Anerkennung für Krankenhaus-Mitarbeiter, aber auch Diskriminierung
Sie arbeiten in einer Klinik? Verlassen Sie den Markt!

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern bekommen viel Anerkennung. Doch manchmal erleben sie krasse Fälle von Diskriminierung
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Krankenhäusern bekommen viel Anerkennung. Doch manchmal erleben sie krasse Fälle von Diskriminierung
  • Foto: AOK Mediendienst
  • hochgeladen von Tom Kreib

tk. Buxtehude. Sabine* ist Krankenschwester am Elbe Klinikum in Buxtehude. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sind die, die jetzt oft als "Helden im Kampf gegen die Pandemie" bezeichnet werden. "Wir spüren ganz viel Unterstützung und Dankbarkeit für unsere Arbeit", sagt Sabine. Aber: Pflegekräfte und Mediziner erfahren auch das genaue Gegenteil. Ausgrenzung, weil manche Zeitgenossen eine panische Angst vor Ansteckung haben.

Die Krankenschwester, die in der Notaufnahme arbeitet, berichtet von sehr vielen Gesten der Anteilnahme. Ein Lieferdienst bringt überraschend Pizza, ein Supermarkt schickt Präsentkörbe und eine Bäckerei Dutzende Kekstüten - Anerkennung für das, was die Menschen leisten. "Auch Angehörige von Patienten bedanken sich", sagt Sabine. Mit Süßigkeiten, Blumensträußen und netten Briefen. Und das, obwohl sie derzeit nicht zu ihren Freunden oder Familienmitgliedern kommen. "All das sind Dinge, über die wir uns im Team riesig freuen", sagt sie.

Umso erschütterter ist sie über Erlebnisse aus dem Kollegenkreis. Ein besonders krasses Beispiel: Eine Krankenschwester wollte nach ihrem Dienst in einem Supermarkt im Alten Land einkaufen. Sie unterhielt sich dort mit einer Bekannten und eine Marktmitarbeiterin bekam mit, dass die Frau im Krankenhaus arbeitet. Daraufhin wurde sie aufgefordert, den Supermarkt sofort zu verlassen. "Da fehlen einem die Worte", sagt Sabine. Eine andere Kollegin hatte einen Termin mit ihrer Bank. Als die Frau gefragt wurde, wo sie arbeitet, war das Gespräch sofort beendet. Sie musste das Geldinstitut verlassen. Nur noch telefonisch werde kommuniziert.

"Natürlich kann ich Ängste vor Ansteckung verstehen", sagt die Krankenschwester und fügt hinzu: "Aus eigenem Interesse schützen wir uns so gut es geht." Denn niemandwolle Covid-19 in sein Zuhause und in seine Familie tragen.

Eigentlich müssten mittlerweile doch alle Menschen so gut informiert sein, dass sie über die Ansteckungsgefahr und Wege zur Vermeidung Bescheid wissen, sagt die Pflegefachkraft. "Was Kolleginnen trotzdem erlebt haben, macht mich wütend." Denn alle Teams im Krankenhaus geben ihr Bestes. "Gerade älteren Patienten, die keinen Besuch bekommen können, versuchen wir mit mehr Zeit beizustehen." Wenn dann die Pflegekräfte in ihrem Alltag nach einem anstrengenden Dienst so diskriminierend behandelt werden, sei das nicht hinnehmbar.

"Es sind Licht und Schatten", zieht Sabine als Bilanz. Es gibt viele Menschen, die ihre Solidarität mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Krankenhäusern zeigen. Und dann gibt es leider die, die sich genau anders verhalten. Gut, dass dies die Minderheit ist.
*Name der Redaktion bekannt
Haben Sie ähnliche Fälle erlebt? Schreiben Sie uns an thomas.kreib@kreiszeitung.net.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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