Schröderstraße 9: Miete für eine nutzlose Wohnung

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Verrußtes Zuhause im Buxtehuder Skandalhochhaus / Nichte kämpft für ihren Onkel

tk. Buxtehude. In der Wohnung von Adiebullah M. (74) ist am 4. Januar ein Feuer ausgebrochen. Brandursache war laut Polizei ein technischer Defekt. Weil sein Zuhause komplett verrußt ist, kann M. dort nicht mehr leben. Sein Problem: Er findet keinen Ansprechpartner auf Vermieterseite, um die Wohnung wieder auf Vordermann bringen zu lassen. Denn M. ist Mieter im Hochhaus Schröderstraße 9, dessen Vermieter Sven Basner seit längerer Zeit abgetaucht ist und der vorher die zuständige Immobilienverwaltung aufgelöst hatte (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach).

M.s Nichte, Rouja Azizullah, die in Hamburg lebt, kümmert sich, so gut sie kann, um ihren Onkel. "Ich habe mir das angesehen. In dieser Wohnung kann mein Onkel nicht bleiben", sagt sie. Vom Hausmeister der Schröderstraße 9 bekam sie eine Mailadresse Basners. "Es kam keine Antwort", sagt Rouja Azizullah. Dann solle ihr Onkel doch ausziehen, war der letzte Tipp des Hausmeisters, berichtet seine Nichte. Der Vorschlag, die Wohnung wieder herzurichten, verhallte ungehört. In der Vergangenheit hatte das WOCHENBLATT schon mehrfach darüber berichtet, dass leere Wohnungen nur dann renoviert werden, wenn sie anschließend teurer vermietet werden können.

Mit ihrem Onkel war Rouja Azizullah bei der Beratung der Hansestadt Buxtehude, die sich kümmert, wenn Wohnungslosigkeit droht. Ihm wurde aber nur die Obdachlosenunterkunft angeboten. "Das wollten wir beide nicht", sagt Rouja Azizullah. Stadtsprecher Thomas Bücher erklärt, dass die Stadt verpflichtet sei, ihre Bürger vor Obdachlosigkeit zu bewahren. Das bedeute aber nicht, dass automatisch eine Wohnung vermittelt werden könne.  "Wir verfügen immer über eine freie Wohnung, die bleibt aber Familien vorbehalten, denen Obdachlosigkeit droht", erklärt Bücher. Zurzeit wohnt M. bei seinem Bruder in Hamburg.
Adiebullah M. zahlt weiterhin Miete für seine Wohnung im berüchtigten Buxtehuder Hochhaus. Nutzen wird er sie wohl kaum mehr. Auf eigene Kosten zu renovieren sei für ihn viel zu teuer, erklärt seine Nichte. Sie sucht daher weiterhin nach einer Wohnung für ihren Onkel und prüft alternativ, ob er nicht in ein Altenheim ziehen könne. "Ich habe erst einmal einen Pflegegrad für ihn beantragt."

Erst im Februar hatte die Linke gefordert, Immobilienbesitzer Sven Basner zu enteignen (das WOCHENBLATT berichtete). "Das ist nahezu unmöglich", erklärt Fachbereichsleiter Ralf Dessel, der Jurist ist. Die Stadt habe getan, was sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten könne. Weil eine notwendige Brandschutzmaßnahme von Basner trotz mehrfacher Aufforderung nicht durchgeführt wurde, pfändet die Stadtverwaltung seit einigen Monaten einen Teil der Mieten. Dass nicht mehr Maßnahmen möglich sind, stößt bei vielen Menschen, die die Geschichten rund um die Schröderstraße 9 kennen - von Kakalerlaken-Invasion bis hin zur Tatsache, dass die Mieten an Basner nach Spanien überwiesen werden müssen - immer wieder auf Unverständnis. Das kann Ralf Dessel durchaus nachvollziehen. "Eine Stadt kann in der Regel aber nur über das Baurecht einwirken", erklärt er - was geschehen sei.

Offenbar wirkt das in kleinen Schritten. Nach unbestätigten Informationen, die dem WOCHENBLATT vorliegen, soll Basner, der in Spanien leben soll, über einen Verkauf nachdenken. Was sowohl Buxtehude als auch andere Objekte betreffen soll. Basner ist auch in Hamburg und im weiteren Umland als Vermieter aufgefallen.
Wer sich die Geschichte der Schröderstraße 9 genauer ansieht, dürfte aber kaum Hoffnung haben, dass es nach Sven Basner besser werden wird. Der Sanierungsstau ist enorm. Es dürfte ein Millionenbetrag nötig sein, um das Gebäude mit rund 70 Wohnungen wieder halbwegs in Schuss zu bringen. Ein Insider kommentiert die Verkaufsgerüchte um das Hochhaus daher treffend: "Nach Basner kommt der nächste Basner." Will Basner verkaufen?

Autor:

Tom Kreib

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