Interview mit dem Feuerwerker Jan-Florian Graf von Bothmer
"Heimwerkerfreier Tag bringt mehr als Feuerwerksverbot"

Jan-Florian Graf von Bothmer
  • Jan-Florian Graf von Bothmer
  • Foto: Bothmer Pyrotechnik
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(tk). Über das Thema Böllerverbot hat das WOCHENBLATT mit Jan-Florian Graf von Bothmer, Geschäftsführer und Inhaber von "Bothmer Pyrotechnik" in Scheeßel (Kreis Rotenburg) gesprochen.

WOCHENBLATT: Angesichts der Pandemie hat es in Holland bereits ein Verbot von Böllern und Raketen gegeben. Haben Sie Verständnis für eine solche Entscheidung?

von Bothmer: Das ist so nicht ganz korrekt. Böller, Raketen und sogenannte „Single Shots“ waren in Holland seit diesem Jahr generell verboten. Teile der Regierung hielten diese Produkte für zu gefährlich. Und zwar vollkommen zu Unrecht. Die meisten Unfälle zu Silvester sind, wie übrigens bei uns auch, nicht auf die Verwendung von legalem Feuerwerk zurückzuführen. Alkohol und Schlägereien stehen da auf Platz 1. Täglich gibt es Tausende Verletzte im Haushalt oder im Straßenverkehr, so viele schafft Feuerwerk in 50 Jahren nicht. Dass man den Holländern jetzt auch noch die Fontänen und Batterien nimmt und damit unzähligen Familien und Kindern die einzige Freude, die ihnen in diesem Jahr noch geblieben wäre, dafür hält sich mein Verständnis in Grenzen.

WOCHENBLATT: In den vergangenen Jahren haben Verbotszonen für Feuerwerk zugenommen und die Debatte über Pro und Contra Silvesterböller hat an Fahrt aufgenommen. Glauben Sie, dass Corona dem weiter Auftrieb geben wird?

von Bothmer: Die meisten Feuerwerker befürworten diese „Verbotszonen“. Übrigens sind diese seit Jahren im Sprengstoffgesetz klar definiert. Feuerwerk hat in der Nähe von Altenheimen, Kirchen, Fachwerkhäusern, Tierheimen oder Krankenhäusern nichts verloren, das regelt der gesunde Menschenverstand von selbst. Dennoch ist es überall möglich, Plätze zu finden, wo Feuerwerk ohne Probleme abgebrannt werden kann. Aber auch hier interpretieren radikale Feuerwerksgegner oft eine klare Gesetzgebung absichtlich falsch. Sie nutzen jede Gelegenheit, auch Corona, als Trittbrett, um ihre persönlichen Interessen durchzusetzen. Dafür verwenden sie fadenscheinige Argumente wie nicht stichhaltige Unfallzahlen. Ein „heimwerkerfreier Tag“ bringt überlasteten Ärzten im Moment mehr als ein Feuerwerksverbot.

WOCHENBLATT: Abgesagte Großveranstaltungen treffen auch Ihre Branche. Wie dramatisch ist die Situation?

von Bothmer: Sehr dramatisch. An uns hängt eine gigantische Kette, da sind mehr Arbeitsplätze und Familien gefährdet, als man glaubt. Was ist mit den Truckerfahrern, den Papierfabriken, den Transportunternehmen, den Vertretern, Verkäufern, Herstellern, Eventmanagern und deren Leuten, den Schaustellern darum herum, selbst die Betreiber von Parkhäusern spüren den Ausfall eines Feuerwerkes.

WOCHENBLATT: Ihr Tipp: Wird es Silvester private Feuerwerke bei uns geben?

von Bothmer: Davon bin ich überzeugt. Der Widerstand in der Bevölkerung gegen solche unsinnigen Vorschläge ist inzwischen massiv, selbst große Teile der Politik äußerten sich positiv zu unseren Gunsten. Die zu kurz gedachten Ideen einiger weniger werden als solche erkannt. Das beruhigt mich. Die Mehrheit der Deutschen liebt Feuerwerk. Ich sage absichtlich Feuerwerk. Das unsägliche, sinnlose Werfen von illegalen Böllern ist auch nicht in meinem Interesse. Nichts ist besser geeignet, um böse Geister zu vertreiben, als Feuerwerk. Und böse Geister hatten wir 2020 mehr als genug.

Ein weiterer Artikel zum Böllerverbot lesen Sie hier

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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