Lebensgefahr an der Ampel: Rot ist oft nur noch ein gut gemeinter Vorschlag

Schülerlotse Bernd Schrade beobachtet fast täglich Rot-Sünder an der Bedarfsampel der viel befahrenen B73 in Himmelpforten   Foto: tp
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In Dammhausen stehen auf gut drei Kilometern fünf Ampeln. Drei wurden als Behelfsampeln zusätzlich aufgebaut, damit die Folgen des A26-Verkehrs für die Menschen erträglicher sind, sie - zumindest theoretisch - gefahrlos die K51 überqueren können. "Vielen Autofahrern, vor allem Berufspendlern sind das offenbar zu viele Ampeln", stellt Ortsvorsteher Thomas Sudmeyer (SPD) fest.

Fabian Müller, der seine Tochter ebenfalls täglich zum Kindergarten bringt, hat schon erlebt, dass ein Auto vor der roten Ampel wartet, von hinten ein anderes noch überholt. Ein weiteres Horrorerlebnis, das die Eltern schildern: Eine Kita-Gruppe will mit zwei Erzieherinnen die Ampel bei Grün überqueren, ein Treckerfahrer ignoriert das Haltesignal und fährt einfach weiter. "Das war für die Kinder extrem knapp", sagt Müller.

Eine Forderung der Eltern: Zumindest vor der Kita Tempo 30 einzuführen. Ortsvorsteher Sudmeyer macht allerdings wenig Hoffnung. Er habe bereits mit dem Landkreis telefoniert. Weil eine Ampel grundsätzlich das sicherste Mittel sei, um gefahrlos über die Straße zu kommen, werde es keine zusätzliche Tempo 30-Zone geben. Tempo 40 wie in Neukloster und Hedendorf werde ebenfalls nicht eingerichtet. Das sei den Unfällen mit Panzern vor vielen Jahren geschuldet.

Weil an der K51 ein neuer Rad- und Fußweg gebaut wird, erwarten die Dammhauser künftig noch mehr Rotlichtverstöße. Grund: Es wird eine halbseitige Sperrung geben. "Dann treten einige Autofahrer noch rücksichtsloser aufs Gas", befürchtet Thomas Sudmeyer.

Ein ähnliches Bild in Himmelpforten: „Ich könnte ein Buch drüber schreiben“, sagt Bernd Schrade (64), der als ehrenamtlicher Schülerlotse an der B73 engagiert. Nach eigenem Bekunden beobachtet er mehrmals wöchentlich“ Rot-Sünder, die das Haltesignal an der Bedarfsampel ignorieren. Erst kürzlich musste Schrade nach eigenen Angaben mit ansehen, wie ein Autofahrer bei Rot zwei wartende Autos überholte. Immer wieder komme es vor, dass ungeduldige Autofahrer losfahren, sobald der letzte Fußgänger die Straße überquert habe, ohne die Ampelphase abzuwarten.

Auch im Alten Land auf der Kreisstraße durch Jork-Ladekop beobachten die Bürger immer wieder Rotlicht-Verstöße. Meistens kommen die Temposünder aus Richtung der Autobahn. Die Bedarfsampel, die viele Kinder auf ihrem Schulweg benutzen, steht ungefähr 300 Meter hinter dem Ortseingangsschild. Anwohner und Ratsherr Peter Rolker: "Viele Autos fahren schon mit überhöhter Geschwindigkeit in den Ort hinein."

Peter Stötzner, Geschäftsführer der Verkehrswacht Stade, kann die allgemeinen Beobachtungen bestätigen: "Ja, auch ich sehe immer häufiger, dass Verkehrsteilnehmer eine rote Ampel nicht mehr so ernst nehmen."
Das WOCHENBLATT hat bei Polizeisprecher Rainer Bohmbach nachgefragt: Der rät den Eltern - und anderen betroffenen Bürgern - die Tage und Uhrzeiten von besonders vielen Rotlichtverstößen zu notieren und die gesammelten Daten an die Polizei weiterzuleiten. Die könne dann einen mobilen Rotlichtblitzer aufbauen, der allerdings nicht ohne Personal und für einen längeren Zeitraum aktiv bleiben könne. Mehrfache Kontrollen könnten aber dazu führen, dass einige Verkehrssünder von ihrer Rotlicht-Raserei lassen.

DAS KOSTEN ROTLICHTSÜNDEN
Wer bei "Dunkelgelb" fährt, obwohl er hätte anhalten können, muss zehn Euro bezahlen, wenn er ertappt wird. Richtig teuer werden die echten Rotlicht-Sünden: Bei Rot über die Ampel fahren kostet 90 Euro und einen Punkt in Flensburg. Wer dabei andere gefährdet, muss 200 Euro berappen, bekommt zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Wenn die Rotphase schon länger als eine Sekunde dauert, wird es noch teurer: 200 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Wer dabei andere gefährdet, zahlt 320 Euro und kassiert zwei Punkte sowie einen Monat Führerscheinentzug.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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