"Fahren da Trabis?"

Angelika Behrens (re.) und ihre Freundin Dixi kleideten sich in der DDR wie ihre Vorbilder aus dem Westen
3Bilder
  • Angelika Behrens (re.) und ihre Freundin Dixi kleideten sich in der DDR wie ihre Vorbilder aus dem Westen
  • hochgeladen von Alexandra Bisping

Ende 1989 besucht DDR-Flüchtling Angelika Range die alte Heimat - mit mulmigem Gefühl

(ab). Berlin 1989, zwischen Weihnachten und Neujahr. Die Mauer ist offen. Das Brandenburger Tor wird noch von DDR-Posten bewacht, doch Menschen jubeln, feiern und strömen über die Grenze gen Westen, während meine Mutter Angelika Range (heute 66), geborene Behrens, und ich, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping, in die entgegengesetzte Richtung fahren. Blass und aufgewühlt sitzt sie neben mir. Wir fahren mit der U-Bahn zur Friedrichstraße, zum "Checkpoint Charlie", einst in amerikanischer Hand. An den U-Bahn-Stationen im Osten Berlins stehen sie, die Soldaten der DDR in ihren Uniformen. Meiner Mutter bricht der Schweiß aus ...

Ein Rückblick: Am 7. Oktober 1967, dem "Tag der Republik" in der DDR, beschließt eine Gruppe Jugendlicher die Flucht aus Ost- nach Westdeutschland. Unter ihnen auch Angelika Behrens aus Groß Rodensleben bei Magdeburg. Die 18-Jährige hat einen Faible für den Westen, hört heimlich Westmusik und versucht die dort angesagte Mode zu kopieren. Vor der Flucht beantragt sie mit ihrer besten Freundin Christel einen Passierschein unter dem Vorwand, Verwandte im Sperrgebiet nahe der Grenze besuchen zu wollen. Die Passage wird genehmigt, doch statt der Verwandten treffen sich die Mädchen dort mit einem jungen Informanten, der einen Weg "in den Westen" kennt. "In der Nacht ist es am besten", empfiehlt er.

Zu viert machen sich die Jugendlichen bei Einbruch der Nacht auf den Weg, darunter auch der Informant. Jeder hat eine Tasche mit dem Nötigsten dabei, doch die vier müssen sich trennen. Angelika Behrens geht mit ihrer besten Freundin weiter. "Haltet euch Richtung Westen, es kommen Stolperdrähte, der letzte ist der gefährlichste", gibt ihnen der Junge mit auf den Weg. Danach kommen die Mienenfelder.

"Wir haben uns tagsüber versteckt und nachts an den Maisfeldern orientiert, sind aber ziemlich kreuz und quer gelaufen. Unsere Taschen hatten wir irgendwann verloren", erinnert sich meine Mutter. Mit ihrer Freundin irrte sie durch Niemandsland, beide hatten die Orientierung verloren. "Plötzlich kam uns der schreckliche Gedanke, vielleicht im Kreis gelaufen zu sein."

Zwei Tage und Nächte lang bangen die Flüchtlinge um ihr Leben, aber das Glück ist auf ihrer Seite: Als sie eine Straße sehen und Autos hören, verstecken sie sich am Rand. "Fahren da Trabis?" Die Erleichterung kommt mit der Entdeckung, dass es sich bei den Fahrzeugen um Automarken aus dem Westen handelt. Die jungen Frauen sind müde, kaputt, schmutzig, aber sie haben es geschafft: Sie sind in Harbke im Hartz über die Grenze gekommen.

Zurück zum Dezember 1989: Mit zitternden Fingern überreicht meine Mutter an der noch bestehenden Grenze zur DDR dem grimmig aussehenden Grenzposten ihren Ausweis. Darin steht: 1949 geboren in Groß Rodensleben. Der Mann schaut lange in den Ausweis, danach ins Gesicht meiner Mutter. Es scheint Stunden zu dauern, bis er ihr das Dokument reicht und emotionslos "Danke" sagt. Wir dürfen passieren.

"Ich war bei diesem Besuch 1989 einfach nur froh, dass ich damals geflohen bin", sagt Angelika Range heute. Die Flucht der Jugendlichen hatte damals für Aufruhr gesorgt. "Das hat sich in Magdeburg herumgesprochen, sogar in westdeutschen Zeitungen sind kleine Artikel erschienen", erzählt sie. Was sie schlimm findet: Viele haben danach ebenfalls versucht zu fliehen, doch ihnen fehlten wichtige Informationen. Sie haben es nicht geschafft.

Panorama
  3 Bilder

Eklat zwischen dem Künstler Erwin Hilbert und dem Vorstand der St.-Petri-Kirche
Kunstausstellung in Buxtehuder Kirche vorzeitig beendet

sla. Buxtehude. Nach etlichen Vorfällen, über die das WOCHENBLATT berichtete, hat der Kirchenvorstand der St.-Petri-Kirchengemeinde die Kunstausstellung "Jesus und andere Gestalten" sowie die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler Erwin Hilbert vorzeitig beendet. Der Entschluss wurde durch Pastor Michael Glawion nach dem Druck der Wochenendausgabe bekanntgegeben. Die genauen Hintergründe, die zu dieser Entscheidung führten, werden in der nächsten WOCHENBLATT-Ausgabe am Mittwoch ausführlich...

Politik
Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln, ist das nicht gefährlich, beruhigt der Landkreis

Antwort des Landkreises Harburg auf FDP-Antrag
Maden in Biotonnen sind ungefährlich

(os). Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln oder die Tonne einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist das für Menschen ungefährlich. Das geht aus der Antwort des Landkreises Harburg auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion hervor. Wie berichtet, wollten die Freidemokraten wissen, ob es möglich ist, die Biotonne in den Monaten zwischen Mai und September jede Woche und nicht wie derzeit alle 14 Tage leeren zu lassen. Die FDP-Fraktion hatte auf viele Klagen von Bürgern verwiesen, denen beim...

Panorama
Die DLRG rät, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen

Viele Tote an ungesicherten Badestellen
24 Menschen sind bisher in Niedersachsen ertrunken

(bim). Eine Zwischenbilanz der bisherigen Ertrinkungszahlen veröffentlichte jetzt der DLRG-Bundesverband. Demnach sind in Niedersachsen 24 Menschen ertrunken und damit fünf weniger als im Vorjahr. Im Ländervergleich erreicht Niedersachsen dennoch den dritthöchsten Wert (in Nordrhein-Westfalen sind es 26, in Bayern 35). Bundesweit wurden 192 Ertrunkene registriert. Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor im Binnenland - besondere Gefahr besteht an ungesicherten Badestellen, wie...

Panorama
Bei Drochtersen soll die A 20 die Elbe unterqueren. Der Tunnelbau könnte - wenn alles gut läuft - 2025 beginnen

Fertigstellung der A 20 weiter für 2030 angepeilt
Neuer Elbtunnel: Baubeginn soll 2025 sein

Ab 2030 sollen die ersten Autos durch den neuen Elbtunnel bei Drochtersen rollen.(jd).  Der Termin 2030 wurde in den Vorjahren immer wieder von Planern und Politikern genannt. Jetzt bestätigte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz noch einmal indirekt die Zeitplanung: Er rechne damit, dass die A 20 in seinem Bundesland ab 2030 in ihrer kompletten Länge befahren werden kann, erklärte der Minister. Er dürfte dabei auch an die Elbquerung gedacht haben. Denn ohne den Tunnel...

Politik
Auf dem Gelände der Stadtwerke an der Maurerstraße soll in einer Halle ein Feuerwehrfahrzeug stationiert werden

Sechsmonatige Probephase geplant
Feuerwehrstandort bei den Buchholzer Stadtwerken?

os. Buchholz. Steht bald ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Holm in der Waschhalle der Buchholzer Stadtwerke, um von der Maurerstraße zu Einsätzen z. B. ein Steinbeck auszurücken? Das sehen zumindest die Pläne der Stadtverwaltung und der Feuerwehrspitze vor, die Buchholz' Stadtjustiziarin Hilke Henningsmeyer jüngst im Bauausschuss vorstellte. Demnach soll es einen sechsmonatigen Probebetrieb geben und hinterher über weitere Schritte entschieden werden. Hintergrund der Maßnahme ist...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen