Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Wir wollen die Nachbarn doch nicht terrorisieren"

Die Halfpipe ist unbrauchbar gemacht
 
"Wir würden sie gerne irgendwo weiter nutzen", sagt Benn Drossart (kl. Foto)

Zwillinge dürfen selbst gebaute Halfpipe nicht weiter betreiben / Suche nach Ersatzstandort

os. Buchholz. Die Zwillingsbrüder Benn und Luke Drossart (21) sind verzweifelt und desillusioniert. "Wir haben so viel Zeit und Geld in den Bau unserer Halfpipe gesteckt. Diese jetzt nicht nutzen zu dürfen, ist echt hart", sagt Benn Drossart. Nach Protesten der Nachbarn legte die Bauverwaltung der Stadt Buchholz die Anlage still, die die Zwillinge in mühevoller Kleinarbeit gebaut hatten. Begründung: Nach der Niedersächsischen Bauordnung hätte die Halfpipe genehmigt werden müssen. Zudem verstoße sie gegen die Lärmverordnung. "Wir wollen doch unsere Nachbarn nicht terrorisieren, sondern nur ein bisschen Sport treiben", betont Benn Drossart. Auch Jugendliche aus der Nachbarschaft sollten die Anlage fürs Skaten und Mountainbiken nutzen können.
Eine Halfpipe gibt es im Buchholzer Stadtteil Holm-Seppensen nicht. Diese Lücke in der Infrastruktur wollten die Zwillinge schließen, holten sich im Vorfeld auch die Zustimmung aller direkten Nachbarn. Doch schon nach der ersten Nutzung beschwerte sich ein Nachbar - nach Aussagen von Benn Drossart nicht bei ihm und seinem Bruder, sondern direkt bei der Stadtverwaltung. Die schickte prompt einen Brief mit der Verfügung, die Halfpipe nicht mehr zu nutzen. In einem zweiten Schreiben verdeutlichte Verwaltungsmitarbeiter Jan Voigt, dass die Anlage illegal errichtet wurde. Als Begründung nannte Voigt verschiedene Paragrafen aus der Niedersächsischen Bauordnung, u.a. den Genehmigungsvorbehalt für die Bauverwaltung und die notwendige Beteiligung von Nachbarn und Öffentlichkeit bei Neubauten. Bei einem Vorort-Termin stellten Mitarbeiter der Verwaltung fest, dass die Anlage zu laut sei. Konkret nach gemessen wurde laut Benn Drossart aber nicht. Hintergrund: In einem reinen Wohngebiet darf der Lärm tagsüber 50 Dezibel nicht überschreiten. Folge von Briefen und Vorort-Termin: Benn und Luke Drossart entfernten diverse Siebdruckplatten aus der Halfpipe, sodass diese nicht mehr nutzbar ist.
Benn Drossart versteht vor allem seine Nachbarn nicht, die ihn anschwärzten. "Wir haben mit ihnen das Gespräch gesucht, was uns aber nicht gelungen ist", sagt der passionierte Mountainbiker, der als Zweirad-Mechatroniker arbeitet. Sein Bruder und er versichern, dass sie die Halfpipe nur für maximal zwei Stunden pro Woche nutzen wollen: "Uns ist sehr wohl bewusst, dass die Anlage laut ist. Deshalb wollten wir uns gerne mit unseren Nachbarn auf Nutzungszeiten einigen, aber dazu sind wir gar nicht mehr gekommen."
Die Zwillinge werden wahrscheinlich die gesamte Anlage abbauen müssen. Verschrotten wollen sie die Halfpipe, deren Materialwert bei rund 2.500 Euro liegt, aber nicht. "Wir würden sie gerne weiter nutzen und hoffen, dass uns jemand eine andere Fläche oder eine Halle - möglichst in Holm-Seppensen - zur Verfügung stellen kann", sagt Benn Drossart. Wer helfen kann, erreicht ihn unter drossart.benn@web.de.

Auf ein Wort

Lösungen für den Bürger finden

Eines vorneweg: Formaljuristisch hat die Stadt Buchholz Recht, die Nutzung der Halfpipe zu untersagen. Dafür gibt es Gesetze in der Bauordnung. Wenn jeder baute, was er will, wäre das wie Anarchie. Aber: Für Gesetze gibt es auch Ausnahmeregeln. Ich denke, dass es für die Nutzung der Halfpipe von Benn und Luke Drossart eine Lösung gäbe. Voraussetzung ist, dass sich die Buchholzer Bauverwaltung sich für ihre Bürger einsetzt und sich nicht hinter Paragrafen versteckt.
Ist es möglich, dass Benn und Luke Drossart nachträglich einen Bauantrag einreichen? Könnte man die Nutzungszeiten nicht mit den Nachbarn vertraglich festlegen? Warum wurde die tatsächliche Lautstärke nicht gemessen? Warum erhielten die Brüder nicht die Möglichkeit, lärmdämpfende Maßnahmen wie andere Reifen für die Skateboards zu ergreifen? Wäre dann die 160-Meter-Abstandsregel zur Nachbarbebauung obsolet?
Eines ist klar: Das gut gemeinte Engagement junger Menschen wird erlahmen, wenn sie als Dank von Behördernvertretern nur Gründe genannt bekommen, warum etwas nicht funktioniert, und nicht gemeinsam nach Lösungen gesucht wird, wie etwas gelingen kann. Oliver Sander