Wohnraum fehlt, doch Deutschland als Besitzer kümmert das nicht
Bund lässt Buxtehuder Wohnungen leerstehen

Haus eins: Steht seit gut einem Jahr nutzlos leer
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++ UPDATE +++ WOCHENBLATT-Leser melden einen weiteren Leerstand. Hier geht es zu dem Artikel
tk. Buxtehude
. Dass das Unkraut teilweise höher als der Metallzaun ist, mag ein Ärgernis für ordentliche Gärtner sein. Das Haus in der Reihenhausanlage am Tannenweg in Buxtehude steht nämlich seit einem Jahr leer. Zwei Hausnummern weiter: Leerstand seit sechs Monaten. Der eigentliche Skandal ist nicht der Wildwuchs, sondern die Tatsache, dass diese Immobilien dem Bund gehören. Wer meint, dass die Bundesrepublik als Immobilieneigentümer verantwortlich mit ihrem Besitz umgeht, hat sich getäuscht. Was diesen Wahnsinn auf die Spitze treibt: In Buxtehude fehlt Wohnraum. Diese beiden - und weitere Wohnungen im Besitz des Bundes -  stehen einfach leer, derweil viele Menschen händeringend auf der Suche nach einer neuen und bezahlbaren Bleibe sind.

Haus stand zweieinhalb
Jahre leer

Ein WOCHENBLATT-Leser, der selbst in einer der Wohnungen lebt, die dem Bund gehören, hat die Redaktion auf dieses und einige weitere Probleme aufmerksam gemacht. Ortstermin: Dort, wo einst gepflegte und relativ große Gärten waren, wuchern jetzt Unkraut und Gras. Der Leerstand ist nicht zu übersehen. Nicht nur die beiden Immobilien, ein paar Meter weiter steht eine dritte Wohnung im Reihenhaus leer. "Auch seit einem Jahr", sagt der Leser. Den nächsten Leerstand erwartet er in einer der Parallelstraßen. Dort zieht der betagte Mieter aus. Ein Nachmieter, den er der Immobilienverwaltung präsentiert habe, wurde abgelehnt. "Dafür muss der Mieter jetzt auf eigene Kosten die eingebaute Sauna, Küche sowie das Gartenhaus entfernen." 
Der Kontakt zu der Immobilienverwaltung, die in Hannover sitzt und sich um die Liegenschaften des Bundes in Buxtehude kümmern soll, sei schwierig, so der Leser. Was aus Hannover veranlasst wird, habe in seinen Augen auch nicht unbedingt Hand und Fuß. So wurden die Pfähle für den neuen Metallzaun vor einem der Leerstandshäuser so nachlässig gesetzt, dass sie schon jetzt hin- und herwackeln. "Nicht einbetoniert", sagt der Nachbar.

Geld ist offenbar aber für andere Maßnahmen vorhanden, deren Zweck sich nicht unbedingt auf den ersten Blick erschließt: Einige der Reihenhausanlagen wurden mit einem meterhohen schwarzen Sichtschutzzaun quasi eingebunkert. Dafür war offenbar Geld vorhanden, für einen E-Check der Leerstandswohnungen nicht. Das sei nämlich der Grund, den die Immobilienverwaltung nenne, wenn nachgefragt werde, wieso die Wohnungen dermaßen lange leerstehen. Erst der Check, dann eventuell eine Elektrosanierung. "Den Handwerker bestellen und fertig machen", ist die Meinung des Lesers. Hoffnung, dass die Leerstände schnell beseitigt werden, hat er nicht. "Ein Haus stand schon zweieinhalb Jahre leer, bevor es neu vermietet wurde."

Wohnungen waren
für Soldaten

Dass in Buxtehude viele Häuser und Wohnungen dem Bund gehören, hat mit der ehemaligen Kaserne zu tun. Die Immobilien waren Unterkünfte für Soldaten und zivile Mitarbeiter des Standorts. Nach dem Aus der Kaserne gingen die Häuser in den Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über. Die besitzt bundesweit eine gigantische Menge an Wohnungen und Häusern. Die Verwaltung wurde in Buxtehude einem Dienstleister übergeben. Auf dieser Ebene muss es offenbar schon länger haken. Bereits 2016 hatte das WOCHENBLATT über andere BImA-Häuser in Altkloster berichtet. An drei Mehrfamilienhäusern hatten Sanierungsarbeiten begonnen, die nicht weitergeführt wurden. Ein Mieter, der sich damals an das WOCHENBLATT gewendet hatte, berichtete, dass das Dach seit Monaten offen sei und nichts geschehe. Das Problem sei dadurch entstanden, hatte die BImA damals geantwortet, dass es zu einem Verwalterwechsel gekommen sei und es Kommunikationsschwierigkeiten gegeben habe. Die sollten aber behoben sein, so ein Sprecher damals.

Für Zäune mussten
Hecken weichen

Offenbar nicht dauerhaft, wie der unerklärliche Leerstand in einer Stadt mit fehlenden Wohnungen zeigt. Dass es mit der Verwaltung zu Problemen kommt, hat sich bis zur BImA herumgesprochen.
Das WOCHENBLATT hat erneut nachgefragt. "Die BImA wird ihre Wohnungen künftig wieder selbst verwalten. Der Wechsel der Verwaltung wird Anfang kommenden Jahres erfolgen. Die Mieterinnen und Mieter werden dann entsprechend von der BImA über die neuen Ansprechpartner informiert", schreibt deren Sprecher Thorsten Grützner. Bleibt zu hoffen, dass es dann nicht mehr zu dieser Form des Wohnraumentzugs kommt. Der Bund, das darf dabei nicht aus dem Blick geraten, ist auf dem lokalen Wohnungsmarkt der Hansestadt ein durchaus großer Mitspieler: "Im Eigentum der BImA sind derzeit 88 Wohnungen und Häuser sowie 40 Garagen bzw. Stellplätze", so deren Sprecher. Acht Objekte würden derzeit leerstehen. An einen Verkauf denke die BImA nicht, erklärt er weiter.

Wenn der Bund wieder selbst die Regie übernimmt, dann sollte er vielleicht auch auf Nachhaltigkeit in seiner Immobilienbewirtschaftung achten. Dort, wo jetzt die Sichtschutzzäune stehen, war früher eine dichte Hecke, die für viele Vögel Brutplatz war, hat der WOCHENBLATT-Leser beobachtet. Die wurde für den Zaun rausgerissen.

KOMMENTAREigentum verpflichtet, oder?
Wenn einem Eigentümer 88 Wohnungen und Häuser in Buxtehude gehören, ist es völlig normal, dass ab und an eine Wohnung leersteht. Das ist beim Bund nicht anders als bei einem Immobilieninvestor. Was in diesem Fall mit den leerstehenden Wohnungen des Bundes, verwaltet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), aber mehr als ein Ärgernis, ja, sogar ein Skandal ist: Die Wohnungen stehen sehr lange Zeit leer. Und das in einer Stadt, die unter Wohnraummangel ächzt, eine Stadt, in der (noch) die vom Land verhängte Mietpreisbremse gilt. Wenn ein BImA-Mieter berichtet, dass eine Immobilie zweieinhalb Jahre leergestanden habe, ist das in einer Stadt wie Buxtehude ein handfester Skandal. Eigentum verpflichtet bekanntermaßen und für den Bund als Eigentümer sollte das eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Diese freien Wohnflächen sind nämlich genau das, was fehlt: Attraktiv und noch halbwegs bezahlbar. Diese Reihenhäuser sind keine topmodernen Stadtvillen mit einer Quadratmetermiete, die sich nur Gutverdienende leisten können. Diese Wohnungen wären für Mieter, zum Beispiel für junge Familien, die zwar zwei Gehälter haben, sich aber nicht die oberen Mietgrenzen leisten können, ein perfektes Zuhause.

Bleibt zu hoffen, dass es nicht mehr zu dieser unmoralischen Wohnraumvernichtung kommt, wenn die BImA, wie von ihr angekündigt, wieder selbst die Regie übernimmt. Ob das klappt? Ich habe Zweifel, denn Probleme mit Bund-Eigentum gibt es in Buxtehude nicht erst jetzt. Was vielleicht helfen würde: Wenn jeder, der weiß, dass leere Häuser oder Wohnungen dem Bund gehören, Druck macht.Tom Kreib 

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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