"Es entstehen andere Arten von Gemeinschaft"
Digitale Gottesdienste in Buxtehude

Superintendent Dr. Martin Krarup
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tk. Buxtehude. Vermutlich schon bald werden bundesweit wieder die Kirchen öffnen und die Menschen können - natürlich mit entsprechendem Sicherheitsabstand - Gottesdienste besuchen. Viele Gemeinden haben in der Zeit der geschlossenen Gotteshäuser andere Formate ausprobiert, um in Zeiten der Pandemie da zu sein. Bleiben Youtube-Kanäle der Gemeinden vor Ort und gestreamte Gottesdienste ein Corona-Phänomen oder wird die Gemeindearbeit zukünftig digitaler und christliche Gemeinschaften nicht an ihre Kirche vor Ort angebunden? Das WOCHENBLATT hat bei Buxtehudes Superintendent Dr. Martin Krarup nachgefragt.

"Ich hoffe, dass sich manche Dinge, die sich jetzt entwickelt haben, in die Zeit nach Corona hinüberretten", sagt er. Gleichzeitig schränkt er aber ein, dass es auf Dauer nicht damit getan sei, dass sich ein Theologe bei der Predigt aufnehme und schon strömten die Massen ins virtuelle Kirchenschiff. Um online zu überzeugen, sei etwa ein anderes Reden notwendig als bei der Predigt auf der Kanzel beim Sonntagsgottesdienst mit Besuchern.

Online-Predigt keine Einbahnstraße

Chancen, aber auch Grenzen digitaler Gemeindearbeit bewegen den Superintendenten, der sich als "technikaffin" bezeichnet. Aus vielen Mails weiß er auch, dass sich die Menschen über die digitalen Angebote gefreut haben. "Es werden sogar Themen vorgeschlagen", sagt Krarup. Damit sei auch klar, dass die Online-Predigt keine Einbahnstraße sei, sondern es auch auf digitalem Weg Kommunikation gebe. Untersuchungen auf Bundes- und Landesebene hätten zudem gezeigt, dass die Angebote der Kirchen gut nachgefragt und positiv bewertet werden. Weil es in den kommenden Monaten noch weiterhin Beschränkungen geben werde, rät die EKD sogar dazu, die Online-Inhalte nach Öffnung der Kirchen nicht abrupt einzustellen. "Viele haben durch uns erstmals Youtube für sich entdeckt," sagt der Superintendent.

TV-Coach übt mit Pastoren

Seitdem Kirchen sich breiter aufgestellt digital präsentieren, wird in theologischen Magazinen auch über das Thema kontrovers diskutiert. Dabei gebe es auch Autoren, die manche Auftritte "peinlich" fänden, so Krarup. Das liege wohl weniger daran, dass bei den digitalen Gehversuchen ein Bild verwackelt war, sondern eher daran, wie der Mensch vor der Kamera rüberkomme. Es gebe nicht ohne Grund ein Video-Tutorial für Pastoren von einem TV-erfahrenen Coach, das helfen soll, überzeugend und authentisch zu wirken. Martin Krarup drückt das sehr direkt aus: "Man sollte weniger salbungsvoll rüberkommen." Die direkte Rückmeldung der Gemeinde fehle, wenn nicht "live" in der Kirche gepredigt werde.

Andere Arten von Gemeinschaften entstehen

Wenn Kirche digitaler werde, dann würden sich mutmaßlich aber auch Dinge verändern, die durchaus theologisch umstritten seien, sagt der Superintendent. So habe die Landeskirche relativ kurzfristig angeregt, dass Gründonnerstag auch das Abendmahl via Übertragung gefeiert werden dürfe. "Wir müssen dann auch akzeptieren und zulassen, dass andere Arten von Gemeinschaften entstehen, dass es digitale Gemeinden gibt und diese Communities unabhängig von der Kirche vor Ort sind", sagt Martin Krarup. Das heißt, dass auch die digitale Verbindung helfen kann, Menschen einander näher zu bringen. Abhängig davon, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt,  werden nach Auffassung des Buxtehuder Superintendenten digitale Angebote in den kommenden Monaten weiter wichtig sein, denn Menschen aus Risikogruppen werden nicht unbedingt einen Gottesdienst im echten Leben besuchen.

Superintendent Dr. Martin Krarup
Gottesdienste werden wohl bald unter Auflagen wieder möglich sein. Buxtehudes Superintendent Dr. Martin Krarup (kl. Foto) macht sich bereits Gedanken, was dann aus den digitalen Angeboten wird, die viele Gemeinden entwickelt haben    Fotos: tk/Archiv
Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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