Wie wird Platt wieder eine Alltagssprache?

Lehrer Hans-Hinrich Kahrs (Niedersächsische Landesschulbehörde, v.li.), Landrat Michael Roesberg und Dr. Hans-Eckhard Dannenberg vom Landschaftsverband Stade werben für das Plattdeutsche
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bc. Stade. Selber kann der Landrat kein „platt snacken“, trotzdem präsentiert er sich jetzt als Vorkämpfer, um das Niederdeutsche mehr in den Alltag zu integrieren. Michael Roesberg ist Schirmherr des „Regionalen Forums Plattdeutsch“, das in der Form kürzlich erstmals im Kreishaus stattfand. „Wir dürfen die plattdeutsche Sprache nicht nur als museales Kulturgut behandeln“, fordert Roesberg.
Vereine, Theatergruppen, Schulen, Kindergärten, alle würden gute Arbeit machen, und trotzdem verliere Platt im Alltag zunehmend an Bedeutung – auch im Landkreis Stade gehe die Zahl der Plattdeutsch-Sprecher zurück, so der Landrat: „Uns muss es gelingen, dass Plattdeutsch beim Bäcker, an der Tankstelle oder beim Fleischer ganz selbstverständlich gesprochen wird. Dann geht der Virus um“, ist sich Roesberg sicher, der Ostfriesland als positives Beispiel nannte: „Dort wird viel mehr Platt gesprochen.“ Für den Landkreis kann er sich im kommenden Jahr einen Aktionstag rund um das Plattdeutsche vorstellen. Die zentrale Frage des Forums war also: „Wie kann die plattdeutsche Sprache wieder gestärkt und für die Zukunft gesichert werden? 30 ausgewiesene Experten aus Norddeutschland diskutierten im Kreishaus. Darunter auch Dr. Hans-Eckhard Dannenberg vom Landschaftsverband Stade: „Wir spüren zwar wieder eine größere Wertschätzung für das Plattdeutsche. Ein Probleme ist aber, dass es keine einheitliche Schriftsprache gibt.“ Zudem müssten sich verstärkt Netzwerke bilden, so Dannenberg.
Hans-Hinrich Kahrs ist Lehrer und einer von landesweit 23 Platt-Beratern der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Er sagt: „Schüler, die mehrsprachig aufwachsen, haben erwiesenermaßen einen Bildungsvorteil.“ Stichwort Immersion. Darunter versteht man in der Pädagogik eine Situation, in der vor allem Kinder eine neue fremde Sprache quasi beiläufig erlernen. Die ersten Schritte sind getan. Im Landkreis gibt es mit den Grundschulen Mulsum-Kutenholz, Ahlerstedt, Balje und Steinkirchen vier plattdeutsche Partnerschulen. Zudem sind mehr als 20 Kindergärten in einer Arbeitsgemeinschaft organisiert. Und: Erwachsene haben die Chance, Platt an der Volkshochschule zu lernen.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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