Rekordpreise bei Sprit und Heizöl
Tanken ist so teuer wie noch nie

2.28,9 Euro für Super Plus am Mittwochnachmittag in Buxtehude - und die Preise steigern weiter
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sla. Landkreis Stade. Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur humanitäre Folgen, sondern wirkt sich bereits drastisch auf die Wirtschaft und die Geldbörse der Verbraucher in Deutschland aus. Die Spritpreise sind so hoch wie nie zuvor. Am Montag stieg der Preis für einen Liter Benzin erstmals bundesweit auf über zwei Euro. Superbenzin kostete Donnerstagnachmittag bei der HEM-Tankstelle in Jork 2.24,9 Euro - und kurios - Diesel war mit 2.26,9 Euro noch teurer. Die hohen Preise sorgen bei Autofahrern für Ärger und Frust an den Zapfsäulen. Auch beim Heizöl müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen - und Unternehmen drohen enorme Belastungen.

Mitarbeiterin Heike Breuer ist an der HEM-Tankstelle in Jork ebenso überrascht über die hohen Preise wie ihre täglich rund 200 Kunden. Die meisten davon sind Pendler wie Louis Lime aus Dollern: "Ich muss zur Arbeit nach Finkenwerder und muss wohl oder übel tanken." Einige Kunden machen ihrem Ärger über die hohen Preise bei Heike Breuer an der Kasse Luft. Andere schlucken die Kröte stillschweigend. An der Star-Tankstelle in Buxtehude nahm es ein Kunde mit Humor und fragte die Mitarbeiterin, ob sie bei den hohen Preisen jetzt auch den roten Teppich für ihn auslegen würde.

2,50 für den Liter Benzin wird das neue Normal

Claus Rieper, Inhaber der gleichnamigen Freien Tankstelle und einer Spedition in Jork, ist sowohl als Unternehmer als auch Verbraucher von dem Preisanstieg betroffen. "Unsere Kunden bleiben fair, denn sie wissen, dass wir dafür nichts können", sagt Rieper. Er verdiene an dem Preisanstieg nicht mehr, das meiste bekäme sowieso Vater Staat. "Pendler haben keine Chance, dem Preisanstieg zu entkommen", sagt Rieper. Gleiches gelte für seinen Speditionsbetrieb mit den Lkw-Fahrten.
Energieaufschlag überlegt

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Auch der Betrieb "VS Transport" in Harsefeld ist von der Preiserhöhung extrem betroffen, schildert Inhaber Volker Schilling. 30 Liter Diesel benötigt ein Lkw auf 100 Kilometer. In der Woche sind das 600 Liter Diesel. Jetzt muss er an der Tankstelle den doppelten Preis wie vor einem Jahr zahlen. "Wie soll ich das den Kunden klar machen?", fragt sich der Harsefelder Unternehmer. Seine Lkw transportieren Schüttgut, Baustoffe aller Art und etliches mehr - hauptsächlich zwischen Stade und Hamburg, aber auch im Fernverkehr nach Rostock, Belgien, Schweiz und Schweden. Für seine betriebseigene Tankstelle auf dem Firmengelände kauft Schilling Dieselkraftstoff in Hamburg ein. Das sind mal eben 60.000 Liter im Monat, die jetzt über zwei Euro pro Liter kosten. "Ich habe noch nicht mit meinen Kunden gesprochen, aber letztlich werden es die Endverbraucher zahlen müssen, nämlich wenn die Produkte plötzlich teuer werden." Um Sprit zu sparen, versucht Schilling momentan Leerfahrten zu vermeiden, was allerdings nicht immer möglich ist. Derzeit berät er sich aufgrund der drastischen Lage für die Branche mit einigen Mitbewerbern. "Wir überlegen, ob wir vorübergehend einen Energieaufschlag nehmen", sagt Schilling. "Ansonsten müssen wir drauf zahlen", so der Spediteur. Etwa 64 Prozent jeder Tankrechnung geht an den Staat, so ADAC-Sprecher Andreas Hölzel.

In Deutschland fallen pro Liter Benzin 65,45 Cent Energiesteuer an, für Diesel sind es 47,04 Cent. Laut ADAC wird zudem ein Beitrag von 0,27 (Benzin) und 0,35 Cent (Diesel) pro Liter an den Erdölbevorratungsverband gezahlt. Dazu kommen der Produktpreis, der vom Rohölpreis abhängt, sowie Kosten für Vertrieb, Transport, Tankstellenpacht - beispielsweise bei Aral sind das sieben Prozent des Endpreises. Auf den Gesamtpreis inklusive Energiesteuer und Kosten für Vertrieb, Transport etc. werden 19 Prozent Mehrwertsteuer geschlagen. Gleiches gilt auch für Heizöl. Der hohe Ölpreis trifft Verbraucher und auch Unternehmen wie die Meibohm Mineralöl GmbH. "Mehrmals täglich ändert sich der Preis an der Börse, ständig muss ich neu kalkulieren, die Lage ist sehr schwierig", sagt Chef Dirk Meibohm.

Sein Vorschlag: Der Staat könnte die Preise vorerst für drei Monate reduzieren, etwa durch Aussetzen der Mehrwertsteuer und der CO²-Steuer. Schwacher Trost: Momentan gibt es noch genügend Öl - aber die Vorräte werden knapper, warnt Meibohm. Der Staat verdient kräftig mit

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Autor:

Susanne Laudien aus Buxtehude

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