Nach Peta-Kritik: WOCHENBLATT zu Besuch beim Affen-Opa

Klaus Köhler (69) und sein Robby (47) 
sind ein Herz und eine Seele
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WOCHENBLATT bei Robby, dem Zirkus-Schimpansen / Klaus Köhler kämpft um "seinen Sohn"

bc. Stade. Robby ist 47 Jahre alt, seit 43 Jahren heißt sein Vater Klaus Köhler (69). Robby ist ein Schimpanse, besser gesagt ein Schimpansen-Opa. Er lebt im Zirkus Belly, der noch bis Sonntag in Stade gastiert. Der Affe und sein menschlicher Ziehvater sind unzertrennlich. Sie spielen, machen Schabernack, ja sie lesen sogar manchmal ein Buch zusammen. Und Robby laust seinen Ziehvater. Das machen Affen so.
Aber Fakt ist auch: Robby lebt in Gefangenschaft und nicht unter Artgenossen. Deshalb fordert die Tierrechtsorganisation Peta seit mittlerweile fast einem Jahrzehnt ein besseres Leben für das Tier, will es in eine Auffangstation umsiedeln, organisiert Mahnwachen und übt Druck auf Behörden aus.
Klaus Köhler kämpft indes unermüdlich darum, "seinen Sohn" bei sich behalten zu dürfen: "In einer Auffangstation würde er vor Kummer und Sorgen eingehen." Das WOCHENBLATT hat sich im Zirkus umgeschaut und Robby besucht.
Robby lebt in einem Zirkuswagen. Eine leere Packung Milch liegt vor ihm im Stroh. Zum Frühstück trinkt er gerne Milch. Ansonsten steht er natürlich auf Bananen. Während des halbstündigen Termins verputzt er fünf Stück. In sein vergittertes, etwa 60 Quadratmeter großes Außengehege - ausgestattet mit einigen Seilen zum Klettern - möchte Robby aber nicht. Der Fototermin muss ausfallen. Klaus Köhler: "Robby wird sturer mit zunehmendem Alter." Besondere Verhaltens-Auffälligkeiten sind ansonsten für einen Laien nicht festzustellen.
Peta aber hat ein Motto: Tiere seien nicht da, um die Menschen zu unterhalten. Wildtiere gehören nicht in einen Zirkus. Robby werde nicht artgerecht gehalten. Im April 2017 beschloss das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass Robby umziehen darf. Ein vom Gericht bestellter Gutachter attestierte gute Eingliederungschancen. Im Januar dieses Jahres ließ das Oberverwaltungsgericht aufgrund der Bedenken bezüglich der Resozialisierung Köhlers Berufung zu. Ein Urteil steht noch aus.
Klaus Köhler schimpft auf Peta: "Die haben keine Ahnung. Das hat nichts mit Tierschutz zu tun, was die machen. Robby lebt seit jeher unter Menschen. Er kennt keine Affen. Robby ist kein Wildtier. Er kann gar nicht unter Artgenossen leben." Jeden Tag beschäftige sich jemand mindestens vier Stunden mit Robby. Das sei Vorgabe des Veterinär-Amtes, so Köhler.
Unterdessen hat die Bremer Exoten-Tierärztin Dr. Alexandra Dörnath verlauten lassen, dass es wohl Robbys sicherer Tod wäre, wenn man ihn jetzt aus seinem Zirkus-Umfeld hole. Er verstehe die Schimpansen-Sprache nicht. Robbys Fall sei ein besonderer. Er sei nicht verhaltensauffällig. Drei Wochen habe sie ihn beobachtet.
Klaus Köhler lässt Robby mittlerweile nicht mehr in der Manege auftreten, der Affe fährt kein Roller mehr, macht auch keine Saltos. "Heutzutage würde ich mir keinen Schimpansen mehr anschaffen. Aber Robby ist eine Ausnahme. Wenn er weg müsste, wäre das sehr bitter. Wir kämpfen für ihn."
• Der Zirkus Belly spielt am Sonntag, 13. Mai, um 11 Uhr seine letzte Vorstellung in Stade (an der Altländer Straße).

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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