Wohntraum im Leuchtturm-Denkmal

Jean-Pierre Heinrichs hat auf dem 16 Meter hohen Turm einen tollen Ausblick auf die Elbe
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bc. Jork-Lühe. In den Film-Klassikern von Kultkomiker Otto Waalkes spielt ein Leuchtturm eine zentrale Rolle als Filmwohnung. Der auffällig rot-gelb gestreifte Turm im ostfriesischen Pilsum avancierte in den 1980er Jahren zum berühmtesten Leuchtfeuer Deutschlands. Nicht nur im Kino, auch im richtigen Leben kann man in Leuchttürmen wohnen. Allerdings weit weniger extrovertiert als Otto im Film.
Das WOCHENBLATT hat Jean-Pierre Heinrichs (58) besucht. Der Mann aus Bayern hat vor fast fünf Jahren den ausgedienten „Mielstack“-Leuchtturm ersteigert - ein Wahrzeichen an der Niederelbe. Wir durften uns das renovierte Gebäude anschauen - ein Mix aus modern und traditionell.
Von außen ist der Turm in Jork-Lühe, der 1905 in Betrieb gegangen ist, unscheinbar. Er ist nicht rot-weiß gestrichen, besteht aus einem größtenteils verputzten Wohnhaus und einem 16 Meter hohen Turm, auf dem das Laternenhaus thront, das seit der Stilllegung 2010 nicht mehr leuchten darf. Früher wies es den Schiffen den Weg durch die Elbe. Jean-Pierre Heinrichs ist ein Fan solch maritimer Bauwerke.
Ein wesentlicher Grund, weshalb der Diplom-Physiker, der einst erfolgreich ein Unternehmen (Medizintechnik) gründete, viel Geld in die Hand nahm, um den denkmalgeschützten Turm zu kaufen und zu sanieren. Für 310.000 Euro erhielt er damals den Zuschlag, mindestens noch einmal so viel hat ihn die Renovierung gekostet.
Dafür hat der in Schleswig-Holstein geborene Heinrichs eine kleine Wohlfühl-Oase erschaffen - bestens geeignet, um in den „Schöner Wohnen“-Magazinen aufgenommen zu werden. Im Erdgeschoss versprühen die alten, aufgearbeiteten Holzdielen einen Hauch von Nostalgie. Das Canapé-Sofa vor dem eingebauten Kamin, die moderne Kochinsel in der Küche und eine Dusche mit Panoramafenster ergänzen den wahr gewordenen Wohntraum.
Erzählen will Jean-Pierre Heinrichs aber eigentlich nur von dem Ort, der seine Wohnung zu etwas Besonderem macht: „Es ging mir immer darum, das Lampenhaus zu rekonstruieren. Ich bin seit jeher technisch interessiert.“
Mit Hilfe des Neu Wulmstorfers Helge Staack, früher Vorsitzender des „Freundeskreises Mielstack“, hat er das Laternenhaus in den Originalzustand versetzt. Hier funktioniert alles noch so wie vor mehr als 100 Jahren, als sogenannte Otterblenden - das sind senkrecht angeordnete, jalousieartige Lamellen - für die Kennung des Leuchtfeuers zuständig waren. Im Keller befindet sich dafür ein Kompressor, der den Quecksilber-Motor im Laternenhaus per Druckluft antreibt. Fiel der Kompressor aus, musste der Leuchtturmwärter früher per Hand ein großes Steuerrad drehen, um Druckluft nach oben zu pumpen.
Noch heute könnte Jean-Pierre Heinrichs auf die Art Signale auf die Elbe hinaus senden. Er darf es aber nicht mehr. Die Aufgabe übernimmt das neue Unterfeuer „Somflether Wisch“ im Deichvorland.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt wollte deswegen das Laternenhaus eigentlich abreißen lassen, damit Kapitäne und Lotsen den Turm nicht mit dem modernen Unterfeuer verwechseln. Der „Freundeskreis“ bewahrte den Turm schließlich vor dem Abriss. Man einigte sich auf einen Kompromiss: Der Turm erhielt einen grauen Anstrich. Lange wurde nach einem Käufer gesucht.
Elbfischer Lothar Buckow wohnt ein paar Meter weiter in Jork-Wisch. Sein Vater war der letzte Leuchtturmwärter im „Mielstack“, er selbst ist in dem Haus geboren. Buckow sagt: „Es hätte kein Besserer kaufen können, als Jean-Pierre Heinrichs.“ Es sei nicht übertrieben, ihn als Retter des Leuchtturms zu bezeichnen.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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