kamen in der Vergangenheit große Teile der Speiseöle für den deutschen Markt. Wegen des Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine sind die Warenströme derzeit gekappt. Was viele nicht wissen: Nicht nur der Inhalt der Ölflaschen kamen aus dem Land, sondern auch die dünne Plastikverpackung der günstigen Öle. Zwar seien diese derzeit nicht lieferbar, Öle seien aber sehr wohl vorhanden, z.B. durch einen Hersteller aus dem Münsterland. Diese Öle seien qualitativ hochwertig, aber entsprechend teurer. 
Das bestätigt auch Claus Drewes, Chef von Edeka-Drewes in Dollern: "Vor allem Speiseöl und Weizenmehl hamstern die Leute. Unsere Großhändler müssen sich auf den verstärkten Bedarf jetzt einstellen, und dann sind die Regale auch wieder voll."
Um Hamsterkäufe einzudämmen, haben die meisten Supermärkte die Abgabemengen für bestimmte Produkte beschränkt, z.B. beim Mehl. Nicht allen Kunden gefällt das. "Die Tonlage ist derzeit oft rau", berichtet Michelsen. Kunden versuchten, die Beschränkung z.B. durch mehrmaliges Einkaufen zu umgehen. Manche schicken auch ihre Kinder einzeln zum Einkaufen durch den Supermarkt. 
Was dieses Mal neu ist: Trotz Preissteigerungen ist auch die Nachfrage nach Mineralwasser deutlich gestiegen. Offenbar haben viele Menschen Angst, dass die Trinkwasserversorgung gefährdet sein könnte. Auch haltbare Milch wird derzeit mehr als gewöhnlich eingekauft.
Dass an manchen Tagen Regale leer bleiben, hat nicht nur mit Lieferengpässen bestimmter Waren zu tun. Oft hat das mit der Personalnot in den Lagern zu tun, wenn Mitarbeiter in Corona-Quarantäne müssen und dann beim Kommissionieren fehlen. "Im Schnitt sind bei uns zwei bis vier Mitarbeiter im Urlaub und weitere zwei bis vier Mitarbeiter in Quarantäne", sagt Michelsen. 
Auch beim Famila-Markt im Fachmarktzentrum in Buchholz sind bestimmte Produkte wie günstiges Speiseöl derzeit nicht zu bekommen. "Das war zu Beginn der Corona-Pandemie kein Thema, jetzt wegen des Ukraine-Kriegs schon", erklärt Antje Amelsberg, stv. Marktleiterin. Wenn Lieferungen mit Speiseöl eintreffen, sei die Ware schnell vergriffen. "Wir kommen gegen die hohe Nachfrage nicht an", betont Amelsberg. Immerhin habe sie festgestellt, dass die Kunden im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas entspannter als bei den Hamsterkäufen vor zwei Jahren seien.

Chefärztin: Hamsterkäufe sind unnötig
Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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