"Safer Internet Day": Falscher Klick kann teuer sein

Cybercrime-Experte Frank Dreyer erklärt die größten Risiken im Netz
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Aktionstag: Safer Internet Day": Das sind die Risiken beim Surfen

(bc). Man mag es kaum glauben, aber noch immer geben jeden Tag etliche Menschen sorglos ihre persönlichen Daten im Internet preis. Einfach so, weil Amazon in einer E-Mail oder Microsoft am Telefon vermeintlich darum bitten. Auch beim sogenannten Love-Scamming verzeichnet die Polizei immer wieder neue Fälle. Erst kürzlich ließ sich ein Mann aus dem Landkreis Stade von einer Internet-Bekanntschaft um unfassbare 50.000 Euro erleichtern, nur weil sie im Liebes-Chat nach Geld gefragt hatte.

Um die User auf die Gefahren im Netz hinzuweisen, gibt es seit vielen Jahren den Aktionstag „Safer Internet Day“ (zu deutsch: Tag für mehr Internetsicherheit). Seit 2008 findet er jährlich am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats statt - in diesem Jahr ist das der Dienstag, 6. Februar. In mehr als 100 Ländern setzen sich Initiativen, Medien, Schulen und Unternehmen für ein sicheres Miteinander im Internet ein. Die EU-Initiative klicksafe koordiniert die zahlreichen Aktivitäten in Deutschland.

Das WOCHENBLATT nimmt den Tag zum Anlass, um einmal mit einem Cybercrime-Experten von der Polizei genau hinzuschauen und über die größten Fehler zu sprechen, die Internet-Nutzer begehen und die im Extremfall bares Geld kosten? Die Möglichkeiten im Internet sind unendlich, die Risiken leider auch
Cyberkriminelle werden immer kreativer. Konnte man früher E-Mails mit gefälschten Mahnungen und Rechnungen noch anhand des Layouts oder der hohen Zahl an Rechtschreibfehlern erkennen, sind die Fälschungen heute so gut, dass viele - egal ob ältere Menschen oder frisch promovierte Lehrer - häufig ohne Argwohn E-Mail-Anhänge anklicken.

Einmal geklickt kann sich Schadsoftware ungehindert auf dem heimischen Computer ausbreiten und Zugangsdaten für das Online-Banking, E-Mail-Passwörter oder andere Persönliche Daten an die Betrüger übermitteln. Das WOCHENBLATT hat bei Frank Dreyer vom Team Cybercrime der Polizeiinspektion Stade nachgefragt. Er erklärt, was die fünf größten Fehler sind, die man beim Internet-Surfen machen kann.

Phishing-Mails beantworten

Niemals sollte man auf vermeintliche Mails von Amazon, Paypal und Co. antworten, bzw. einen Link anklicken. Schon gar nicht, wenn man darin aufgefordert werde, persönliche Daten wie z.B. die Kreditkarten-Nummer preiszugeben. „Auch wenn die Mails noch so täuschend echt aussehen. Der Täter kann den Absender-Namen selbst bestimmen“, so Dreyer. Die Betrüger kaufen dann meist mit den „erbeuteten“ Kartennummern ein, häufig sind es Amazon-Gutscheine. Die müssen nämlich nicht geliefert werden. „Wer auf Nummer sicher gehen möchte, ob es sich um eine gefälschte Mail handelt, kann in sein Amazon-Kundenkonto gucken. Da laufen sämtliche echte Mails auf.“, erklärt Dreyer. Trotz aller Warnhinweise gehen noch immer täglich ein bis zwei Anzeigen bei den Polizeiinspektion in der Region ein, die auf Schäden infolge von Phishing-Mails zurückgehen.

Falsche Microsoft-Anrufer

Immer wiederkehrend und gerade brandaktuell sind falsche Microsoft-Warnhinweise, die auf dem Computer als Pop-up im Browser in einem neuen Fenster „aufploppen“. Dreyer: „Sie sehen eins zu eins so aus, wie echte Microsoft-Warnhinweise.“ Darin werden User aufgefordert, eine Hotline anzurufen, da der Rechner angeblich infiziert sei. „Meistens sind das dann Callcenter in Indien“, so Dreyer. Der vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter versucht den Geschädigten zu überzeugen, die Fernwartungssoftware TeamViewer zu installieren. Klappt das, hat er ungehindert Zugriff auf den PC. „Oft wird noch versucht, überteuerte Anti-Viren-Programme zu verkaufen. Wichtig ist zu wissen: Microsoft wird nie auf diesem Weg versuchen, Kontakt zu Privatkunden aufzunehmen“, so Dreyer. Der User könnte in einem solchen Fall einfach versuchen, den kompletten Browser zu schließen, dann müsste auch das Pop-up verschwinden.

Vermeintliche Internet-Liebe

Ein kurzer Chat einer Unbekannten – das Love- oder Romance-Scamming fängt meist harmlos an. Die Scammer suchen auf Dating-Portalen oder in sozialen Netzwerken wie Facebook nach ihren Opfern. Unter Angabe fadenscheiniger Gründe und frei erfundener Storys versucht die angebliche große Liebe, den liebestollen User zu überreden, Geld zu schicken - meist läuft das über Western Union ab, einem Bargeld-Transfer-Unternehmen. Dreyer: „Es hat sogar schon jemand Geld für den Aufbau einer Ananas-Plantage überwiesen.“ Ermittlungen verliefen meist im Sande, weil die Täter im Ausland kaum nachzuverfolgen seien.

Ungedeckte Schecks

Ebenfalls ein oft versuchter Trick, um an Geld zu kommen, sind ungedeckte Schecks bei Autoverkäufen im Internet. Ein Käufer schickt einen Scheck mit einem viel zu hohen Betrag. Viel höher als der eigentliche Preis für das Fahrzeug. Die Differenz möchte er dann vom Verkäufer zurück. Erst nachdem der Verkäufer das Geld zurück überwiesen hat, platzt der Scheck. Dreyer: „Man sollte keine zu hohen Schecks akzeptieren.“

Fake-Shops im Internet

Wenn Internet-Käufer online auf Schnäppchen aus und Marken-Klamotten extrem günstig zu haben sind, sollten die Alarmglocken schrillen. Dreyer: „Meist handelt es sich dabei um Fake-Shops. Man erhält oft gefälschte, minderwertige Ware. Das kann auch passieren, wenn der Verkäufer Amazon nur als Werbeplattform benutzt. Niemals dann direkt mit dem Verkäufer in Mail-Kontakt treten.“

• In einer gemeinsamen Vortrags-Veranstaltung am Safer Internet Day informiert das Team Cybercrime der Polizeiinspektion Stade und die Volksbank Stade-Cuxhaven darüber, wie Sie sich persönlich vor „Abzocke im Internet“ schützen können. Termin ist Dienstag, 6. Februar, um 19 Uhr in der Seminarturnhalle in Stade. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Anmeldungen über www.vobaeg.de

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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