KOMMENTAR: Wenn Staatsdiener das Augenmaß verlieren

Dass ein Einzelner wie Udo Paschedag mit mutmaßlichen Luxus-Versorgungsansprüchen als "Raffke" dasteht, regt mich nicht auf. Schließlich steht auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff bald vor Gericht - wegen Vorteilsnahme im Amt. Dass jetzt auch die Grünen mit der Causa Paschedag einen handfesten Skandal um eventuell überhöhte Bezüge, Klimaanlage im Büro und eine Oberklasselimousine als Dienstwagen haben, könnte ich sogar noch ins Positive wenden: Die einstige Turnschuh-Partei ist politisch so etabliert, wie die anderen auch. Da bleibt eine Mitnahme-Mentalität in einem Selbstversorgungssystem wie wir es nun mal haben nicht aus.
Was mich auf die Palme bringt: Hätte Udo Paschedag stillschweigend einen Audi A6 statt eines A8 bestellt, kein einziger Politiker - auch nicht von der CDU und FDP - hätte etwas dagegen einzuwenden gehabt. Und jetzt komme man mir bloß nicht mit dem Argument, ein Ministerialer brauche ein Auto zum Repräsentieren. "Small ist beautiful" - besonders dann, wenn die Kassen leer sind.
Wer stoppt diesen Verschwendungswahnsinn öffentlicher Gelder durch eine Politiker-Kaste, die sich in stillschweigender Übereinkunft Luxus gönnt, den jeder normale Arbeitnehmer selbst bezahlen muss? Der Oberklassedienstwagen ist die Spitze des Eisbergs, aber ein perfektes Symbol für einen Staat, dessen Diener das Augenmaß verloren haben.
Noch nicht überzeugt? Dann ein Holzhammer-Argument: Der Listenpreis für einen Audi A6 liegt in der Basisversion bei 39.600 Euro. Der Hartz IV-Regelsatz für Alleinstehende liegt im Monat bei derzeit 382 Euro. Das sind die monatlichen Einkommen von 103 Menschen ohne Job im Vergleich zu einen Luxusdienstwagens. Für den Listenpreis eines A6 könnten auch 18 ErzieherinInnen mit Einstiegsgehalt einen Monat lang bezahlt werden.
Und da wären wir wieder bei den Grünen: Sie haben das System der Selbstbedienung hinterfragt. 1988, noch zu Zeiten der Deutschen Mark, hakte die Fraktion im Bundestag nach, ob es die Regierung für vertretbar halte, dass Parlamentarische Staatssekretäre sich über die Richtlinien für Dienstfahrzeuge hinwegsetzen? Damals, argwöhnten die Grünen, hätten neue Dienstwagen mitunter 25.000 Mark mehr gekostet als erlaubt. Das war der richtige Weg: Schluss mit Versorgungsansprüchen die den Einzelnen glücklich machen, dem Rest des Landes aber rein gar nichts bringen
Tom Kreib

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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