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Hochschulreife erst nach 14 Jahren?

 
Eine von landesweit 23 Schulen mit "Sonderzug": das Vincent-Lübeck-Gymnasium im Stade (Foto: archiv / lt)

Das ist eine der Alternativen für Schüler, die 2019 ihren Abschluss am Gymnasium nicht schaffen

(os). Wechsel auf die Integrierte Gesamtschule? Abitur nach 14 Jahren? Oder doch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren? Vor dieser Entscheidung stehen Abiturienten, die im Jahr 2019 ihr Abitur nicht schaffen. Die Schüler, die auf der Kippe stehe, tun gut daran, sich bereits jetzt auf alle Eventualitäten vorzubereiten, denn einfach das Abschlussjahr zu wiederholen, wie in den vergangenen Jahren, ist wegen der Umstellung von G8 auf G9 im kommenden Schuljahr nicht möglich. Zum Vergleich: Im vergangenen Schuljahr 2017/18 bestanden landesweit 1.557 Schüler ihr Abitur nicht.
Bereits im vergangenen Dezember hat das Landes-Kultusministerium nach eigenen Angaben umfangreich über das Übergangsjahr 2019/20 und die Auswirkungen für gescheiterte Abiturienten informiert. Offenbar ist diese Information aber nicht bei allen Schulen angekommen.
Irritationen gibt es über die Information, dass gescheiterte Abiturienten im kommenden Schuljahr in eine von landesweit 23 Gymnasien und Gesamtschulen mit einem "Sonderzug" wechseln können. "Es kann bei uns nicht jeder dazukommen", stellt Franziska Meinen, Koordinatorin am Vincent-Lübeck-Gymnasium, klar. Der "Sonderzug" sei im vergangenen Schuljahr vor allem für Schüler anderer Schulformen wie die Realschule eingerichtet worden und sei auf drei Jahre angelegt. "Wir haben nur zwei Profile für die 27 Schüler", erklärt Meinen. Wenn ein Gymnasiast in den "Sonderzug" wechseln wolle, dann ginge das gerade jetzt noch, aber nicht zum Schuljahr 2019/20.
Auf jeden Fall möglich ist der Wechsel auf eine Integrierte Gesamtschule (IGS). Dort könnten die Schüler die zwölfte Klasse wiederholen und nach einem Jahr ihr Abitur nachholen. "Wir haben eine relativ große Oberstufe mit durchschnittlich 130 Schülern", erklärt Holger Blenck, Leiter der IGS in Buchholz. Trotzdem könne es Probleme bei bestimmten Fächer-Kombinationen geben. "Daran könnte ein Wechsel scheitern", gibt Blenck zu bedenken.
Die Schüler können auch die sogenannte Rückversetzung-Ordnung nutzen. Damit blieben sie an ihrer Stammschule, müssten die Klasse 12 wiederholen und die Klasse 13 anschließen. Folge wäre ein Abitur nach erst 14 Schuljahren.
Das Kultusministerium zeigt einen dritten Weg auf: Gescheiterte Abiturienten würden dann ihren zweiten Teil der sogenannten Qualifikationsphase mit den neuen Zwölftklässlern bestreiten, die den ersten Teil der Q-Phase absolvieren. Die Schulen müssten "binnendifferenziert unterrichten" und sicherstellen, dass sich die Themen nicht wiederholen. Ein großer Aufwand.
Viele Gymnasien wie das Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz gehen einen anderen Weg. "Wir beraten die Schüler und ihre Eltern dahingehend, dass sie auf die Wiederholung ihres Abiturs verzichten sollen", sagt Schulleiter Hans-Ludwig Hennig. Stattdessen sollten die Schüler den praktischen Teil ihrer Fachhochschulreife, z.B. bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst erlangen. "Am Ende steht die Fachhochschulreife, mit der den Schülern viele Möglichkeiten offenstehen - wenn sie nicht gerade Medizin oder Alt-Griechisch studieren wollen", betont Hennig. Er rechnet damit, dass die Zahl der Schüler, die ihr Abitur nicht bestehen, weiter steigen wird: "Wir haben es zunehmend mit Schülern zu tun, die eigentlich nicht zum Gymnasium gehen sollten."

Auf ein Wort

Falscher Ehrgeiz der Eltern

Gymnasiums-Leiter Hans-Ludwig Hennig weist zu Recht auf ein Problem hin, das viele Schüler überhaupt erst in die Lage bringt, ihr Abitur womöglich nicht zu schaffen: Viele Eltern schicken ihre Kinder aufs Gymnasium, obwohl sie die Qualifikation dafür nicht haben. Die Quittung bekommen Schüler, die auf einer Real- oder Oberschule besser aufgehoben wären, zwangsläufig.
Liebe Eltern, Schullaufbahnen auf Ober- oder Realschulen sind nicht schlecht! Im Gegenteil: Wenn Schüler gut mitkommen im Unterricht, steigt ihre Motivation. Nach dem Abschluss steht ihnen - gerade in Zeiten des Fachkräftemangels - der Arbeitsmarkt weit offen. Nur mit BWL-Bachelorn kann eine Gesellschaft nicht überleben... Oliver Sander