Der Retter des kaiserlichen Postamtes

Der studierte Wirtschaftsingenieur hat das Haus für knapp 40.000 Euro gekauft
5Bilder
  • Der studierte Wirtschaftsingenieur hat das Haus für knapp 40.000 Euro gekauft
  • hochgeladen von Björn Carstens

bc. Freiburg. Dieses Projekt als „schwachsinnig“ zu bezeichnen, ist keine Beleidigung. Zumindest nicht für Boris Ksoll. Der 48-Jährige hat vor mehr als einem Jahr das heruntergekommene und einsturzgefährdete Gebäude des früheren kaiserlichen Postamtes in Freiburg gekauft. Zehn Jahre hat er sich Zeit für die Renovierungen gegeben. (Fast) alles macht er selbst. Eine Mammutaufgabe!
„Normalerweise hätte ich schreiend weglaufen müssen, als ich dieses Haus zum ersten Mal gesehen habe. Ich habe es aber gekauft. Einmal im Leben sollte man etwas komplett Schwachsinniges machen“, erzählt der Privatier humorvoll. Mittlerweile bekommt er viel Unterstützung aus der Bevölkerung. „Einige sprechen mir Mut zu.“
Boris Ksoll ist wohl das, was man flapsig einen positiv Verrückten nennen würde. Vor 14 Monaten hat er sein Leben komplett umgekrempelt. Der studierte Wirtschaftsingenieur, der lange als Berufsschullehrer gearbeitet hat, gab seine 58 Quadratmeter große Wohnung in Hamburg-Wandsbek auf und kaufte sich das denkmalgeschützte einstige Postamt - ein Haus mit gut 130-jähriger Historie, das nach dem Krieg unter anderem als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde. 350 Quadratmeter auf drei Etagen. Dass das Gebäude sanierungsbedürftig ist, wäre gnadenlos untertrieben. Warum also das alles?
„Ich hatte einen Segelschein gemacht und wollte mir ein Segelboot kaufen. Dann habe ich nach einem geeigneten Hafen gesucht und bin in Freiburg fündig geworden. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Nordsee“, schildert er seine Beweggründe für den Neuanfang an der Elbe. Arbeiten will er nach einer Depression nicht mehr („Ich mache nur noch das, was mir Spaß bringt“). Sein Geld verdient er nach seinen Angaben mit Miet-Einnahmen.
Auch wenn die unzähligen Zimmer in dem Haus nach wie vor mehr einer Mega-Baustelle ähneln als einer gemütlichen Wohnung, lassen sich kleine Fortschritte erkennen. So sind die dringendsten maroden Balken im Obergeschoss ausgetauscht worden, auch das Dach ist wieder dicht. Mit Holzplatten hat sich Boris Ksoll zudem ein kleines Reich abgesteckt, inklusive Bad mit Elbblick.
Der leidenschaftliche Handwerker greift selbst zu Stichsäge und Drechsel-Maschine. Das Werkzeug wurde in einer Tischlerei ausgemustert, das Material holt er sich zum Teil aus Abbruchhäusern, zuletzt aus Osten. Bis auf Dach- und Klempner-Arbeiten will er alles selbst machen. Wie zum Beispiel die Fensterflügel. Davon braucht er immerhin ca. 90 Stück. Eine Heidenarbeit. Sein kalkuliertes Budget: gute 250.000 Euro über die Jahre gesehen. Davon sind schon ca. 5.000 Euro für die Schuttbeseitigung im Garten draufgegangen: „60 Kubikmeter verbuddelten Schutt musste ich entsorgen.“
Wenn irgendwann mal alles fertig ist, will Boris Ksoll im Obergeschoss wohnen und in den Etagen darunter einen für jedermann zugänglichen „Männerhort“ einrichten. Für ihn heißt das: eine große Spiel-Landschaft mit Poker-, Billard- und Kicker-Tisch, Dart-Scheiben, Flipper, und, und, und. Alles ohne kommerziellen Hintergrund. Boris Ksolls Passion als großes „Spielkind“ drückt sich auch im benachbarten historischen Kornspeicher aus, wo er eine 70 Meter lange Carrera-Bahn für die Öffentlichkeit aufgebaut hat (das WOCHENBLATT berichtete). Selbst das Fernsehen war schon da.
Boris Ksoll scheint mit sich im Reinen zu sein: „Für mich ist das hier auch ein wenig therapeutisches Renovieren.“

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

Panorama
  3 Bilder

Eklat zwischen dem Künstler Erwin Hilbert und dem Vorstand der St.-Petri-Kirche
Kunstausstellung in Buxtehuder Kirche vorzeitig beendet

sla. Buxtehude. Nach etlichen Vorfällen, über die das WOCHENBLATT berichtete, hat der Kirchenvorstand der St.-Petri-Kirchengemeinde die Kunstausstellung "Jesus und andere Gestalten" sowie die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler Erwin Hilbert vorzeitig beendet. Der Entschluss wurde durch Pastor Michael Glawion nach dem Druck der Wochenendausgabe bekanntgegeben. Die genauen Hintergründe, die zu dieser Entscheidung führten, werden in der nächsten WOCHENBLATT-Ausgabe am Mittwoch ausführlich...

Politik
Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln, ist das nicht gefährlich, beruhigt der Landkreis

Antwort des Landkreises Harburg auf FDP-Antrag
Maden in Biotonnen sind ungefährlich

(os). Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln oder die Tonne einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist das für Menschen ungefährlich. Das geht aus der Antwort des Landkreises Harburg auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion hervor. Wie berichtet, wollten die Freidemokraten wissen, ob es möglich ist, die Biotonne in den Monaten zwischen Mai und September jede Woche und nicht wie derzeit alle 14 Tage leeren zu lassen. Die FDP-Fraktion hatte auf viele Klagen von Bürgern verwiesen, denen beim...

Panorama
Die DLRG rät, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen

Viele Tote an ungesicherten Badestellen
24 Menschen sind bisher in Niedersachsen ertrunken

(bim). Eine Zwischenbilanz der bisherigen Ertrinkungszahlen veröffentlichte jetzt der DLRG-Bundesverband. Demnach sind in Niedersachsen 24 Menschen ertrunken und damit fünf weniger als im Vorjahr. Im Ländervergleich erreicht Niedersachsen dennoch den dritthöchsten Wert (in Nordrhein-Westfalen sind es 26, in Bayern 35). Bundesweit wurden 192 Ertrunkene registriert. Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor im Binnenland - besondere Gefahr besteht an ungesicherten Badestellen, wie...

Panorama
Bei Drochtersen soll die A 20 die Elbe unterqueren. Der Tunnelbau könnte - wenn alles gut läuft - 2025 beginnen

Fertigstellung der A 20 weiter für 2030 angepeilt
Neuer Elbtunnel: Baubeginn soll 2025 sein

Ab 2030 sollen die ersten Autos durch den neuen Elbtunnel bei Drochtersen rollen.(jd).  Der Termin 2030 wurde in den Vorjahren immer wieder von Planern und Politikern genannt. Jetzt bestätigte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz noch einmal indirekt die Zeitplanung: Er rechne damit, dass die A 20 in seinem Bundesland ab 2030 in ihrer kompletten Länge befahren werden kann, erklärte der Minister. Er dürfte dabei auch an die Elbquerung gedacht haben. Denn ohne den Tunnel...

Politik
Auf dem Gelände der Stadtwerke an der Maurerstraße soll in einer Halle ein Feuerwehrfahrzeug stationiert werden

Sechsmonatige Probephase geplant
Feuerwehrstandort bei den Buchholzer Stadtwerken?

os. Buchholz. Steht bald ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Holm in der Waschhalle der Buchholzer Stadtwerke, um von der Maurerstraße zu Einsätzen z. B. ein Steinbeck auszurücken? Das sehen zumindest die Pläne der Stadtverwaltung und der Feuerwehrspitze vor, die Buchholz' Stadtjustiziarin Hilke Henningsmeyer jüngst im Bauausschuss vorstellte. Demnach soll es einen sechsmonatigen Probebetrieb geben und hinterher über weitere Schritte entschieden werden. Hintergrund der Maßnahme ist...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen