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"Das ist alles nur eine große Show"

Blau-Weiss Buchholz baut derzeit direkt neben seinem Kletterzentrum eine neue Sporthalle
 
Beliebt bei Einheimischen und Touristen: der Kletterpark in der österreichischen Kleinstadt Bad Ischl

Praktiker sind verärgert: Konzept für Sportpark in Buchholz wird nicht mit Leben gefüllt

os. Buchholz. Vor eineinhalb Jahren legte der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Robin Kähler den Schlussbericht für den "Sportpark Buchholz" vor. In dem umfangreichen Werk zeigte der Wissenschaftler auf, mit welchen Maßnahmen das Sportzentrum am Holzweg noch attraktiver gestaltet werden könnte. U.a. schlug Kähler ein Sauna-Haus und ein Beachsoccer-Feld vor. "Wir Planer dürfen offen darüber reden, was wir uns wünschen", sagte Kähler bei der Vorstellung des Schlussberichtes. Und genau das scheint das Sportkonzept zu sein: eine Wunschvorstellung. Denn keine einzige Maßnahme ist auf den Weg gebracht geschweige denn vollendet worden.
"Man muss es so deutlich sagen: Das Ganze war bislang eine große Show", kritisiert Arno Reglitzky, FDP-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Sportvereins Blau-Weiss Buchholz, auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Es fehle gleichermaßen an Geld für die angedachten Projekte im Sportpark sowie an Kreativität aus Verwaltung und Politik, das Konzept mit Leben zu füllen.
Wie man mit deutlich weniger Aufwand, und offensichtlich ohne teures Sportkonzept, ein attraktives Angebot für Sport-Fans schaffen kann, macht das kleine Nachbarland Österreich vor. In vielen kleinen Dörfern wurde z.B. in den Bau von Beachvolleyball-Feldern mit feinem Sand investiert. Zudem wurden zahlreiche Parks mit verschiedenen Kletterstangen geschaffen, z.B. in der 14.000-Einwohner-Stadt Bad Ischl in Oberösterreich. Diesen nutzen Einheimische und Touristen gleichermaßen, um etwas für ihr körperliches Wohlbefinden zu tun.
Die Stadt sieht dagegen das Sportkonzept auf gutem Weg. Der Startschuss sei mit dem Bau des Kunstrasenplatzes des TSV Buchholz 08 und des Buchholzer FC sowie der in Bau befindlichen neuen Sporthalle samt Boulderhalle bei Blau-Weiss Buchholz bereits gefallen, erklärt Stadtsprecher Heinrich Helms. Die nächste Stufe der Umsetzung sei für die Jahre 2020/21 vorgesehen: In der mittelfristigen Finanzplanung seien jeweils 300.000 Euro vorgesehen, mit denen u.a. Wege im Sportpark geschaffen werden sollen. Allerdings, so Helms: Die Gelder aus dem städtischen Etat würden wohl nur verwendet, wenn es auch Zuschüsse gebe. Helms: "Das ist ein limitierender Faktor."

Kommentar

Ideen müssen auch aus dem Rathaus kommen

Das haben sich Verwaltung und Politik in Buchholz selbst eingebrockt: Sie stehen vor einem riesigen Berg an Handlungsmöglichkeiten, die in zahlreichen Konzepten aufgeführt sind. Doch die Umsetzung hakt, auch weil es weder im Rathaus noch in der Politik genügend Handelnde gibt, die Mut, Überzeugungskraft und Visionen vereinen.
Auf Betreiben der damaligen Baudezernentin Doris Grondke wurde mit Steuergeld in beträchtlicher Höhe ein Konzept nach dem anderen erarbeitet. Die Politik verweigerte keinem einzigen Konzept die Zustimmung, Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse ließ seine Baudezernentin gewähren. Die Folge: Es gibt bis auf wenige Ausnahmen (Stichwort "Buchholz 2025plus") keinen Fahrplan, welche Projekte in welchem Zeitraum umgesetzt werden sollen. Klimaschutzkonzept, Verkehrskonzept, Radwegekonzept, das Integrierte Stadtentwicklungskonzept und eben das Kähler'sche Sportkonzept - das alles überfordert offensichtlich Politik und Verwaltung.
Das Problem: Einer verlässt sich auf den anderen, keiner ergreift z.B. beim Sportkonzept die Initiative. Im Rat ist FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky allein auf sich gestellt. Doch der hat genügend mit seinem eigenen Verein Blau-Weiss Buchholz zu tun. Ohne Reglitzkys Tatkraft würde es in der Sportszene in der Nordheidestadt düster aussehen. Kraftvolle Mitstreiter im Stadtrat hat er kaum. Bliebe die Verwaltung, doch von dort gibt es in Sachen Sportpark überhaupt keine Initiative. Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und Baudezernent Stefan Niemöller haben sich zwar in der Hockeyabteilung des TSV Buchholz 08 engagiert bzw. tun das immer noch, aber Vorschläge zur Gestaltung des Sportzentrums gibt es von ihnen, zumindest öffentlich, nicht. Dass sich die Stadt jetzt auf den Bau der Blau-Weiss-Sporthalle und den Bau des Kunstrasenplatzes des TSV Buchholz 08 und des BFC zurückzieht, ist bezeichnend. Beide Bauvorhaben wurden von den Vereinen aus purer Platznot initiiert, zwar mit finanzieller Förderung durch die Stadt, aber völlig unabhängig vom Sportkonzept.
Im Urlaub im Salzkammergut in Österreich habe ich erlebt, wie man mit vergleichsweise geringem Aufwand attraktive Sportangebote schaffen kann. Vielleicht besorgen sich Bürgermeister Röhse und Baudezernent Niemöller mal die Telefonnummer der Verwaltung in Bad Ischl. Die kann gute Tipps geben, die umsetzbar sind und keine teuren Luftschlösser wie von Prof. Dr. Robin Kähler. Oliver Sander