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Eine Installation in der Buxtehuder Petri-Kirche sorgt für Diskussionen
Darf ein politisches Kunstschwein in die Kirche?

Diese Fotomontage zeigt, worum es geht: Pastor Thomas Haase (li.) und Erwin Hilbert haben die Ausstellung gemeinsam vorbereitet. Dann zog das Schwein ein - und das war nicht abgesprochen
  • Diese Fotomontage zeigt, worum es geht: Pastor Thomas Haase (li.) und Erwin Hilbert haben die Ausstellung gemeinsam vorbereitet. Dann zog das Schwein ein - und das war nicht abgesprochen
  • Foto: tk/Montage MSR
  • hochgeladen von Tom Kreib

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"Es war wie eine spontane Sturzgeburt", sagt Erwin Hilbert dem WOCHENBLATT. Er hat ein kleines Schwein aus Metall auf einen Strohballen in einem Holzkasten gestellt, mit roter Farbe Blut imitiert und auf einen Zettel geschrieben: "Als Gott mich schuf, dachte er nicht an Tönnies." Plakativ, politisch und hochaktuell. "Ich wollte keinen Eklat provozieren", sagt Hilbert und fügt hinzu: "Ich bin wirklich traurig, dass ich das Schwein entfernen soll." Das will er nicht, auf keinen Fall. Schließlich, sagt der Kreative aus dem Nachbarlandkreis, habe er nicht den Altar mit Schweineblut besudelt. Die Petri-Pastoren Thomas Haase, Michael Glawion und Superintendent Dr. Martin Krarup hätten ihm aber nahegelegt, die Installation freiwillig zu entfernen. Es habe Beschwerden darüber gegeben. "Das wäre so, als ob ein Stück aus meinem Herzen gerissen wird", sagt Erwin Hilbert.

Kritik an
Tönnies

Mit seiner Kritik an Tönnies und der Massentierhaltung liegt Hilbert eigentlich auf dem Kurs der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Nutztier und Mitgeschöpf" heißt ein Papier der EKD aus dem vergangenen Jahr. "Menschen und Tiere sind Geschöpfe Gottes, sie tragen beide den gleichen von Gott geschenkten Lebensatem (Psalm 104,10–18)" ist dort zu lesen. Und weiter: "Das Töten von Tieren wird nicht dadurch ethisch neutral, dass es routinisiert, massenhaft, im Wesentlichen öffentlich unsichtbar und gesellschaftlich toleriert stattfindet." Dieses Papier, so das Ziel der EKD, sollte den Diskurs, auch mit der Landwirtschaft, anregen. Und Hannovers Landesbischof Ralf Meister hatte im Januar erklärt, die Bibel enthalte durchaus die Forderung, Tiere als "Mitgeschöpf" zu achten. Derzeit sei man weit entfernt von einer artgerechten Tierhaltung. Nichts anderes thematisiert Erwin Hilberts Schwein im Käfig.

"Wir sind 
im Gespräch"

"Ich will kein Sturkopf sein", sagt der Künstler. Bei Beerdigungen in der Petri-Kirche werde er die Installation rausräumen, sagt Hilbert - "doch danach will ich sie wieder aufstellen", betont er. Er könne auch darauf verzichten, Schweinequieken - er hat dafür einen Handy-Klingelton heruntergeladen - abzuspielen. "Ich habe keinen Skandal gesucht", sagt der Künstler.

Erwin Hilbert verweist auf Einträge ins Gästebuch, die ihm zeigen: Sein Schwein wird verstanden, das Thema treffe ins Schwarze. "Kunst regt täglich zum Überlegen an. Kritik ist dabei richtig." Die Ausstellung will der Tostedter Kreative nicht abbrechen. "Wenn das Schwein raus muss, werde ich meine eigene Ausstellung aber nicht mehr betreten."

"Wir sind miteinander im Dialog", sagt Pastor Thomas Haase über Gespräche mit Erwin Hilbert. Haase betont, dass er nichts gegen die Installation habe und die Kunstfreiheit sehr hoch hänge. Störend sei aber das Gequieke gewesen. Darüber hätte es auch Beschwerden gegeben. Mit diesem zusätzlichen Werk sei die Ausstellung zudem eine andere geworden. Auch der Titel "Jesus und andere Gestalten" würde eigentlich nicht mehr passen. Wenn man gemeinsam eine Ausstellung vorbereite, zusammen die Werke auswähle, dann sei das die Basis, auf die sich alle daran Beteiligten geeinigt hätten. Die Frage, ob das Kunst-Schwein nun bleibt oder raus müsse, sei noch nicht endgültig geklärt. "Wir wollen weiter miteinander reden", sagt Haase. Mit dem Thema Tiere als Geschöpfe Gottes habe sich die Gemeinde sogar schon in einer Ausstellung beschäftigt. Tiere in der Bibel hieß sie. "Da hätte die Installation gut reingepasst", sagt Pastor Haase.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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