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Das WOCHENBLATT begleitet eine Krankenschwester: "Ich habe meine Berufswahl noch niemals bereut"

Simone Dulu ist Krankenschwester aus Überzeugung: Für Patienten und ihre Sorgen hat sie immer ein offenes Ohr Fotos: tk
 
30 Prozent der Arbeitszeit geht für die Dokumentation drauf
Das WOCHENBLATT begleitet die Krankenschwester Simone Dulu / Engagement für Patienten

tk. Buxtehude. Wer mit Simone Dulu Schritt halten will, sollte gut zu Fuß sein. Die Stationsleiterin der Chirurgie II im Buxtehuder Elbe Klinikum eilt im Sauseschritt durch die Flure. Und hat, jenseits von Terminen wie Visite und feststehenden Aufgaben wie Verbandswechsel, immer ein offenes Ohr und einen Blick für die Patienten. Hier schnürt sie fix im Vorbeigehen hinten ein Nachthemd zusammen, bevor sie dort einem Patienten den Katheter zieht. Das WOCHENBLATT hat in den vergangenen Monaten immer wieder über Pflege und den Pflegenotstand geschrieben. Doch wie sieht der Alltag einer Krankenschwester aus und wie geht sie mit Faktoren wie Stress und Personalmangel um? Für Simone Dulu steht trotz aller existierenden Probleme fest: "Ich habe meine Berufswahl noch nie bereut."

Mittwochmorgen, 8 Uhr, im Elbe Klinikum: Schwester Simone hat bereits zwei Stunden ihrer Frühschicht hinter sich. Patientenübergabe von der Nachtschicht, Hilfe, wo nötig, bei der Körperpflege, Frühstück für die Kranken. Drei Krankenschwestern sind für maximal 33 Patienten auf dieser Station verantwortlich. Kurze Zeit für eine Pause und Gelegenheit, mit ihr über den Beruf zu reden. Natürlich sei der Fachkräftemangel immer mal wieder ein Thema. "Darüber reden wir und wir alle wünschen uns mehr Kolleginnen und Kollegen." Und natürlich würden alle, die in einem Pflegeberuf arbeiten, mehr verdienen wollen. Und manchmal, das sagt Simone Dulu auch, hätte sie gerne etwas mehr Zeit für den einzelnen Menschen. "Einfach mal einen Stuhl nehmen, sich ans Bett setzen", sagt sie. 

Dennoch lässt die Krankenschwester keinen Zweifel daran, dass Pflegenotstand nicht heißt, dass vieles tatsächlich auf der Strecke bleibt. "Wir sind immer nur so gut wie unser Team und auf mein Team bin ich wirklich stolz." Auch der Ton der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander ist hörbar freundlich und für die Kranken auf der Station bleibt Zeit für ein paar nette Worte. "Ein 'Hallo' geht immer", sagt Simone Dulu.

Visite mit Chefarzt Dr. Homajun Massoun. Die Stationschefin bereitet die Akten der von ihr betreuten Patienten vor. Nach der Visite stehen Verbandswechsel an, eine Patientin braucht ein Antibiotikum, mag aber keine Tabletten schlucken, und anschließend eilt Simone Dulu in den Aufwachraum, um eine frisch operierte Frau zurück auf die Station zu holen. Das große Krankenhausbett rangiert sie alleine durch die Flure.

Anschließend nimmt sie sich Zeit, um einen älteren Herrn, dem es nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation noch nicht gut geht, in eine bequemere Lage zu betten. Auch sein Zimmergenosse bekommt noch - angenehm an heißen Sommertagen - ein kühlendes Gel auf den Rücken.

Dann greift Simone Dulu zu den Akten und dokumentiert alles, was den Patienten betrifft. "Mindestens 30 Prozent meiner Arbeit macht die Dokumentation aus", sagt sie. Das ist viel und die Digitalisierung würde helfen, Zeit zu sparen. Quasi im Vorbeigehen füllt Schwester Simone den Trinkbecher eines über 80-Jährigen mit Leitungswasser, weil er kein Mineralwasser mag. Ihr Ton ist dabei immer freundlich und einfühlsam.
Fünf Minuten Pause im Personalraum. "Die Tür ist aber nie zu. Wir verbarrikadieren uns nicht", sagt die Krankenschwester. Dass ihre Arbeitszeiten immer wechseln, sei kein Problem, sagt sie. Mal von 6 bis 14.30 Uhr, dann wieder von 13 bis 21.30 Uhr und die Nachtschicht von 21 bis 6.30 Uhr. "Daran gewöhnt man sich", sagt Simone Dulu.
Woran sie sich nicht gewöhnen mag sind Menschen, meistens Angehörige, die das Personal ohne Grund unfreundlich anfahren. Das passt überhaupt nicht zur freundlichen Art des Stations-Teams. Der Egoismus mancher Zeitgenossen sei wohl größer geworden, meint die Krankenschwester. 

Wer auch nur kurze Zeit mit Simone Dulu auf ihrer Station unterwegs ist, glaubt ihr aufs Wort, dass sie "echt platt ist", wenn sie nach Dienstende zu Hause ankommt. Die Kilometer, die sie pro Schicht zurücklegt, hat sie noch nie gezählt.
Dass nicht nur Pflege, sondern das gesamte Gesundheitssystem mehr Geld braucht, steht für eine erfahrene Praktikerin wie Simone Dulu außer Frage. "Hier ist die Politik in Berlin gefordert", sagt sie. Dass der Aufschrei in der Gesellschaft über den Pflegenotstand noch nicht lauter geworden ist, dürfte auch daran liegen, dass Menschen wie Simone Dulu und ihre Kollegen ihren Job mit großem Engagement und viel Hingabe machen - allen tatsächlichen Problemen zum Trotz.