Hundertprozentige Sicherheit: Hinter jedem Mensch ein Polizist?

Polizeidirektor Torsten Oestmann nimmt auch ein subjektives Gefühl von Unsicherheit bei den Bürgern ernst
  • Polizeidirektor Torsten Oestmann nimmt auch ein subjektives Gefühl von Unsicherheit bei den Bürgern ernst
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(tk). Torsten Oestmann (50) ist Chef der Polizeiinspektion Stade. Die Sicherheit der Menschen, auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, sind ihm sehr wichtig. Für die deutschlandweite Themenkampage des Bundesverbands Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) "Das geht uns alle an" über "Leben in Sicherheit - wie schütze ich mich vor Betrug, Abzocke und Datenklau" hat er den Wunsch nach hundertprozentiger Sicherheit auf die Spitze getrieben.

"Dazu bräuchten wir Null Kriminalität" sagt Polizeidirektor Oestmann. Das heißt: Vor jedem Haus stünde ein Polizeibeamter, um Einbrüche zu verhindern. Jeder Klick im Internet würde von der Polizei überwacht werden, damit niemand Opfer eines Betrügers wird. Beim Verlassen des Hauses wird jeder Mensch automatisch von einem Polizisten begleitet. "Das wäre hundertprozentige Sicherheit", sagt Oestmann und fügt hinzu: '"In unserem demokratischem Rechtsstaat will so etwas - auch in abgeschwächter Form - niemand."

Viel wichtiger sei es, auf seine Mitmenschen, deren Häuser und Eigentum zu achten, sagt Torsten Oestmann. Und lieber einmal zu oft als zu wenig den Notruf zu wählen. Wem etwas verdächtig vorkommt, soll nicht wegschauen, sondern die Polizei informieren. "Ein Notruf ist nie kostenpflichtig, nur dann, wenn man ihn absichtlich missbraucht."

"Das Gefühl von Sicherheit," fügt Polizeidirektor Torsten Oestmann, "hat aber auch mit subjektiven Faktoren zu tun." Der Chef der Polizei im Landkreis Stade macht das an einem Beispiel deutlich: Wer im Internet einem Betrüger aufsitze und eine defekte, 1.000 Euro teure Kamera kauft, der ärgere sich. Wem bei einem Raubüberfall eine 1000-Euro-Kamera entrissen werde, fühle sich schon viel stärker bedroht. Wenn diese Kamera bei einem Einbruch ins eigene Haus gestohlen werde, würden die meisten Menschen als traumatischen Vorfall erleben. "Der Wert bleibt in allen drei Fällen derselbe, das Gefühl aber nicht."

Oestmann sagt aber auch: "Wenn es ein subjektives Gefühl von Unsicherheit gibt, nehme ich das sehr ernst." So wie jüngst in Stade. Eine Serie von Raubüberfällen in der Innenstadt versetzte Menschen in Angst. Der Fall ist inzwischen gelöst. Die Ermittler haben eine Gruppe von minderjährigen Straftätern dingfest gemacht (das WOCHENBLATT berichtete).

Das aktuelle Stader Beispiel zeigt auch: Je mehr über Verbrechen berichtet wird, desto stärker sind sie den Menschen im Kopf präsent. Die Polizei veröffentlicht über ihre Pressestelle die kriminellen Umtriebe. Die Medien berichten darüber. Bei spektakulären Verbrechen laufen zudem die sozialen Netzwerke heiß.
Vorteil: Es melden sich mehr Zeugen. Nachteil: Selbst wenn die Zahlen in der Statistik nicht steigen, macht sich mitunter ein Gefühl der Unsicherheit breit.

Was der Polizeichef jedem rät: Prävention. Beispiel: "Ein Drittel aller Wohnungseinbrüche scheitert, weil Fenster und Türen gut gesichert sind."

Das WOCHENBLATT hat für diesen Themenschwerpunkt intensiv für Sie recherchiert: Ein Einbruchsopfer erzählt, wie es die Folgen dieser Tat überwunden hat, Experten geben Tipps, wie jeder sicher im Internet unterwegs ist und wie er die eigenen vier Wände gegen Diebstahl schützen kann. Schließlich stellen wird die Tricks von skrupellosen Abzockern vor.

Lesen Sie dazu auch:
"Hinterfragen Sie Ihr Tun vor dem Computer"

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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