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"Stuhlpaare" in Buchholz werden sauber

Trafen sich an den "Stühlen" (v. li.): "Totalkünstler" Timm Ulrichs, Christoph Selke vom Kunstverein und Steinmetzmeister Artur Schaab (Foto: bim)

Künstler Timm Ulrichs, Steinmetz und Vertreter der Kunstkommission besprachen weiteres Vorgehen

bim. Buchholz."Dass manche Leute immer zur künstlerischen Konkurrenz gehen und ihren Senf abladen", ärgerte sich jetzt der "Totalkünstler" Timm Ulrichs aus Hannover über das Graffito an dem von ihm erdachten Kunstwerk im Buchholzer Stadtpark. Drei seiner "Stuhlpaare" stehen seit rund zweieinhalb Jahren im Stadtpark, in der Buchholzer Fußgängerzone und am Kabenhof. Doch die ursprünglich weißen Objekte aus Pirnaer Sandstein sehen schon seit Monaten gammelig aus, haben Moos-Flecken und wurden mit Graffiti beschmiert.
Der Buchholzer Steinmetzmeister Artur Schaab hatte die "Stuhlpaare" nach Vorgaben von Timm Ulrichs und im Auftrag des Kunstvereins Buchholz gefertigt. Aufgestellt wurden sie im November 2011. "Es geht um menschliche Beziehungen, die in den Stühlen abstrakt formuliert sind, Zweier-Konstellationen, die man deuten kann, zum Beispiel als Stuhlpaare, die sich voreinander verbeugen," erläuterte Ulrichs seine Intention. Die "Stuhlpaare" stünden dabei dort, wo es zuvor auch Sitzgelegenheiten gegeben habe. Es handele sich eben nur nicht um gewöhnliche Parkbänke, sondern um "Gebrauchsgegenstände mit gedanklichem Überbau."
Was die Kosten von insgesamt 23.000 Euro angeht, betonte der Künstler: "Das Geld fließt nicht, wie mancher befürchtet, in die Hände eines schlechten Künstlers, den keiner kennt, sondern für die handwerkliche Realisierung fast ausschließlich an den Steinmetz und blieb somit im Ort. Ich habe nur 300 Euro bekommen", berichtete Timm Ulrichs. Um für Akzeptanz zu werben, habe die Stadt "leider nicht die Möglichkeit für eine öffentliche Einweihung genutzt", kritisierte er. Das, so berichtete Christoph Selke von Buchholz' Kunstverein und Kunstkommission, solle aber nachgeholt werden.
Moos und Graffiti auf den "Stuhlpaaren" sollen nun abgeschliffen und die Sandsteinblöcke anschließend imprägniert werden. Letzteres hätte längst geschehen sein sollen. Doch habe es bis zu einer politischen Entscheidung gedauert, weil die Kosten dafür immerhin 3.000 Euro betragen, so Selke.
Übrigens steht mit der "Musterfassade" des Sprengel Museums Hannover ein Ulrichs-Kunstwerk auf dem Gelände der Kunststätte Bossard in Jesteburg. Diese laufe aber nicht Gefahr, zu vermoosen, denn sie ist aus Beton.

Auf ein Wort

Stadt ließ Bürger bei der Deutung allein


"Jetzt stehen die bei den scheiß Steinen", echauffierte sich ein Besucher des Buchholzer Stadtparks über das Trio aus Kunstkommission, Künstler und Steinmetz, das jetzt die "Stuhlpaare" begutachtete. Ein Indiz dafür, dass viele Bürger mit dieser Art von Kunst nichts anfangen können. Das ist auch ein Stück weit Schuld von Politik und Verwaltung, die zwar erst die Aufstellung der Kunstwerke befürworteten und veranlassten, die Bürger dann aber mit deren Deutung alleine ließen und die Reinigung und Versiegelung der inzwischen unansehnlichen Sandstein-Objekte zu spät beschlossen.
Demnächst sollen zumindest beschreibende Tafeln angebracht und auch Erläuterungen auf die Homepage der Stadt gestellt werden. Dann wissen die Buchholzer endlich, was sich Künstler Timm Ulrichs bei seiner Kreation gedacht hat und finden vielleicht auch eigene Interpretationen. Bianca Marquardt