Familienunternehmen: Viel Tradition, wenig Frauen

Traditionsunternehmen in Familienhand sind eine der großen Stützen des deutschen Mittelstands. Was allerdings die Besetzung von Führungspositionen betrifft, scheint ein Großteil der Firmen noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen zu sein. Eine Studie der gemeinnützigen AllBright-Stiftung lieferte ernüchternde Ergebnisse: Bei den 100 umsatzstärksten Familienunternehmen lag der Frauenanteil in der Geschäftsführung bei gerade einmal 6,9 Prozent.


Drohende Folgen für die Zukunft

Familienunternehmen hätten einen “Blind Spot”, wenn es um das Thema Frauen in Führungspositionen ginge, nennen diesen Umstand Wiebke Ankersen und Christian Berg, die Geschäftsführer von Allbright. Zwar seien Firmen in Familienhand “Anpassungskünstler”, aber es drohe die Gefahr, dass “die Firmen die Weiterentwicklung ihrer Führungsstruktur verpassen – mit Folgen für ihre Zukunftsfähigkeit.”
Während in der Geschäftsführung – ob als Vorsitzende oder Mitglied – der Frauenanteil also bei knapp mageren 7 Prozent liegt, sieht es bei den Aufsichtsräten etwas besser aus: Hier stellen bei 10 Prozent der Unternehmen eine Frau die Vorsitzende und 26 Prozent ein Mitglied des Gremiums.

Mehr Frauen bei börsennotierten Firmen

Interessanterweise steigt der Anteil der Frauen in Führungspositionen bei Familienunternehmen, die an der Börse notiert sind: Hier liegt die Quote bei 10,3 Prozent – laut Studie resultierend aus der Tatsache, dass auch Personen, die nicht aus dem Familienumfeld stammen, ihren Einfluss geltend machen. Zudem sind diese Firmen zu mehr Transparenz verpflichtet und stehen somit stärker unter öffentlicher Beobachtung. Nicht-börsennotierte Firmen besetzen lediglich 5,9 Prozent ihrer Führungspositionen mit Frauen. Bei Firmen, die sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befinden, sind es gar nur 4,8 Prozent.
Laut der Studie sind in nur zwei der untersuchten Firmen Frauen für das operative Management verantwortlich: Anna Maria Braun bei der Medizinfirma B. Braun aus Melsungen sowie Nicola Leibinger-Kammüller beim baden-württembergischen Maschinenbauer Trumpf. Und aus Niedersachsen stammt ein weiterer mittelständischer Familienbetrieb, der zwar nicht Teil der Studie war, aber mit gutem Beispiel vorangeht: Beim  Fleischwaren- und Familienunternehmen Schwarz Cranz hat Kristin Schwarz die Zügel fest in der Hand – und das schon seit 1999.

 

Neue Perspektiven, neue Chancen

Diese Unternehmen wissen bereits, was die Allbright-Stiftung allen anderen ins Stammbuch schreibt: Männlich geprägte Führungsetagen leiden an begrenzten Blickwinkeln und Erfahrungshintergründen. Gerade heute, in einem stark veränderlichen Umfeld, sind jedoch unterschiedliche Perspektiven besonders wichtig. Vielfältig zusammengesetzte Führungsteams besitzen eine höhere Innovationskraft und treffen letztlich die besseren und profitableren Entscheidungen.

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Online Redaktion aus Buxtehude

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