Kampf um Werft-Standort / Existenz von ansässigen Firmen durch Verschlickung bedroht
500 Arbeitsplätze an der Elbe in Gefahr

Das Werftgelände an der Estemündung: Links und rechts türmt sich der Schlick 
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sla. Cranz. Hochwasserschutz ist in unserer Region durch die Nähe zu Elbe für alle Anwohner ein lebenswichtiges Thema. Doch an der Este liegt schon länger einiges im Argen und die Lage spitzt sich momentan zu. Durch die zunehmende Verschlickung der Este konnte beispielsweise das Estesperrwerk im vergangenen Herbst zeitweise nicht geschlossen werden, was erst hinterher bekannt wurde. Für die Anwohner von Cranz bis Buxtehude ein großes Gefahrenpotenzial, denn bei einer Sturmflut würde das Hochwasser den Estedeich überfluten.
Unmittelbar betroffen davon ist auch der Industriestandort am Neuenfelder Fährdeich - nicht nur durch das drohende Hochwasser, sondern auch durch die Verschlickung der Este, die für mangelnden Tiefgang sorgt und damit die Existenz der ansässigen Betriebe gefährdet. Dazu zählen neben der Pella Sietas Werft mit 350 Mitarbeitern auch neun weitere Firmen sowie Subunternehmen, die etwa für Airbus tätig sind. Insgesamt stehen mehr als 500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Verschlickung des Werftbeckens an der Estemündung beeinträchtigt die Firmen bei der Auslieferung von Schiffen, Turbinen, Kränen und Exportkisten auf dem Seeweg.
Geradezu paradox: Bei Pella Sietas liegt seit mehreren Monaten ein Baggerschiff im Dock, mit dem die Elbe ausgebaggert werden soll, das aber aufgrund der Verschlickung und der Sandanhäufung nicht ausgeliefert werden kann.
"Wir sind hier eine Wertschöpfungskette", betont Habbo Stark, Geschäftsführer eines der betroffenen Unternehmen, der Firma Este Project Service (EPS). Er setzt sich für den Erhalt des Standortes ein - hält aber auch schon für den äußersten Notfall nach einem anderen Standort Ausschau. Die Zusammenarbeit aller Firmen auf dem Werftgelände biete für alle Beteiligten viele Vorteile mit einer starken Vernetzung und großer Fachkompetenz.
Daher möchte Stark auch an dem Standort festhalten. Zusammen mit Söhnke Dethloff, Geschäftsführer der ebenfalls betroffenen "Kapt. Alfred W. Behrendt Schiffahrts- und Industrieservice Gesellschaft", setzt Stark derzeit alle Hebel in Bewegung, um eine Lösung zu erwirken. Kurzfristig müsse es eine Zwischenlösung geben, damit der Bagger bei Pella Sietas ausgeliefert werden kann, und langfristig müsste ein Staatsvertrag her, fordern die beiden Geschäftsführer im Gespräch mit dem WOCHENBLATT.
"Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich der Schlick so hoch türmt, dass sich das Sperrwerk wieder nicht schließen lässt." Und mit jeder Flut komme auch Sand in den Estelauf, so Stark. "Nicht nur unser Standort ist in Gefahr, wir alle hier in der Region sind betroffen."
Die Schwierigkeit, eine Lösung zu finden, liegt wohl hauptsächlich in der Zuständigkeit: Die Hamburg Port Authority (HPA) ist für den direkten Sperrwerksbereich zuständig, das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) für die Durchgängigkeit der Wasserstraße. Der weitere Estelauf fällt in die Zuständigkeit des Landes Niedersachsen. Dethloff und Stark hatten vor einigen Tagen Hamburgs Wirtschaftssenator Senator Michael Westhagemann (parteilos) zu Besuch, um die Lage vor Ort zu schildern.
"Es muss sich jetzt dringend etwas bewegen, um den Standort zu retten", sagen Dethloff und Stark. Die beiden Pella-Sietas-Geschäftsführerinnen Natallia Dean und Beate Debold drohten der Stadt Hamburg inzwischen mit rechtlichen Schritten, wenn sich bis Ende des Monats keine Lösung findet.
Kurzfristig hat sich nun Hamburgs Wirtschaftsstaatsrat Andreas Rieckhof eingeschaltet. Bei einem Gespräch am Mittwoch mit den Chefinnen der Pellas Sietas Werft wurde letztlich beschlossen, ein bis maximal zweimal Spülungen des Hafenbeckens vorzunehmen, damit das Baggerschiff endlich ausgeliefert werden kann. Zudem soll ein Beschluss zur langfristigen Lösung des Problems gefasst werden.

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Autor:

Susanne Laudien aus Buxtehude

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