IHK Niedersachsen
Unternehmen bilden mehr Geflüchtete aus

(bim/nw). Unternehmen in der Region bilden mehr Geflüchtete aus. Eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niedersachsen zeigt: Deutschkenntnisse und eine schlanke Bürokratie sind dabei besonders wichtig. Besonders die Gastronomie, die Logistik und das Baugewerbe öffnen sich im Wettbewerb um den Nachwuchs für Geflüchtete.
An der Umfrage beteiligten sich 1.340 Unternehmen, davon 262 aus dem IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg. „Das Engagement ist naturgemäß in den Branchen besonders groß, die am meisten vom Nachwuchsmangel betroffen sind. Aber auch in anderen Bereichen wächst das Interesse, wenn die Voraussetzungen stimmen“, sagt Sönke Feldhusen, Leiter des IHK-Bereichs „Menschen bilden“.
16 Prozent der Unternehmen im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg bilden Geflüchtete aus, weitere 17 Prozent beschäftigen einen Geflüchteten in einer Einstiegsqualifizierung oder einem Praktikum. Das ist insgesamt ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Weitere 17 Prozent planen, in den kommenden zwei Jahren einen Geflüchteten auszubilden.
Besonders relevant für die Ausbildung eines Geflüchteten sind gute Deutschkenntnisse, damit der Azubi sich im Betrieb und in der Berufsschule zurechtfindet. Die Umfrage zeigt aber auch, dass es daran oft noch hapert: Nur drei Prozent der Befragten attestieren den ausländischen Azubis gute bis sehr gute Sprachkenntnisse, 45 Prozent urteilen mit befriedigend bis ausreichend. Dementsprechend stellen 53 Prozent der Unternehmen einen hohen Bedarf an Förderangeboten zum Schreiben, Lesen und Rechnen fest.
„Die Integration von jungen Geflüchteten in Ausbildung und Beschäftigung ist eine langfristige Aufgabe. Gute Sprachkenntnisse sind dabei das A und O. Als IHK raten wir Betrieben im Zweifel zu einer Einstiegsqualifizierung“, sagt Feldhusen. Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist eine Art Langzeitpraktikum und dauert sechs bis zwölf Monate, in dem sich Bewerber und Betrieb gegenseitig kennenlernen können. „Ein großer Vorteil ist, dass der Geflüchtete während der EQ die Berufsschule besucht und dort ohne Notendruck Erfahrungen sammeln kann. Ebenso bleibt Zeit, um sich mit dem Betrieb und den Ausbildungsanforderungen vertraut zu machen“, sagt Feldhusen.
Unternehmen erhalten während dieser Zeit von der Agentur für Arbeit 231 Euro monatlich, die sie an den Azubi weiterreichen müssen. Zusätzlich zahlt die Arbeitsagentur 116 Euro als Zuschuss zu den Sozialversicherungskosten. Gut 130 offene EQ-Stellen sind im IHK-Bezirk für Flüchtlinge aktuell noch verfügbar.
• Weitere Informationen und Ansprechpartner unter www.ihk-lueneburg.de/eq.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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