WOCHENBLATT-Redakteurin fährt auf dem Estering bei Andreas Steffen mit
Buxtehude: Adrenalinspiegel am Limit

WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping stieg bei Rallycross-Pilot Andreas Steffen ein. Das Auto: ein brandneuer Bolide aus der Rallycross-Serie TitansRX
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ab. Buxtehude. Hitze. Staub. Ohrenbetäubender Lärm. Mein letztes Stündlein hat geschlagen, denke ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping. Denn an diesem Sonntag steige ich gegen 13 Uhr zu einem fremden Mann ins Auto. Ein Auto, das in zwei Sekunden von null auf hundert beschleunigt. Bin ich lebensmüde?
Mitnichten. Der Fahrer heißt Andreas Steffen und gehört zu den besten Rallycross-Piloten Deutschlands. Ich bekomme die einmalige Gelegenheit, neben ihm sitzend zwei Runden auf dem Estering in Buxtehude zu fahren - in seinem brandneuen, 530 PS starken Boliden aus der Rallycross-Serie TitansRX.

Die Sonne knallt auf den Estering. Hier sind mindestens 30 Grad. Der Start rückt näher. Etwas unbehaglich fühle ich mich inzwischen schon: Ich verfluche zwar meine eigene Courage, freue mich aber gleichzeitig auf das aufregende Erlebnis. Und ich frage mich, ob Frühstücken heute morgen eine gute Idee war.
Jemand drückt mir eine schwarze Sturmhaube in die Hand. Anschließend bekomme ich von Sascha Stubnick aus dem Team Andreas Steffen einen bulligen Sicherheitshelm aufgesetzt. Mir wird noch ein bisschen heißer.

Vor mir ist ein anderer Pressekollege dran. "Einfach geil", schnauft er nach der Fahrt begeistert beim Aussteigen. "Viel Spaß", ruft er noch, da klettere ich schon in das Innere des TitansRX. Der Motor des Boliden bollert schon im Stand unfassbar laut vor sich hin. Sascha zurrt mich mit einem Vier-Punkt-Gurt am Beifahrersitz fest. Beim Vorstellen muss ich Andreas zwei Mal anschreien, bevor er meinen Namen versteht. Mit meinem Handy gelingt mir ein letztes Foto durch die Windschutzscheibe - dann tritt Andreas das Gaspedal durch.

Die Fliehkräfte sind immens. Ich werde stark in den Sitz gedrückt und mein Adrenalinspiegel nach oben. Andreas ist konzentriert und fokussiert: schalten, bremsen, Gas geben. Die Kurven scheinen auf uns zuzufliegen. Als die Bande für meine Begriffe zu schnell auf uns zukommt, muss ich meine Augen schließen: Ich habe das Gefühl, gleich aus dem Wagen herausgedrückt zu werden.

Meine Angst ist unbegründet, mein Vertrauen in den Profi-Fahrer wächst: Andreas beherrscht sein Handwerk und den Boliden wie ein Musiker ein sensibles Instrument. Er schaltet punktgenau, weiß, wann er abbremsen muss, damit der Wagen möglichst schnell in die Kurve driftet und ohne Zeitverlust wieder heraus. Jetzt kann ich anfangen zu genießen, halte mich aber trotzdem sicherheitshalber weiter fest. Ich fühle mich wie in meinem eigenen Film, den ich mit einer ruckeligen Super8-Kamera drehe.

"Alles okay?", fragt Andreas kurz vor dem Ende der zweiten Runde. Er fährt plötzlich deutlich langsamer, noch eine Kurve, dann sind wir zurück am Ausgangspunkt. Ich halte meinen Daumen nach oben. Geschafft - oder doch eher schade? "Na, wie wars?", fragen mich alle Umstehenden. "Krass", sage ich und ergänze: "Aber auch irgendwie cool." Bessere Worte fallen mir zu dem eben Erlebten nicht ein, ich zittere noch am ganzen Körper und habe weiche Knie. Von Andreas bekomme ich einen Kraft-Drücker. Sascha schenkt mir zum Andenken die Sturmhaube.
Mein Fazit: Ein einmaliges Erlebnis! Wer körperlich fit ist, Karussellfahren gut aushält und die Gelegenheit bekommt, in einem Boliden mitzufahren, sollte die Chance nutzen.

Mit Respekt bei der Sache sein
"Das Auto lässt sich super fahren!" So lautet das Fazit von Rallycross-Pilot Andreas Steffen zu seinem neuen Boliden TitansRX. "Ich bin begeistert von der Serie." Wie er sich in den letzten Minuten vor dem Rennen vorbereitet? "Vor jedem Rennen bin ich immer sehr fokussiert. Ich versuche, alles andere auszublenden und mich nur noch auf das, was kommt, zu konzentrieren."

Außerdem gehe er mit Respekt an den Start: "Respekt sollte der Technik, der Konkurrenz und der Geschwindigkeit gelten. Auf der Strecke geht alles so schnell, nur ein Idiot fährt ohne." Einen Beifahrer an Bord zu haben, wie er es Vertretern der Presse auf dem Estering angeboten hatte, sei "sehr speziell". Steffen: "Man merkt beim Fahren schon, dass mehr Gewicht im Auto sitzt. Aber man gewöhnt sich daran." Am meisten sei er jedes Mal gespannt auf die Reaktionen der Mitfahrenden.

Auch wenn er auf der Strecke Vollgas gibt - privat, so Steffen, sei er ein konservativer Autofahrer. "Rasen auf der Straße macht keinen Sinn. Man gefährdet dadurch sich und andere."

Das erste Rennen mit dem TitansRX fährt Andreas Steffen am 29. und 30. Juni im französischen Essay.

"Da kommt selbst die Formel 1 nicht ran"
Vor Beginn der Rallycross-Saison wird ein Auto komplett "revidiert", also überholt, erklärt Sascha Stubnick. Seit 2013 gehört er zum Team Andreas Steffen.
Der neue Bolide des Lokalmatadoren, der TitansRX, ist ein absoluter Blickfang. Er erreicht mit seinen 530 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h und hat eine Beschleunigung von null auf 100 in zwei Sekunden. "Da kommt sogar die Formel 1 nicht hin", sagt Stubnick stolz. Allerdings stehen die Fahrer vor dem Start bereits mit ihrem Fuß auf dem Gas, fügt er hinzu.

Der TitansRX ist eine Rennserie mit 15 baugleichen Fahrzeugen. "Es gibt verschiedene Karosserien, die übergestülpt werden. Dann wird der Wagen zu einer Mercedes A-Klasse, einem Ford Fiesta oder, wie bei uns, zu einem Hyundai."
Der Wagen hat fünf Gänge, das Schalten funktioniert ohne Kupplung. Es ist ein sequentielles Getriebe, das bedeutet, man kann nur in den nächsthöheren oder in den vorangegangenen Gang schalten. "So kann es beispielsweise nicht passieren, dass man versehentlich in den Rückwärtsgang schaltet."

Der Bolide hat einen Wert von 220.000 Euro. Bewähren sich die 15 Fahrzeuge, ist Sascha Stubnick überzeugt, wird es im nächsten Jahr mehr davon geben.

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