Großbrand in Buxtehude: Ein Tauchsieder hat das Unglück ausgelöst

Polizeioberkommissar Benjamin Schröder ist Experte für Brandermittlungen
3Bilder
  • Polizeioberkommissar Benjamin Schröder ist Experte für Brandermittlungen
  • Foto: tk
  • hochgeladen von Tom Kreib
Panorama

Corona-Geschehen im Landkreis Harburg
Zwei weitere Tote im Seniorenheim

(os). Der Landkreis Harburg meldete am Montag, 19. Oktober, zwei weitere Corona-Tote. Sie waren Bewohner des Seniorenheims "Haus an den Moorlanden" in Neu Wulmstorf, in dem sich Ende September zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten (das WOCHENBLATT berichtete). Damit wurden im Zusammenhang mit dem COVID-19-Ausbruch in dem Seniorenheim bislang zehn Todesfälle gemeldet. Insgesamt wurden dem Landkreis Harburg am Montag exakt 1.000 bestätigte Corona-Fälle...

Akribische Brandermittlung führte zu schnellen Ergebnissen

tk. Buxtehude. Ein kleines Gerät hatte eine fatale Wirkung: Die Ursache für das verheerende Großfeuer, bei dem am Montag zwei Buxtehuder Betriebe in Flammen aufgingen, ist aufgeklärt: Ein Tauchsieder in einem Rührgerät hatte brennbare Flüssigkeiten entzündet, sodass als Kettenraktion zuerst die Halle der Naturfarbenfirma in Flammen aufging und anschließend eine benachbarte Tischlerei ebenfalls niederbrannte.

Eine Antwort auf die Frage zur Brandursache hat Polizeioberkommissar Benjamin Schröder geliefert. Der Brandermittler der Polizeiinspektion Stade hatte zusammen mit Sachverständigen die Ermittlungen geführt.

Er steht am Donnerstagmorgen auf dem Ruinen-Grundstück an der Rudolf-Diesel-Straße. Ein Bagger hat den Schutt zu einem großen Haufen zusammengeschoben. Verkohlte Bäume ragen in den Himmel. "Je weniger intakt ein Gebäude noch ist, desto schwieriger kann die Ermittlung sein", sagt der Fachmann. Es gehe darum, den Ausbruchsort und dann die Zündquelle zu finden, so der Ermittler. Dabei seien auch Zeugenaussagen hilfreich.

Mitunter ist bei der Brandermittlung Muskelkraft gefragt. "Es kommt vor, dass wir uns mit der Schaufel tief reingraben müssen", sagt Schröder. Bis ins kleinste Detail muss der Fachmann Fragen stellen: Gab es einen technischen Defekt, war es eine chemische Reaktion? Von Elektronik bis zu Chemie und Physik muss ein Brandermittler Ahnung haben. In diesem Fall waren die Antworten schnell zu finden.

Es war das schlimmste Feuer, das in den vergangenen Jahren in Buxtehude wütete: Bei dem Großbrand am vergangenen Montag sind zwei Betriebsstätten zu Ruinen niedergebrannt. Der Schaden liegt bei mehr als zwei Millionen Euro. Jetzt geht es darum, die Folgen zu bewältigen. Werden die Unternehmen wiederaufgebaut, hat das Löschwasser Umweltschäden hinterlassen?

"Ich habe die Rauchsäule gesehen als ich in Stade losgefahren bin. Je näher ich Buxtehude kam, desto mehr hatte ich das Gefühl, das ist ganz schön dicht bei mir Zuhause", sagt Lars Effenberger. Das Betriebsgebäude des Tischlermeisters an der Rudolf-Diesel-Straße in Buxtehude fiel am Montag genauso einem verheerenden Großbrand zum Opfer, wie die Betriebsstätte von Reincke Naturfarben. Dort brach das Feuer aus und griff auf das Effenberger-Grundstück über (das WOCHENBLATT berichtete). Wie geht es jetzt weiter, was sind die Folgen dieses Unglücks und wie bewertet die Feuerwehr den Grpßeinsatz?

Die vom Unglück Betroffenen: Lars Effenberger und seine Familie hoffen, zum Wochenende wieder in ihrem Haus wohnen zu können, das direkt an die niedergebrannte Halle angrenzt. "Mein Sohn hatte schulfrei und war so geistesgegenwärtig, alle Fenster zu schließen", so Effenberger. Dadurch drang kaum Rauch ins Haus ein. Die Brandschutzwand zwischen Betriebshalle und Haus hat gehalten. Nur der Keller muss ausgepumpt werden. Er steht einen Meter hoch mit Löschwasser voll.

Dass die Tischlerei ihren Betrieb schon vorher eingestellt habe, sei nicht richtig, so Effenberger. Es gebe eine Kooperation mit Henke Holzbau in Stade, doch die Tischlerei Effenberger sei nach wie vor ein in Buxtehude angemeldeter Betrieb. "Mit der Versicherung muss ich jetzt viele Gespräche führen." Bis auf die Bodenplatte muss aber erst einmal der Schutt weggeräumt werden.
Wie es mit Reincke Naturfarben weiter geht, ist derzeit noch offen. Bei Alfey im Nachbargebäude hat das Team ein provisorisches Büro bezogen. "Wir versuchen, den Tag zu überstehen", sagt eine Mitarbeiterin. Das Unternehmen hat zwei weitere Standorte in Deutschland. Die werden den Ausfall aus Buxtehude erst einmal auffangen müssen. Ob es zu einem Wideraufbau kommt oder nicht, steht derzeit noch nicht fest.

Die Feuerwehr: "Auf einen Brand in dieser Dimension kann man sich nicht vorbereiten", sagt Buxtehudes Stadtbrandmeister Horst Meyer. Spekulationen, dass es Probleme mit der Wasserversorgung gegeben habe, weist er zurück. "In diesem älteren Gewerbegebiet haben die Leitungen noch einen größeren Durchmesser. Das war für die Löscharbeiten gut." Nicht zu vergessen: Es dauere, bis Schlauchleitungen in diese Länge und Anzahl verlegt worden seien. "500 Meter mit zwei Schläuchen läuft man nicht mal eben in ein paar Sekunden", so der Stadtbrandmeister.

Einige der Augenzeugen hatten zu Beginn der Löscharbeiten die Frage gestellt, warum nicht sofort "volles Rohr" das lichterloh brennende Betriebsgebäude von Reincke gelöscht wurde. "Es ging zuerst darum, die Nachbargebäude zu retten", sagt Horst Meyer. Das habe in zwei Fällen funktioniert. "Nur bei Effenberger haben wir verloren", bedauert der Feuerwehrchef. "Die Situation bei den Nachbarn sei insgesamt "spitz auf Knopf" gewesen, so Meyer. Durch die Hitze seien zum Beispiel eingie Fensterscheiben geborsten.

Die Folgen des Großbrands aus Umweltsicht: Die betroffenen Grundstücke sind über einen Entwässerungsgraben an das Regenrückhaltebecken an der Lüneburger Schanze angeschlossen. Das Wasser dort sei verfärbt und es schwimmen Placken undefinierbaren Ursprungs darauf, so Eckhard Dittmer von der Stadtentwässerung. Eine Analyse sei in Auftrag gegeben. "Wir erwarten eine schnelle Antwort", sagt Dittmer. Der Graben sei sofort abgeriegelt worden. Wenn es entgegen der Wetterprognose in den nächsten Tagen doch regnen sollte, würde der Graben - liefe er voll - abgepumpt werden. Eine Fachfirma sei schon dabei, die Placken von der Wasseroberfläche zu sammeln.

Von den mineralischen Farbpigmenten, die bei Reincke verwendet wurde, gehe keine Gefahr für die Umwelt aus, teilt Landkreissprecher Christian Schmidt mit. Die Natiröle seien nicht toxisch, könnten aber eine organische Bealstung darstellen,

Dazu auch die Artikel Millionenschaden bei Großbrand

Meterhohe Flammensäule

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

Service
Kein Telefon, kein Internet, kein TV - derzeit gibt es viele Störungen bei Vodafone

Bildschirme bleiben zappenduster
Vodafone-Kunden in Winsen, Stelle und Seevetal beklagen zunehmende Störungen

(thl). "Was macht Vodafone eigentlich? Immer abends wird das Internet plötzlich langsamer, sodass man kaum noch online arbeiten kann. Für einen im Homeoffice ist das schlimm." So und ähnlich klangen zahlreiche Beschwerden von Bürgern aus Winsen, Stelle und Seevetal, die sich in der WOCHENBLATT-Redaktion meldeten. Immer mit dem Hinweis, dass man das Gefühl habe, dass der Telefonriese sich nicht kümmere und Beschwerden im Nirwana verschwinden würden. Auch in verschiedenen Facebook-Gruppen wird...

Panorama

400er Marke bei Infektionen überschritten
Wichtiger Corona-Wert: Landkreis Stade zeitweise bundesweit auf Platz 2

jd. Stade. Der Landkreis Stade lag in dieser Woche bundesweit auf Platz 2, was einen wichtigen Corona-Wert anbelangt - und das in positivem Sinne: In der Wochenmitte wurde für den Landkreis eine 7-Tages-Inzidenz von lediglich 1,5 ausgewiesen. Das war nach dem Altmarkkreis (Sachsen-Anhalt) der zweitniedrigste Wert in ganz Deutschland. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen sich in den vergangenen sieben Tagen neu mit dem Coronavirus infiziert haben, berechnet auf 100.000 Einwohner. Die...

Panorama

Corona-Geschehen im Landkreis Harburg
Zwei weitere Tote im Seniorenheim

(os). Der Landkreis Harburg meldete am Montag, 19. Oktober, zwei weitere Corona-Tote. Sie waren Bewohner des Seniorenheims "Haus an den Moorlanden" in Neu Wulmstorf, in dem sich Ende September zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten (das WOCHENBLATT berichtete). Damit wurden im Zusammenhang mit dem COVID-19-Ausbruch in dem Seniorenheim bislang zehn Todesfälle gemeldet. Insgesamt wurden dem Landkreis Harburg am Montag exakt 1.000 bestätigte Corona-Fälle...

Panorama
Henrik Hauschild und Laurien Hagemann auf einem der 
mächtigen Maishäcksler. Von so hoch oben, kann man die Gefahr im Feld nicht erkennen
3 Bilder

Wenn ernten zur Gefahr wird
Metallteile im Maisfeld: Sabotage oder naiver Übermut?

bim. Otter/Nenndorf. Die Maisernte ist zu 95 Prozent geschafft. Die Landwirte und Lohnunternehmen sind froh, die Futter- und Energiepflanze ins Trockene gebracht zu haben. Umso unverständlicher finden Henrik Hauschild, Juniorchef des Lohnunternehmens Hauschild aus Nenndorf, und seine Partnerin Laurien Hagemann, dass Unbekannte in einem Maisfeld in Otter (Samtgemeinde Tostedt) Metallgegenstände, u.a. Ringe und Schellen, an die Maispflanzen gehängt haben - mitten in der Maisernte. War es...

Panorama
Symbolfoto: Eltern und Kinder der Lebenshilfe-Kita sind in Sorge vor der Schließung einer Gruppe und sogar der gesamten Einrichtung

Eltern in Sorge vor Betreuungs-Aus
Lebenshilfe Buxtehude will eine Kita loswerden

tk. Immenbeck. Eltern und Kinder in der Lebenshilfe-Kita "Inne Beek" im Buxtehuder Ortsteil Immenbeck sind in heller Aufregung: Die Lebenshilfe hat das Aus für die Wolfsgruppe zum 1. November angekündigt. Das hat Lebenshilfe-Geschäftsführerin Iris Wolf kurzfristig Anfang Oktober auch der Stadt mitgeteilt, die von dieser Hiobsbotschaft genauso wie die betroffenen Eltern überrascht wurde. Grund für die Schließung: Es fehlt pädagogisches Fachpersonal. Zur Gruppenschließung wird es aller...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen