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Handyparken in Buchholz: Bargeldlos Parkgebühren bezahlen

Philipp Zimmermann (li.) und Jan-Hendrik Röhse mit den Infos zum Handyparken
 
Philipp Zimmermann zeigt, wie das Parken bargeldlos bezahlt werden kann
bim. Buchholz. An den 42 Parkautomaten im Buchholzer Stadtgebiet kann ab sofort bargeldlos per Smartphone bezahlt werden. Nutzer laden sich einfach eine App herunter, geben die gewünschte Parkdauer ein und zahlen die Gebühr digital. "Wir sparen den Aufwand mit Kleingeld. Der Nutzer zahlt nur für die Zeit, in der er tatsächlich parkt", fasst Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse die Vorteile zusammen.
Wenn das Einkaufen oder der Termin beim Arzt mal länger dauern als geplant, bucht man von Smartphone, Handy und Co. bequem eine längere Parkdauer, ohne zum Parkautomaten laufen zu müssen. Wenn es schneller geht, kann die Parkdauer vorzeitig beendet werden.
Wie berichtet, hatte die Politik im vergangenen November beschlossen, die Möglichkeit des Handyparkens einzuführen, wie von der FDP beantragt. Außer einigem Verwaltungsaufwand im Vorfeld koste das neue Angebot die Stadt nichts. "Wir haben die Vor- und Nachteile für die Stadt und die Nutzer geprüft und datenschutzrechtliche Belange berücksichtigt. Nun muss es nur noch funktionieren", so Röhse.
Die Stadt Buchholz nehme jährlich 450.000 bis 500.000 Euro an Parkgebühren ein, müsse für das Annehmen der Münzen aber auch 30.000 Euro zahlen. "Früher hat die Stadt Buchholz das Kleingeld noch selbst eingesammelt und zu den Banken gebracht. Aber die Banken nehmen das Kleingeld nicht mehr an. Zweimal pro Woche holen nun Geldtransporter das Kleingeld ab und bringen es zu Zählstellen", erläutert Stadtsprecher Heinrich Helms auf WOCHENBLATT-Nachfrage die hohen Kosten.
Trotz des Handyparkens bleibt das konventionelle System, fürs Parken zwischen 9 und 18 Uhr mit Bargeld- oder EC-Geld-Karte zu zahlen, weiterhin bestehen.
Dieses System des Handyparkens gebe es in mehr als 60 Städten, ein Vergleichbares u.a. in Hamburg, berichtete Philipp Zimmermann, stellvertretender Geschäftsführer von Buchholz' Vertragspartner "smartparking". Die Nutzer in Buchholz können aus vier Betreibern auswählen und das Parken per App, SMS oder Telefonanruf bezahlen. Das Handyparken funktioniere sogar mit "analogen Knochen", also mit herkömmlichen Handys, sagte Zimmermann. Wenn man die auf dem Aufkleber am Parkautomaten angegebene Service-Nummer eines Anbieters wähle, werde man entsprechend durchs Menü geführt.
Beim Handyparken werden die Gebühren eins zu eins an die Stadt abgeführt, allerdings könne es sein, dass der Anbieter ein Nutzungsentgelt aufschlage.
Was die Kontrolle angeht: Die Mitarbeiterinnen der Parkraumüberwachung werden mit online-fähigen Geräten ausgestattet und können anhand des automatisch erfassten Kennzeichens abgleichen, ob für ein Fahrzeug ein digitaler Parkschein vorliegt. Der Datenschutz sei gewährleistet, die Kennzeichen-Daten würden im Zuge der Überwachung des ruhenden Verkehrs nur in Echtzeit geprüft. Zudem werde das Parken nach Zonen und nicht nach Straßen erfasst.
Der Vertrag mit der Firma "smartparking" läuft zunächst zwei Jahre und verlängert sich automatisch, wenn er nicht zuvor gekündigt wird.

Auf ein Wort: Es gibt viel wichtigere Probleme

Sollten die Bürger vom Handyparken regen Gebrauch machen, spart die Stadt Buchholz womöglich Geld für die "Kleingeld-Entsorgung". Zum neuen "Service" gehörte aber auch, die Nutzer im Vorfeld über Mehrkosten zu informieren, was bei den bislang überschaubaren vier Anbietern möglich sein sollte. Aber genau das macht die Verwaltung nicht: Zu den Tarifen konnten weder Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse noch "smartparking" Angaben machen. Ein Anbieter schlägt nach WOCHENBLATT-Recherchen pro Parkvorgang 25 Cent auf (ParkNow), ein anderer 19 Cent (park.ME). Bei den beiden weiteren Anbietern waren die Tarife nicht herauszufinden. Die Stadt lässt folglich ihre Bürger ins offene (Gebühren-)Messer laufen. Das kann es nicht sein.
Zudem stellt sich bei dem täglichen Verkehrschaos in Buchholz die Frage, ob die Stadt nicht erst einmal andere Probleme zu lösen hat, als das des sogenannten ruhenden Verkehrs. Zunächst sollten endlich alte "Baustellen" abgearbeitet werden, wie eine Optimierung aller Ampelschaltungen. Bianca Marquardt