Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Buxtehude: "Wir verstehen uns als Brückenbauer"

Hat die Plattform "Hand und Herz Buxtehude" gegründet: Ata Shakoor
 
Erst Sprachunterricht, dann Familienbetreuung: Leonore Michaelis

Drei ehrenamtliche Flüchtlingshelfer berichten von ihrer Arbeit und wie sie sich verändert hat

ab. Buxtehude
. Die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer hat sich gewandelt: Nach anfänglicher intensiver Unterstützung im Alltag helfen sie nun den Menschen dabei, sich zu integrieren - mit Sprachunterricht, der Begleitung zu Schulterminen oder mit der Organisation interkultureller Veranstaltungen. Das WOCHENBLATT sprach mit drei ehrenamtlichen Helfern der ersten Stunde.

Netzwerken

"Das war schon fast wie ein Trend: Es wollten alle helfen", erinnert sich Ata Shakoor an den Flüchtlingsstrom 2015. Gemeinsam mit seiner Frau Jana gründete der Buxtehuder mit pakistanischen Wurzeln das Netzwerk "Flüchtlingshilfe Buxtehude". "Wir haben uns als Brückenbauer verstanden", sagt er.

Das Ehepaar koordinierte, brachte Helfer und Hilfesuchende zusammen, knüpfte Kontakte. organisierte, erstellte Listen von Helfern und Aufgaben und übergab sie der Stadt, denn die, so Shakoor, war "überfordert wie alle anderen auch". Aber die Stadt habe schnell reagiert, Strukturen entwickelt und engagierten Bürgern Aufgaben zugeteilt. "Das hat gut geklappt, da muss man die Stadt wirklich loben."

Inzwischen seien die Flüchtlinge richtig angekommen. "Die wollen nicht mehr an die Hand genommen werden, sondern selbst etwas tun", stellt Ata Shakoor fest.
Aus der Flüchtlingshilfe ist inzwischen die Initiative "Hand und Herz Buxtehude" (www.handundherz-buxtehude.de) entstanden (das WOCHENBLATT berichtete). "Wir haben die Zielgruppe erweitert und möchten engagierte und hilfsbereite Menschen mit allen zusammenbringen, die Hilfe brauchen - egal, ob es sich dabei um Flüchtlinge, Familien mit wenig Geld oder Senioren handelt. "Was wir jetzt versuchen ist, Flüchtlinge auf Veranstaltungen mit anderen Bürgern zusammenzubringen, beispielsweise mit älteren Generationen. Sie können sich kennenlernen und Ängste abbauen - davon können alle nur profitieren."

Familienpatin
Auch Leonore Michaelis kann die Entwicklung bestätigen. "Früher haben wir die Flüchtlinge überallhin begleitet, heute wollen sie so viel wie möglich selbst erledigen. Sie sind selbstständiger geworden." Im Oktober 2014 erfuhr die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und Lehrerin bei der AWO, dass ehrenamtliche Unterstützung benötigt werde. "Damals begann die Zuweisung der Flüchtlinge in die Hansestadt", erinnert sie sich.

Bei einer Tagung des Präventionsrates hatte sich Leonore Michaelis, gemeinsam mit einer anderen Helferin, zu einem Tandem zusammengeschlossen, um ein Jahr lang die Bewohner der Unterkunft in der Bebel-#+straße mit der deutschen Sprache vertraut zu machen. Dann habe sie die Patenschaft für eine syrische Familie übernommen, die sie seitdem einmal in der Woche besucht. "Wenn ich hinkomme, liegen schon Papiere oder Formulare bereit, zu denen sie Fragen haben", sagt sie und ergänzt, dass es davon sehr viele gebe: von der Kita und den Schulen der drei Kinder oder Bescheide vom Job-Center. Außerdem begleitet sie die Eltern zu Elternabenden und Elterngesprächen. "Die Familie organisiert sich selbst. Ich bin als Patin die Ergänzung und eine Vertraute."

Was Leonore Michaelis ein wenig vermisst: die häufigen Treffen der Ehrenamtlichen, die es zu Beginn gegeben habe. "Das bewusste Miteinander hat sich reduziert." Beim Sprachunterricht ist sie geblieben, den gibt sie an der VHS, aber nicht mehr ehrenamtlich. Ihre Familie wird sie auch weiterhin betreuen, "nur auf einer anderen Ebene als am Anfang".

Kinderbetreuung
Brigitte Junker und Susanne von Arciszewski engagieren sich in Buxtehude ebenfalls ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Die Damen vom "Lions Club Franziska von Oldershausen" wurden 2015 von der Stadt angesprochen, ob sie etwas dazu beitragen könnten, die Container wohnlicher und gemütlicher zu gestalten. "Wir haben dann "Welcome"-Fußmatten, Fleecedecken und Leselampen für jeden Bewohner besorgt", sagt Susanne von Arciszewski.

Sie hätten die Patenschaft für die Container an der Giselbertstraße übernommen, später aber, als das ehemalige Polizeikommissariat aus dem Gebäude in der Grothe-Marie-Straße auszog und Flüchtlingsfamilien einzogen, ging die Patenschaft auf das Haus über. Einmal pro Woche bieten Brigitte Junker und Susanne von Arciszewski den Kindern dort eine Stunde Spiel und Spaß an. "Wir gehen zusammen ein Eis essen und auf einen Spielplatz. Wenn das Wetter schlecht ist, spielen wir Gesellschaftsspiele."

Drei Familien, die inzwischen ausgezogen seien, besuchten sie ebenfalls noch. Von Arciszewski: "Rund drei Stunden pro Woche und pro Person sind wir mit dem Ehrenamt beschäftigt. Aber ich finde es wichtig, weil die Menschen unsere Hilfe brauchen." Ihr "Lohn" sei die Freude, die sie damit bereite. "Die Flüchtlinge, die aus einem anderen Land, einer anderen Kultur zu uns gekommen sind, sollen sich hier wohl und respektiert fühlen. Ich bleibe dabei und helfe, so lange es geht."