alt-text

++ A K T U E L L ++

Unfallopfer (71) ist leider verstorben

Geschäftsleute vs. Gemeinde: "Das ist doch Mobbing pur"

Derya und Yahya Atli in ihrem Geschäft in Estebrügge   Fotos: bc/privat
3Bilder
  • Derya und Yahya Atli in ihrem Geschäft in Estebrügge Fotos: bc/privat
  • hochgeladen von Björn Carstens

bc. Jork. Hier bekommt der Arbeiter frühmorgens vor der Schicht seinen Kaffee, hier kaufen die Dorfbewohner ihre frischen Lebensmittel ein. Vor allem für ältere Menschen ist der kleine Estemarkt im Herzen Estebrügges wichtig, umso mehr, da sich vor Kurzem auch noch der Bäcker aus dem Ort verabschiedet hat. Stichwort kurze Wege. Der Estemarkt ist der letzte verbliebene Lebensmittel-Markt in Estebrügge, Königreich und Cranz. Am Freitagnachmittag beim WOCHENBLATT-Ortstermin brummt das Geschäft. Und trotzdem fühlt sich die Betreiber-Familie Atli nicht willkommen. Wieso ist das so?
Seit gut einem Jahr haben sie Stress mit der Gemeindeverwaltung. Grund ist eine neu eingerichtete Parkverbotszone genau vor dem Ladengeschäft. Der Frust ist mittlerweile so groß, dass Derya und Yahya Atli ernsthaft überlegen, Estebrügge zu verlassen. Ein Angebot aus Bliedersdorf liegt schon vor. „Wenn keine Lösung gefunden wird, schließen wir ab“, sagt Derya Atli sicht- und hörbar genervt.
Darum geht es: Weil der Estemarkt der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber liegt, gab es in der Vergangenheit Probleme mit parkenden Fahrzeugen vor dem Laden, wenn die Retter aus dem Gerätehaus fahren wollten und die Kurve nicht bekamen. Die Gemeinde reagierte. Poller vor dem Estemarkt wurden aufgestellt. Absolutes Halteverbot! Negativer Nebeneffekt: Jetzt dürfen auch die Atlis nicht mehr vor ihrem eigenen Geschäft parken, um den Lieferwagen - ein wichtiger Geschäftszweig des Ehepaars ist der Bringservice - be- und entladen zu können.
Weil sie keine andere Möglichkeit sehen, haben sich die Atlis des Öfteren dem Verbot widersetzt. „Wie sollen wir sonst unseren Wagen beladen?“, fragt Derya Atli. Die Folge: Die Gemeinde verteilt fleißig Knöllchen. „Mehrere hundert Euro haben wir schon bezahlt. Die Frau vom Ordnungsamt wartet richtig darauf, dass wir hier parken. Das ist doch Mobbing pur“, klagt die Geschäftsfrau.
Ihren Protest haben die Atlis deutlich im Jorker Rathaus geäußert. Bürgermeister Gerd Hubert schlug einen Kompromiss vor. 15 Minuten sollten die Atlis Zeit zum Be- und Entladen vor ihrem Laden bekommen. „Das ist nicht akzeptabel. Das ist unmöglich zu schaffen. Wir brauchen eine praktikable Sondergenehmigung. Das Be- und Entladen dauert mindestens eine Stunde“, sagt Derya Atli.
Sie macht einen anderen Vorschlag: Das Parkverbot hat Bestand, ausgenommen für sie als Betreiber, und das auch nur montags bis samstags von 6 bis 19 Uhr. Zeiten, in denen sie vor Ort sind, um im Bedarfsfall den Wagen umzuparken.
Bürgermeister Hubert verweist auf die Sicherheit der Bevölkerung: „Das schnelle Ausrücken der Feuerwehr muss gewährleistet sein. Es steht nämlich nicht nur die Familie Atli dort, sondern auch andere Fahrzeuge.“ Zudem gebe es für die Betreiber die Möglichkeit, wenige Meter weiter auf erlaubten Flächen zu parken. Die jetzige Regelung habe er mit der Politik im Verwaltungsausschuss abgestimmt. Hubert zeigt sich dennoch für weitere Gespräche offen.
Die Atlis hoffen darauf, dass sie eine Ausnahmegenehmigung erhalten, mit der sie leben können. Der Gedanke, in Bliedersdorf neu anzufangen, wo seit einigen Wochen ein Ladengeschäft leer steht (wie berichtet), wird andernfalls immer reizvoller. Ein Umzug wäre ein herber Verlust für die Infrastruktur in den Este-Gemeinden.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wirtschaft
Auch am Geldautomaten ist Vorsicht geboten: Niemals zulassen, dass jemand beim Eintippen der PIN zuschaut

Karteninhaber aufpassen: Geheimnummer muss auch geheim bleiben
Wegen Corona: Mehr Fälle von EC-Karten-Missbrauch

(jd). "Bitte möglichst nur Kartenzahlung": Solche Hinweisschilder finden sich seit Ausbruch der Pandemie an vielen Kassen. Das Bezahlen mit "Plastikgeld" in den Geschäften hat nach Auskunft der hiesigen Banken und Sparkassen in Corona-Zeiten deutlich zugenommen. Angestiegen ist aber auch die Zahl der Betrugsfälle, die im Zusammenhang mit der missbräuchlichen Nutzung der Girocard - oftmals als EC-Karte bezeichnet - stehen. Das WOCHENBLATT fragte bei Geldinstituten in der Region nach, wie groß...

Politik
Nach dem Willen der rot-schwarzen Koalition in Hannover soll bei den Ausschuss-Sitzen künftig ein anderes Zählverfahren gelten

Grüne scheiterten mit Resolution
Neues Berechnungsverfahren: Kleinere Parteien kommen in den Ausschüssen künftig zu kurz

jd. Stade. Der neugewählte Stader Rat konstituiert sich am 8. November. Dann geht es auch um politische Arithmetik: Die Ausschüsse müssen neu besetzt werden. Die Zahl der Sitze im wichtigen Verwaltungsausschuss und in den Fachausschüssen richtet sich nach den Mandaten, die die Parteien im Rat erzielt haben. Das heißt: Von der Größe einer Fraktion ist abhängig, wie viele Mitglieder diese in einen Ausschuss entsenden darf. Nun will die Landesregierung das dafür zugrundeliegende...

Panorama
Kommen diese Woche wieder zu Dreharbeiten nach Immenbeck: Die Schauspieler Sven Martinek (li.) und Ingo Naujoks. Auf dem Archivfoto mit ihrer Kollegin Julia Schäfle

Straßensperrung für "Morden im Norden"
In Immenbeck wird wieder gemordet

tk. Buxtehude. Wenn Krimifans von dieser Straßensperrung hören, wird es vermutlich klingeln: Am Donnerstag und Freitag, 21. und 22. Oktober, wird die Immenbecker Straße von 8 bis 19 Uhr, freitags sogar von 11 bis 23 Uhr gesperrt. Der Grund: Dreharbeiten. Vor genau zwei Jahren war Immenbeck ebenfalls für zwei Tage dicht. Für die Krimiserie "Morden im Norden" wurde dort eine Szene mit den beiden TV-Kommissare Finn Kiesewetter (Sven Martinek) und Lars Englen (Ingo Naujoks) gedreht. Dieses Mal sind...

Blaulicht
Äußerst realistisches Übungsszenario: Mit einem Knall steht plötzlich das Nachbargebäude in Flammen
18 Bilder

Übung der Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Jesteburg
Brandstifter in Jesteburg

as. Jesteburg. Samstagabend, 17.45 Uhr: Polizei und Feuerwehr werden zur ehemaligen Kampfsportsschule Nordheide an der Schützenstraße/Ecke Schierhorner Weg in Jesteburg gerufen. Der Anrufer soll gedroht haben, die Kampfsportschule in Brand zu setzen. Dichter Rauch dringt aus dem Gebäude. Eine Mülltonne explodiert.  Dieses Szenario ist Teil eines spektakulären Übungseinsatzes, den die Freiwillige Feuerwehr der Samtgemeinde Jesteburg jetzt durchgeführt hat. Mit pyrotechnischen Effekten haben "die...

Panorama
An rund 40 Wochenenden, in ca. 7.000 Arbeitsstunden, haben ehrenamtliche Helfer etwa 1.200 Tonnen Material bewegt - die Hälfte davon mit Schaufel und Schubkarre. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Leuchtturmprojekt "JestePark" spricht Besucher aller Altersgruppen an, die sicher nicht nur aus Jesteburg anreisen werden
39 Bilder

Eine Oase, nicht nur für Lütte
Der JestePark ist eröffnet

as. Jesteburg. Nach unzähligen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden, viel Muskelkraft und Schweiß kommt jetzt ein Mammutprojekt zum Abschluss: Am Samstag übergab der Förderverein Jesteburger Spielplätze den "JestePark am Seeveufer" (Seeveufer) in Jesteburg der Öffentlichkeit. Aus einem maroden Spielplatz ist ein Leuchtturmprojekt geworden: Auf 7.500 Quadratmetern erstreckt sich jetzt eine naturnahe Bewegungs-, Spiel- und Erholungslandschaft für Kinder und Jugendliche. Ort der Begegnung...

Service

Wildunfälle, was tun?
Unfallgefahr durch die Zeitumstellung – Wildtiere kennen keine Winterzeit.

Wissenschaftler werten über 30.000 Datensätze des Tierfund-Katasters aus. Besonders risikoreich ist die Zeit von 6 bis 8 Uhr morgens. Ende Oktober wird die Uhr wieder auf Winterzeit umgestellt. Somit erhöht sich die Gefahr für Wildunfälle drastisch!„Die Wildtiere sich an ihren Tagesablauf gewohnt und ziehen zu bestimmten Zeiten in andere Reviere und überqueren hierbei die Straßen.“ So Bernard Wegner von der Jägerschaft LK Harburg. Zudem hat sich die Siedlungs- und Verkehrsflächen in den letzten...

Panorama
Die Ampelanlage an der K13 ist weitgehend fertiggestellt. Es müssen aber noch Restarbeiten ausgeführt werden

Kreisstraße zwischen Dibbersen und Vaensen
Wann wird die Ampel eingeschaltet?

os. Dibbersen. Droht Buchholz eine weitere Ampel-Dauerbaustelle? Diesen Eindruck bekommen derzeit Passanten, die an der Kreisstraße 13 zwischen der Buchholzer Ortschaft Dibbersen und der Kernstadt unterwegs sind. Die Ampelanlage an der Ausfahrt der Brauerstraße ist zwar weitgehend fertiggestellt, in Betrieb ist sie aber noch nicht. Wie berichtet, errichtet die Wirtschaftsförderung im Landkreis Harburg (WLH) die neue Anlage. Sie kommt damit laut WLH-Geschäftsführer Jens Wrede dem Wunsch der...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen