Gerichtsverhandlung in Zeiten von Corona
Spuckespritzer auf der Brille führten vor Gericht

Corona führte jetzt zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Buxtehude, der ohne die Pandemie wohl nicht stattgefunden hätte
  • Corona führte jetzt zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Buxtehude, der ohne die Pandemie wohl nicht stattgefunden hätte
  • Foto: archiv/tk
  • hochgeladen von Tom Kreib

tk. Buxtehude. Diese Verhandlung vor dem Strafrichter am Amtsgericht Buxtehude hat zwei Dinge gezeigt: In Zeiten der Pandemie gibt es Verfahren, die es vor Corona vermutlich nicht gegeben hätte. Und: Mitunter werden WOCHENBLATT-Mitarbeiter, die für die Verteilung der Zeitung zuständig sind, unnötig ausgebremst.
Was war passiert? Ein Auslieferungsfahrer des Verlags hatte in Buxtehude auf einem Hof geparkt, um ein paar Zeitungsstapel in eine Garage zu packen. Das passte einem der Anwohner gar nicht. Bei der Verhandlung prallten schließlich sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinander.

Der Angeklagte soll den Fahrer verbal attackiert haben und dabei seien auch Spuckespritzer auf der Brille des Mannes gelandet - daher der Verstoß gegen das Infektionsgesetz in Zeiten der Pandemie. Die Polizei habe ihm zur Anzeige geraten, so der Mann.

Der Anwohner, der auf der Anklagebank saß, weil er einem Strafbefehl in dieser Sache widersprochen hatte, beharrte aber darauf, dass der Fahrer permanent den Hof blockiere. Mehrfach habe er ihn darauf angesprochen und zum Wegfahren aufgefordert und sogar schon die Polizei gerufen. 

Der Fahrer wiederum erklärte, dass er nur wenige Minuten brauche, um die Stapel in die Garage zu transportieren. "Der Angeklagte stand dicht vor mir, war aggressiv und hat mich angeschrien", sagte er vor Gericht. Er habe sich aber nicht weiter darum gekümmert, sondern einfach weitergearbeitet. "Der hätte mir eine gescheuert, wenn ich irgendwas gesagt hätte", erklärte der Attackierte als Zeuge vor Gericht.

Der Anwalt des Angeklagten betonte, dass sein Mandant selbst Anzeige gegen den Fahrer erstattet habe und der Fahrer auf dem Hof nichts zu suchen hatte. "Wer ein Anliegen hat, ist noch kein Anlieger", so der Jurist.
Weder Staatsanwaltschaft noch das Gericht wollten in eine umfangreiche Beweisaufnahme mit weiteren Zeugenvernehmungen einsteigen. Vorschlag des Staatsanwalts Richtung des Angeklagten: "Lassen Sie den Mann in Ruhe das WOCHENBLATT ausliefern und ich stelle das Verfahren ein." Ein salomonischer Vorschlag, den schließlich alle Prozessbeteiligten akzeptierten.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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