"Geschlossene Grenzen funktionieren nicht"
SPD-Europaabgeordneter Tiemo Wölken über EU und Corona

Tiemo Wölken vor wenigen Tagen während der ersten Sitzung des EU-Parlaments nach Beginn der Pandemie
  • Tiemo Wölken vor wenigen Tagen während der ersten Sitzung des EU-Parlaments nach Beginn der Pandemie
  • Foto: Daina LE LARDIC European Union 2020
  • hochgeladen von Tom Kreib

tk. Buxtehude. Die Grenzen in Europa sind (noch) weitgehend dicht. "Das ist ein Paradebeispiel dafür, dass geschlossene Grenzen absolut kontraproduktiv sind, auch für jedes einzelne Land",  sagt der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken, der in Buxtehude aufgewachsen ist. Wenn Erntehelfer eingeflogen werden müssen, damit in Deutschland die Landwirtschaft nicht zusammenbreche, sehe wohl jeder, wie wichtig Freizügigkeit innerhalb der EU ist. Er habe daher überhaupt keine Angst davor, dass sich in den Köpfen einer Mehrheit die Rückkehr zur strikten Nationalstaatlichkeit als Idealzustand etablieren könne. 

"Normale politische Arbeit läuft wieder an"

Vor wenigen Tagen war Tiemo Wölken zum ersten Mal wieder in Brüssel, weil dort das Plenum getagt hat. Bis dahin war Europa für ihn auf sein Homeoffice in Osnabrück reduziert. "Anfangs hat Corona alles dominiert. Doch inzwischen läuft die normale politische Arbeit wieder an", sagt der Sozialdemokrat. Er kümmert sich wieder um Themen wie digitale Zukunftstrategien oder Künstliche Intelligenz. 

Weil Tiemo Wölken zu den Politikern gehört, die Soziale Medien sehr professionell nutzen, hatte er auch in den vergangenen Wochen viele Rückmeldungen bekommen.  "Dabei habe ich schon die Sorge herausgehört, dass Europa nach der Pandemie geschwächt sein könnte", so der EU-Abgeordnete.

Keine Gutscheinlösung bei abgesagten Reisen

Der überzeugte Europäer hält das Gegenteil für zutreffend: Beim Thema Reisekostenerstattung und Urlaub zeige sich die EU von ihrer starken Seite. "Eine Gutscheinlösung, wie sie auch in Deutschland geplant war, wird nicht kommen", sagt Wölken. Dass es Geld zurück gebe, sei der EU zu verdanken. "Da wird Europa für den einzelnen Bürger direkt positiv spürbar." Die Staaten, die noch an der Gutscheinlösung festhalten, müssten mit Vertragsverletzungsverfahren rechnen, so Wölken.

EU-Aufbau-Programm für Exportnation Deutschland wichtig

Der aktuelle Vorschlag von Kanzlerin Merkel und dem französischen Präsidenten Marcron, ein EU-Aufbau-Programm mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro aufzulegen, werde bei einem deutschen Anteil von geschätzt 135 Milliarden Euro sicherlich kritisiert werden. Tiemo Wölken gibt den Skeptikern zu bedenken: 60 Prozent aller deutschen Exporte gehen in die Union. Wenn dort Kaufkraft wegbreche, täte das die deutsche Wirtschaft ganz direkt. "Das würde am Ende deutlich teurer als die geschätzten 135 Milliarden für den Aufbau-Fonds", so Wölken.

"Europa wird zu seiner Normalität wie vor Corona zurückfinden", ist Tiemo Wölken überzeugt. Und das sei das, was eine übergroße Mehrheit der Deutschen und der anderen Europäer auch wolle.

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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