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"In der Demokratie sind Ämter immer nur auf Zeit"

Geht davon aus, dass er sein Amt behält: Michael Grosse-Brömer (Foto: archiv / mum)

Nach der Abwahl des CDU-Fraktionschefs Volker Kauder: WOCHENBLATT-Interview mit Michael Grosse-Brömer

(os). Mit der Abwahl des langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Merkel-Vertrauten Volker Kauder hat die CDU-Bundestagsfraktion in dieser Woche für einen Paukenschlag gesorgt. Stattdessen wurde Ralph Brinkhaus mehrheitlich in das wichtige Amt gehoben. Im WOCHENBLATT-Interview verrät Michael Grosse-Brömer, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion aus Brackel (Landkreis Harburg), welche Auswirkungen die Brinkhaus-Wahl hat.
WOCHENBLATT: Hat Sie die Wahl von Ralph Brinkhaus überrascht?
Michael Grosse-Brömer: Es war schon vor der Wahl klar, dass es wahrscheinlich ein knappes Ergebnis geben würde. Die Abgeordneten haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und am Ende hat Ralph Brinkhaus mehr Kollegen überzeugen können. Für mich war dieses Ergebnis schon überraschend.
WOCHENBLATT: Was hat aus Ihrer Sicht dazu geführt, dass der favorisierte Kandidat von Frau Merkel, Volker Kauder, nicht mehr die Mehrheit erhalten hat?
Grosse-Brömer: Über die Motive meiner Kollegen in der Fraktion möchte ich nicht spekulieren. Aber es hat sicher eine wichtige Rolle gespielt, dass Ralph Brinkhaus mit seiner engagierten Vorstellungsrede viele Abgeordnete überzeugt hat. Und er hat ja auch klar gemacht, dass sich seine Kandidatur keineswegs gegen die Kanzlerin richtet. Er will das Profil der Fraktion schärfen und auf diese Weise mit dazu beitragen, dass wir zusammen mit Angela Merkel und der gesamten Bundesregierung eine gute Politik für Deutschland machen.
WOCHENBLATT: Die Wahl von Ralph Brinkhaus wird als schwere Niederlage für Angela Merkel gewertet. Ist sie eine Kanzlerin auf Abruf?
Grosse-Brömer: Keineswegs. Mit Ralph Brinkhaus an der Spitze wird die gesamte Fraktion einen ganz wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die Koalition unter Führung von Angela Merkel erfolgreich arbeitet. Sie werden sehen, schon in den kommenden Wochen werden wir wichtige Vorhaben beschließen.
WOCHENBLATT: Was bedeutet die Wahl von Ralph Brinkhaus persönlich für Sie? Müssen Sie um Ihren Posten bangen oder bleiben Sie im Amt?
Grosse-Brömer: In der Demokratie sind Ämter immer nur auf Zeit. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr darüber, dass Ralph Brinkhaus angekündigt hat, der Fraktion meine Wiederwahl als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer vorzuschlagen. Das ist eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. In herausfordernden Zeiten kann ich damit weiterhin meinen Beitrag leisten für eine starke und erfolgreiche Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
WOCHENBLATT: Wie kann es gelingen, nach den Rückschlägen der vergangenen Wochen zur Sacharbeit zurückzukehren?
Grosse-Brömer: Ich bin mir ganz sicher, dass wir das hinbekommen. Als Fraktion konzentrieren wir uns jetzt auf Themen wie Wohnen, Rente und Pflege und die Verbesserung der Inneren Sicherheit. Von den anstehenden Beschlüssen und Gesetzen werden die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland ganz konkret profitieren.
WOCHENBLATT: Herr Grosse-Brömer, vielen Dank für das Gespräch.


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