Das geheime Zimmer im Buxtehuder Amtsgericht

Hier haben Besucher sonst keinen Zutritt: Amtsgerichtsdirektor Dr. Norbert Aping im Beratungszimmer zwischen den beiden Gerichtssälen.
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Ein neugieriger Blick auf sonst verbotenes Terrain

tk. Buxtehude. Was liegt hinter dieser Tür? Diese Frage stellen sich Prozessbeobachter am Amtsgericht Buxtehude genauso wie neugierige WOCHENBLATT-Redakteure. Etwa beim Prozess gegen den rabiaten Autofahrer, der Beamte beleidigt hatte (das WOCHENBLATT berichtete). Richter und Schöffen verlassen den Gerichtssaal durch eine massive Holztür und wenn sie wiederkommen, wird es für den Delinquenten auf der Anklagebank ernst: das Urteil wird gesprochen. Das Beratungszimmer, das zwischen den beiden Gerichtssälen im Erdgeschoss liegt, ist verbotenes Terrain für Besucher. Amtsgerichtsdirektor Dr. Norbert Aping hat das WOCHENBLATT dennoch einen Blick hineinwerfen lassen.
Aping schließt die Tür auf und das Licht geht automatisch an. Vor dem Allerheiligsten die nächste Tür. Was den Besucher wohl erwartet? Eine chillige Lounge-Atmosphäre, damit die Urteilsfindung ganz entspannt wird? Oder ist es wie im Filmklassiker "Die Zwölf Geschworenen", eine lange Tafel, an der über Recht und Unrecht debattiert wird?
Die Wirklichkeit am Amtsgericht Buxtehude ist funktional: Ein runder Tisch, vier Stühle, rechts und links hohe Bücherregale mit juristischer Fachliteratur, der Blick durch die Lamellenvorhänge vor dem Fenster fällt auf den Stadtpark im Winterschlaf.
"Ein Richter braucht Zeit, um in Ruhe sein Urteil zu begründen", sagt der Amtsgerichtsdirektor. Bei Prozessen vor dem Schöffengericht, wenn zwei Laienrichter dabei sind, finden in diesem Zimmer die Beratungen statt. Aping räumt gleich mit einem Vorurteil auf: "Hier werden keine Deals gemacht." Wenn sich Richter, Staatsanwalt und Verteidigung verständigen wollen, geschieht das vor dem Richtertisch - also in der Öffentlichkeit.
Was beim Blick durch den kleinen Raum auffällt: Rechts und links geht es über ein Podest mit Metallgeländer zu den beiden Gerichtssälen. Begibt sich der Jurist auf eine höhere Ebene, um sein Urteil überzeugend zu begründen? Der Grund ist ganz profan. "Die Säle liegen höher als dieses Zimmer", sagt Norbert Aping.
Nach der Erkundung dieses geheimen Zimmers ist die Neugierde befriedigt. Tipp ans niedersächsische Justizministerium: Geld für eine Kaffeemaschine locker machen. Die fehlt nämlich.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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