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Als das Internet in den Kinderschuhen steckte

30 Jahre Internet: WOCHENBLATT-Mitarbeiter erinnern sich an Modems, langsame Leitungen und die ersten Chatrooms

tk. Landkreis. Grenzenlos kommunizieren, Informationen und Unterhaltendes in Sekundenbruchteilen auf dem Laptop zur Verfügung haben, ganze Kinofilme streamen, Heizung und Licht zuhause von überall mit dem Smartphone steuern oder online shoppen - heute ist das aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dabei ist das Internet eine noch junge Erfindung und hat am Mittwoch seinen 30. Geburtstag gefeiert. Am Cern (Europäische Organisation für Kernforschung) in Genf hatte der britische Physiker und Computerwissenschaftler Tim Berners-Lee im März 1989 seine Idee für ein World Wide Web entwickelt. Es sollte ursprünglich nur Forscher in aller Welt miteinander vernetzen.
Der 30. Geburtstag ist ein guter Anlass, um an die "Kinderstube" des Internet zu erinnern. WOCHENBLATT-Mitarbeiter blicken auf ihre ersten (meist sehr langsamen) Internet-Erlebnisse zurück.
Oliver Sander, Redaktionsleiter Nordheide und Elbe Geest-WOCHENBLATT, erinnert sich an das Jahr 1993: "Technologisch war ich meinem amerikanischen Austauschpartner Eric Buschert um Lichtjahre hinterher. Er saß im Kaff Roseburg im US-Bundesstaat Oregon und hatte einen privaten Internetanschluss, ich studierte in Münster und musste jedes Mal ins Uni-Rechenzentrum gehen, um seine E-Mails lesen zu können. Immerhin ausdrucken konnte ich die Nachrichten: Auf Meterpapier, das ich vom Endlosstapel abreißen musste!"
Tom Kreib Redaktionsleiter Neue Buxtehuder, wollte vor 20 Jahren spontan einen Sommerurlaub an der Ostsee buchen: "Das Modem zirpte, die Telefonleitung war damit belegt, und die Seiten der Ferienhausanbieter, die schon eine eigene Homepage hatten, bauten sich so langsam auf, das 15 Minuten vorbei waren, bis alle Fotos geladen waren. Es dauerte ähnlich lange, die Belegungstabellen aufzurufen. Nach vier Anbietern waren mehr als zwei Stunden vorbei. Ich habe das Modem ausgestöpselt und zum Telefon gegriffen. Die Touri-Zentrale in Kappeln nannte innerhalb kürzester Zeit vier freie Unterkünfte. Ich habe dann auch telefonisch gebucht."
Jaana Bollmann, Redaktionsvolontärin, Neue Stader, ist gemeinsam mit dem Internet aufgewachsen: "Genau wie das World Wide Web bin ich 30 Jahre alt. In meiner Jugend kam die Zeit der Chat-Räume auf, in denen auch ich mich mit meinen realen Freunden tummelte und neue, virtuelle Freundschaften schloss. War mal wieder - auch nach mehrmaligen Aufforderungen 'doch bitte die Leitung frei zu machen' - kein Ende in Sicht, wurde einfach der Stecker gezogen und wir landeten wieder in der Realität."
Anke Settekorn Redakteurin, Nordheide Wochenblatt, hatte "Internet" in der Schule: "Ich muss damals zehn, zwölf Jahre alt gewesen sein. 'Internet' wurde im damals hochmodernen Sprachlabor unterrichtet, zu Hause hatte kaum jemand eine Verbindung. Mit dem 'Netscape Navigator' startete unsere Reise durchs Web. Eines unserer Lieblings-Ziele war die Homepage des Radiosenders N-Joy, die hatte nämlich einen Chat, in dem man mit gleichaltrigen Boys chatten konnte. Allerdings hat das Laden der Seite, die sich damals Pixel für Pixel aufgebaut hat, ewig gebraucht - lange Konversationen waren da eher nicht drin. Der 'Navigator' wurde übrigens Ende der 1990er Jahre schon nicht mehr verwendet.
Alexandra Bisping Redakteurin, Neue Buxtehuder, hat gleich zu Beginn die kriminelle Seite des Netzes kennengelernt: "Der Verlag, in dem ich volontierte, hatte sich Mitte der 1990er-Jahre Internet zugelegt. Als eine Kollegin und ich einmal auf die Suche nach einer Information im weltweiten Netz gingen, gerieten wir auf eine Sodomisten-Seite. Wir waren geschockt darüber, für welche schrecklichen Inhalte das Internet bereits genutzt wurde."