Was tun, wenn einem der Weg auf die Toilette verweigert wird?

(bc). Stellen Sie sich vor, sie sind unterwegs und müssen so dringend pullern, dass ihre Blase schon schmerzt. Dann ist schnelle Abhilfe gefragt! Wenn einem dann der Toilettengang verwehrt wird, ist die Wut groß. So ist es jüngst Gerd Bröhan (63) aus Jork passiert. Der Autohaus-Inhaber wollte seine Notdurft in einem Stader Vier-Sterne-Hotel verrichten und wurde prompt wieder raus geschickt. Mit der Begründung, er sei kein Hotelgast. "Dafür habe ich null Verständnis. So etwas habe ich noch nie in meinem Leben erlebt", schimpft Gerd Bröhan.
Das WOCHENBLATT hat sich umgehört: Wie sieht die Rechtslage aus, gibt es überhaupt eine und wie handhaben es andere Betriebe?
Die Mär von einem sogenannten Notdurft-Gesetz ist weit verbreitet. Ein solches gibt es in der Form aber nicht. Hört man sich bei Anwälten um, verweisen diese aufs Hausrecht, von dem private Einrichtungen Gebrauch machen können. Sie können frei entscheiden, wen sie als Gast hineinlassen und wen nicht, bzw. welcher Gast den Laden verlassen muss. Inwieweit die Toiletten für die Öffentlichkeit geöffnet werden, ist die Entscheidung des jeweiligen Gastwirtes.
In manchen Städten, wie z.B. in Stade ("Nette Toilette"), gibt es Kooperationen zwischen Gastronomen und Verwaltungen, wonach die Öffentlichkeit die Toiletten der Betriebe nutzen darf, die eine solche Vereinbarung unterschrieben haben. Einen generellen Rechtsanspruch auf die Toilettenbenutzung gibt es aber nicht.
Die Alternative, in der Öffentlichkeit zu urinieren, kann teuer werden. Je nach Region kann das ein Verwarn- oder Bußgeld zwischen 35 und 5.000 Euro nach sich ziehen.
Möglicherweise kann die Verweigerung eines Toilettengangs aber auch so etwas wie eine "unterlassene Hilfeleistung" darstellen. Dafür müssen laut Anwaltsforen allerdings mehr Voraussetzungen vorliegen, als der bloße Druck auf der Blase.
Wie handhaben das andere Betriebe?
• Thomas Rolff von "Intersport Rolff" in Stade: "Ich habe mich gerade für das Konzept "Nette Toilette" bei der Stadt beworben. Bei uns ist das aber auch schon seit Jahren gängige Praxis, dass Touristen, die ein Bedürfnis verspüren, die Toilette benutzen dürfen."
• Beatrice Kietzmann ("Sie Dessous und mehr") aus Buxtehude hat einem Nicht-Kunden nach eigener Aussage noch nie verwehrt, die Toilette in ihrem Geschäft zu benutzen: "Obwohl wir eigentlich gar keine wirkliche Kundentoilette haben."
• Allan Lim ("Lim's Restaurant" in Buchholz) sieht das genauso: "Wenn einer dringend muss, kann ich nicht sagen, dass er nicht zur Toilette gehen darf." Bei größeren Veranstaltungen wie z.B. dem Buchholzer Stadtfest nehme er aber 50 Cent für die Benutzung, weil dann eine Kraft regelmäßig reinigt.
• Auch für Frauke Petersen-Hanson, die als Franchise-Nehmerin mehrere McDonalds-Filialen betreibt (u.a. in Dibbersen und Rade), ist der Toilettengang selbstverständlich: "Das ist doch eine menschliche Situation."
Gerd Bröhan hat nach dem Vorfall versucht, den Chef des Hotels zu sprechen. Von einem Mitarbeiter erfuhr er dann, dass sehr oft "ganze Reisebusse" die Toiletten benutzt hätten und irgendwann der Chef die Benutzung nur noch Hotelgästen erlaubt hätte. Gerd Bröhan: "Das kann ich sogar verstehen, aber ich finde, man kann auch situativ handeln."

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
3 Bilder

13. Mai: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
Zwei weitere Corona-Tote

(os). Traurige Nachrichten an Himmelfahrt: Der Landkreis Harburg meldet am heutigen Donnerstag, 13. Mai, zwei weitere Corona-Tote. Damit steigt die Zahl der Menschen, die seit Ausbruch der Pandemie mit oder am Coronavirus verstorben sind, auf 109. Die Siebentage-Inzidenz sinkt dagegen weiter. Sie lag heute bei 56,6 - nach 64,9 am Vortag. Keine einzige Gemeinde weist zurzeit einen Wert von über 100 auf. Bislang meldete der Landkreis Harburg insgesamt 6.430 Coronafälle (+15), 6.071 Menschen (+21)...

Politik
Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
2 Bilder

Bürger wollen Baggerstopp
Tangendorfer fühlen sich bei Kiesabbau-Plänen ungenügend einbezogen

ce. Tangendorf. Der vom Garstedter Kieswerk Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplante Kiesabbau im Bereich zwischen den Gemeinden Garstedt, Wulfsen und Toppenstedt solle "von einer verlässlichen, kontinuierlichen und transparenten Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung begleitet werden", hatten das Unternehmen sowie die Verwaltungschefs der beteiligten Kommunen kürzlich gemeinsam erklärt (das WOCHENBLATT berichtete). "Von dieser Transparenz ist derzeit für uns...

Panorama
Die bunte Rutsche wurde geschrubbt, die Fliesen ausgetauscht und vieles mehr vorbereitet: Das Jesteburger Freibad könnte sofort öffnen. Darauf hoffen (v. li.) Badleiter Henning Schöttler, Dagmar Wille (Gebäudewirtschaft), stv. Badleiter Rolf Stehrenberg, stv. Fördervereinsvorsitzende Carola Boos und Fördervereinsvorsitzender Henning Buss
4 Bilder

Corona-Verordnung bestimmt, wann angebadet werden darf
Freibäder wären startklar für die Saison

as. Jesteburg/Landkreis. Auch wenn sich in den vergangenen-Tagen das Freibad-Gefühl noch nicht so richtig einstellen wollte - im Mai beginnt traditionell die Freibad-Saison. Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Freibäder im Landkreis Harburg und der Samtgemeinde Jesteburg ihre Eröffnung jedoch vorerst verschieben. Frühestens Ende Mai sieht die aktuelle Corona-Verordnung das Anbaden vor. Dabei haben sich die Hygienekonzepte aus dem vergangenen Jahr bewährt, sind sich die Freibad-Betreiber im...

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen