Diese "Landesbediensteten" haben Schlappohren
Azubis auf vier Pfoten im Forstamt Harsefeld

Keine Angst vor den Hunden: Die drei Rabauken wollen wirklich nur spielen
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tk. Harsefeld. Wenn die drei "Landesbediensteten" Flora, Fjella und Fella im Beschwerdemanagement einer Behörde arbeiten würden, dann würde vermutlich jeder schlecht gelaunte Bürger mit Kritik an Verwaltungshandeln beim Blick in die brauen Augen seines Gegenübers dahinschmelzen und sein Anliegen glatt vergessen. Die drei sympathischen Azubis werden allerdings nicht für Bürgerbeschwichtigung, sondern für die Jagd in den niedersächsischen Landesforsten ausgebildet. Cockerspaniel Fjella, Münsterländer Flora und Dachsbracke Fella gehören Mitarbeitern des Forstamts Harsefeld. "Dass gleichzeitig drei Junghunde bei uns sind, ist eine Besonderheit", sagt Angela Peters. Bei ihr im Büro sitzt Dackel Milow als netter Begleiter mit Schlappohren, der allerdings keine jagdliche Ausbildung genossen hat.

Beim Ortstermin im Forstamt Harsefeld stellt der Besucher überrascht fest: Hinter nahezu jeder Bürotür wartet mindestens ein Hund. Bei Florian Offermanns sogar drei. Die Dackel haben alle eine jagdliche Ausbildung. Was die Halter, egal ob Förster mit Jagdgebrauchshund oder Verwaltungsangestellte, eint: "Das sind alles freundliche Familienhunde", sagt Hauke Klattenberg, Besitzer von Flora. Zwingerhaltung ist ebenso verpönt wie eine Erziehung mit harter Hand. 

Die drei Jungspunde Fella, Fjella und Flora werden auf spielerische Art bestens sozialisiert - und zwar von ihren älteren Artgenossen, wenn sie beim Toben über die Stränge schlagen. Die Nachwuchs-Hundehalter achten auch darauf, die Junghunde nicht zu überfordern. Leandra Sommer kann zum Beispiel nicht vier Stunden am Stück mit Fjella im Wald unterwegs sein. "Das wäre noch zu viel." Sie benötige noch Pausen zwischendurch. Die erwachsenen Hunde begleiten ihre Besitzer dagegen während der gesamten Arbeit im Forst und im Büro. Förster Klattenberg hat sich ganz bewusst für die Rasse der Münsterländer entscheiden. "In der Jagd ist der Münsterländer ein Allrounder", erklärt er. Und genauso ein gut sozialisierter "Kuschler".  Sein Kollege Florian Offermanns hat sein Herz an Dackel verloren und meint mit einem Augenzwinkern: "Dann hast du auch dort gewonnen, wo eigentlich gar keine Hunde erwünscht sind." Dackel seinen einfach Sympathieträger.

Bis die drei Junghunde ihre Besitzer als geprüfte Hunde zur Jagd begleiten, dauert es ungefähr zwei Jahre. Leandra Sommer, die mit der Ausbildung ihres Cockerspaniels Fjella gerade begonnen hat, erklärt, dass sich die Ausbildung unterscheidet, je nachdem ob es ein Stöber- oder Vorstehhund ist. Vorstehhunde zeigen, vereinfacht ausgedrückt, das Wild an, wohingegen Stöberhunde es selbst aufscheuchen.
Der Jagdschein ist Voraussetzung, um Förster zu werden. Die Mitarbeiter des Forstamts in Harsefeld kennen die Argumente der Jagdgegner sehr genau. "Es geht bei uns nicht um das Sammeln von Trophäen", betont Forstamtsleiter Thorsten Poppe, der vier Hunde besitzt, von denen fast immer zwei mitkommen. Die Jagd in den niedersächsischen Landesforsten sei erforderlich, um den Wald nachhaltig zu stärken und zu erhalten. "Jeder Wald muss verjüngt werden", sagt Leandra Sommer. Würde das Wild überhand nehmen, wären die Verbissschäden enorm. Würde als Alternative zur Jagd jeder Setzling umzäunt, lägen die Kosten um ein Vielfaches höher. Und Forstamtsleiter Poppe ergänzt: "Wir diskutieren in unserer Gesellschaft viel über Nachhaltigkeit und Tierwohl. Wildfleisch ist das exakte Gegenteil von Massentierhaltung, die zunehmend in der Kritik steht."

Übrigens: Die "Landesbediensteten" auf vier Pfoten gehören nicht dem Land Niedersachsen, sondern den Försterinnen und Förstern. Wenn die Hunde ihre jagdliche Ausbildung erfolgreich beendet haben, dann zahlt das Land einen Futterkostenzuschuss für seine Mitarbeiter.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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