Corona-Modellkommunen: Wenige Tage vor dem Start ist noch vieles ungeklärt
Modellprojekt mit Luca-App: Buxtehude als "Testballon"

Die Luca-App auf dem Smartphone ist Voraussetzung für die digitale Kontaktnachverfolgung
  • Die Luca-App auf dem Smartphone ist Voraussetzung für die digitale Kontaktnachverfolgung
  • Foto: sla
  • hochgeladen von Jörg Dammann

jd/sla. Buxtehude. Buxtehude macht sich startklar für die dreiwöchige Testphase: Die Estestadt gehört zu den landesweit 14 Kommunen, die für das Corona-Modellprojekt ausgewählt worden sind. Der konsequente Einsatz von Schnelltests und der Luca-App soll Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen möglich machen. Wer sich vorher testen lässt und seinen QR-Code am Eingang einscannt, kann in Buxtehude einkaufen und essen gehen oder auch Veranstaltungen besuchen. Die anderen Bewerber aus den Landkreisen Stade und Harburg, die Hansestadt Stade sowie Horneburg, Winsen und Buchholz, kamen in dieser ersten Vergaberunde nicht zum Zuge. Damit wird Buxtehude sozusagen zum "Testballon" für die Region.

Dass im Vorfeld des Modellprojekts, bei dem es vor allem um die Erprobung der digitalen Datenerfassung und Kontaktermittlung in Bezug auf mögliche Öffnungsszenarien geht, vieles noch in der Schwebe ist, wird bereits am Starttermin deutlich: Zunächst hieß es, es soll am kommenden Montag, 12. April, losgehen. Nach dem jetzigen Stand der Dinge wird der Beginn auf Donnerstag, 15. April, verschoben.

Dabei werden die anderen Orte aus der Region genau hinschauen, wie das "Musterstädtchen" Buxtehude die Aufgabe bewältigt. Allen voran sicher die nicht zum Zuge gekommen Kandidaten Stade, Winsen und Buchholz. Abgesehen von den technischen Details und rechtlichen Fragen, die es um Vorfeld rund um die zum Einsatz kommende Luca-App zu klären gilt, müssen sich die Verantwortlichen in der Buxtehuder Verwaltung vor allem um eine Sache kümmern - nämlich Teilnehmer für das Projekt zu gewinnen.

Denn das gesamte Modellprojekt steht und fällt mit den Geschäftsinhabern und Gastronomen. Von deren Bereitschaft, eine Luca-Lizenz zu erwerben, die Mitarbeiter täglich zu testen und die negativen Schnelltest-Bescheinigungen der Kunden zu prüfen, hängt der Erfolg dieses Versuchs ab.

In Buxtehude sind gerade Inhaber kleinerer Läden skeptisch, ob sich der Aufwand für drei Wochen Lockerung aus dem Lockdown lohnt. Das WOCHENBLATT hat sich in einigen Geschäften umgehört. Die Nachfrage hat ergeben, dass manche Händler wenige Tage vor Beginn der Versuchsphase noch gar nicht die genauen Bedingungen für eine Teilnahme kennen.

Das sagen die Geschäftsinhaber und Gastronomen zum Vorhaben

Der verschobene Starttermin verschafft der Verwaltung ein wenig mehr Luft. Es gebe noch etliche Details zu klären, betont Ralf Dessel, Fachbereichsleiter der Hansestadt Buxtehude. Dabei gehe es vor allem um die Luca-App. Für die App, die die für den Modellversuch erforderliche digitale Kontaktnachverfolgung ermöglichen soll, muss noch eine Schnittstelle beim Stader Gesundheitsamt eingerichtet werden. "Vorher können wir nicht starten", so Dessel.

Die Luca-App dient in Kombination mit der Bescheinigung über einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest als Zutrittsberechtigung für Läden, Lokale, Kinos und Konzerte. Ob die negativ getesteten Personen dabei Armbänder mit QR-Code erhalten, die quasi als Eintrittskarte dienen, sei noch offen, so Dessel. Eventuell werde es auch eine Smartphone-Lösung zum Dokumentieren des negativen Testergebnisses geben.

Auch diese Themen müssen jetzt noch abgearbeitet werden, so Dessel - in Abstimmung mit dem Buxtehuder Altstadtverein und dem Einzelhandel. Denn mit der Teilnahme der Geschäftsleute und Gastronomen steht und fällt der Modellversuch. Wer von ihnen mitmachen will, muss eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen.

Auf jeden Fall ist geklärt, welche Bereiche der Buxtehuder Innenstadt das Testgebiet umfassen soll. Hauptsächlich geht es um die Fußgängerzone. Aber auch das Kulturforum und die Halepaghen-Aula zählen dazu, um so auch den kulturellen Bereich abzudecken.

Für problematisch hält Dessel in diesem Zusammenhang den Begriff "sichere Zone", eine Bezeichnung, die vom Gesundheitsministerium in Bezug auf Corona-Modellprojekte verwendet wurde. Dieser Begriff habe bei vielen für Irritationen gesorgt. "Es werden keine Straßensperren aufgestellt und die Altstadt ist weiterhin für jeden frei zugänglich", stellt Dessel klar.

Buxtehude als Corona-Modellkommune ausgewählt / Stade, Winsen und Buchholz sind nicht dabei

Sorge vor einem Einkaufstourismus während der dreiwöchigen Testphase hat man in Buxtehude nicht: Bürger aus anderen Kommunen oder Landkreisen sollen jedenfalls nicht vom Einkauf ausgeschlossen werden. "Wir verlassen uns auf unsere bisherigen Erfahrungen, beim Click und Meet kam es auch nicht zum großen Ansturm von außerhalb", so Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt. Sollte es aber zu erhöhten Infektionszahlen kommen und die Sieben-Tage-Inzidenz über den Wert von 200 klettern, würde die Reißleine noch vor Ende des dreiwöchigen Modellprojektes gezogen.

• Bis zum 13. April sollen sich alle 51 Kommunen, die sich beworben und bislang keinen Zuschlag erhalten haben, entscheiden, ob sie ihre Bewerbung aufrechterhalten. Bis zum 17. April soll die Entscheidung über weitere elf Modellkommunen fallen.

"Landkreis wird seinen Teil dazu beitragen"

Damit Buxtehude den Modellversuch überhaupt starten kann, muss sich die Hansestadt einen weiteren Partner mit ins Boot holen: Ohne die Kooperation mit dem Landkreis Stade wäre das Projekt gar nicht möglich. Denn die Anbindung der Luca-App an das Kreis-Gesundheitsamt zwecks digitaler Übermittlung von Kontaktdaten ist zwingende Voraussetzung für die Teilnahme als Modellkommune. Beim Landkreis arbeitet man derzeit mit Hochdruck daran, dass der Zugang zur Luca-Datenbank zum angepeilten Beginn der Testphase freigeschaltet ist.

"Diese Online-Zugangsberechtigung zum Luca-Server erfolgt wahrscheinlich über eine Kennung oder ein Passwort", sagt der Erste Kreisrat Thorsten Heinze. Mit den erforderlichen Lizenzen werde der Landkreis vom Land versorgt, so der Vizechef im Kreishaus. Er hoffe, dass dies zügig geschehe, denn die Modellkommunen müssen nach den Vorgaben aus Hannover spätestens zum 18. April mit der dreiwöchigen Testphase beginnen.

Außerdem muss eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, damit das Modellprojekt überhaupt umgesetzt werden kann. Das geschieht in Form einer sogenannten Allgemeinverfügung. Solche Verfügungen hat im Zusammenhang mit der Pandemie bisher immer Landkreis erlassen. "In diesem Fall ist aber die Stadt Buxtehude zuständig", erläutert Heinze. Auch diese stelle angesichts des engen Zeitfensters eine Herausforderung dar. 

"Der Landkreis wird auf jeden Fall seinen Teil dazu beitragen, dass das Projekt an den Start gehen kann", versichert Heinze - trotz aller Unsicherheit hinsichtlich der Rahmenbedingungen. Es gebe viele offene Fragen und bisher wenige Antworten, so Heinze. Aber das sei wohl auch typisch für einen Modellversuch.

Stade macht sich wenig Hoffnung 

Im Landkreis Stade hatten sich die Hansestadt Stade und die Samtgemeinde Horneburg ebenfalls als Modellkommune beworben, jedoch - zumindest vorerst - eine Absage erhalten.
Stades Bürgermeister Sönke Hartlef (CDU) macht sich wenig Hoffnung, in der zweiten Bewerbungsphase den Zuschlag zu erhalten. "Leider muss ich realistisch sein", meint Hartlef. "Stades Chancen sind eher gering, da aus unserer Region bereits die vorgesehenen drei Mittelzentren ausgewählt wurden." Hartlef warnt aber auch vor zu hohen Erwartungen an das Modellprojekt: Das Projekt würde sich ja lediglich über einen Zeitraum von drei Wochen erstrecken.

"Wir halten unsere Bewerbung weiterhin aufrecht", sagt Horneburgs Samtgemeinde-Bürgermeister Matthias Herwede. Vorgesehene Bereiche waren in Horneburg der Sporttreff des VfL Horneburg, der Schießstand des Schützenvereins sowie einige ausgewählte Stellen in der Ortsmitte. In Dollern ging es um den Bereich rund um das Kaufhaus Mohr und Edeka Drewes.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
3 Bilder

11. Mai: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
Rosengarten hat eine Inzidenz von 0!

(lm). Für den heutigen Dienstag, 11. Mai, meldet der Landkreis Harburg 241 aktive Corona-Fälle. Der Inzidenzwert sank dabei auf 63,3, während er gestern noch bei 66,8 lag. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie waren im Landkreis Harburg insgesamt 6.377 (+34)  Menschen am Coronavirus erkrankt, genesen sind seitdem 6.029 (+27). Weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus sind derzeit nicht zu vermelden, die Zahl bleibt bei 107. Bei den Inzidenzwerten liegen mit Stelle und Hanstedt nun zwei...

Politik
Wollen nicht als Letzte und dann auch noch für unnötige Hindernisse zahlen: Helga Hoppe (SPD, vorne, v. li.), Katharina Ortleb, Tina Heinze und Landwirt Marco Matthies im Trecker
3 Bilder

Für eine der letzten STRABS-Abrechnungen plant die Gemeinde Hanstedt Fahrbahneinengungen
Die Zwickmühle im Achterdiek

sv. Quarrendorf. Mit dem Gülleanhänger kommt Landwirt Marco Matthies gerade noch an der ersten Fahrbahneinengung in der Straße Achterdiek in Quarrendorf vorbei. Mit dem Häckselwagen muss er auf den 3,50 Metern schon Millimeterarbeit leisten, die Erntemaschine passt gar nicht mehr durch. Als wäre das nicht genug, muss er wohl bald auch noch Slalom fahren: Die Gemeinde Hanstedt plant, im Achterdiek zwei weitere Fahrbahneinengungen zu bauen, um die 2017 sanierte Straße über die Anwohner...

Panorama
Die bunte Rutsche wurde geschrubbt, die Fliesen ausgetauscht und vieles mehr vorbereitet: Das Jesteburger Freibad könnte sofort öffnen. Darauf hoffen (v. li.) Badleiter Henning Schöttler, Dagmar Wille (Gebäudewirtschaft), stv. Badleiter Rolf Stehrenberg, stv. Fördervereinsvorsitzende Carola Boos und Fördervereinsvorsitzender Henning Buss
4 Bilder

Corona-Verordnung bestimmt, wann angebadet werden darf
Freibäder wären startklar für die Saison

as. Jesteburg/Landkreis. Auch wenn sich in den vergangenen-Tagen das Freibad-Gefühl noch nicht so richtig einstellen wollte - im Mai beginnt traditionell die Freibad-Saison. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Freibäder im Landkreis Harburg und der Samtgemeinde Jesteburg ihre Eröffnung jedoch vorerst verschieben. Frühestens Ende Mai sieht die aktuelle Corona-Verordnung das Anbaden vor. Dabei haben sich die Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr bewährt, sind sich die Freibad-Betreiber im...

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen