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Die Lernstudie "Vera" sollte öffentlich sein

Rechtschreibung kommt zu kurz, findet Bildungsexperte Björn Peinemann (kl. Foto). Er fordert daher, dass die Lerntests namens "Vera" öffentlich diskutiert werden Fotos: tk/LOS
Bildungsexperte Björn Peinemann fordert, dass die Bürger über die Ergebnisse informiert werden

tk. Landkreis. "Eine breit angelegte und öffentliche Debatte über Bildungspolitik ist wichtig", sagt Björn Peinemann. Er verfolgt die großen Themen in diesem Politikfeld seit Jahren intensiv. Er versteht daher nicht, dass die Ergebnisse der jährlichen Bildungsstudie "Vera" in Niedersachsen nicht öffentlich zugänglich sind. Nur Lehrer, die einen Zugangscode haben, könnten die Ergebnisse einsehen. Peinemann, der LOS Buxtehude leitet, ein Spezialinstitut für Kinder mit Lese- und Rechtschreibeschwäche sowie Legasthenie, sieht Diskussionsbedarf. Denn: Er habe den Eindruck, dass es eine erschreckend große Zahl von Kindern gebe, die nach der vierten Klasse die Grundschulzeit mit mangelnden Rechtschreibekenntnissen verlassen. "Das zieht sich negativ durch die gesamte nachfolgende Schulzeit", sagt Peinemann.
Die "Vera"-Lernerhebung wird seit 2008 in allen 16 Bundesländern durchgeführt. In Klasse drei werden mit einem einheitlichen Test die Kenntnisse in Deutsch und Mathe, in Klasse acht zusätzlich auch Englisch und Französisch überprüft. "Vera" ist eine der Folgen des schlechten Abschneidens der deutschen Schüler bei der "Pisa"-Studie im Jahr 2000.
Björn Peinemann fände es wichtig, über die Bildungsstandards und -ziele, unter anderem im Fach Deutsch, weitaus stärker öffentlich zu diskutieren. Fünf bis zehn Prozent der Schüler, die bei ihm gefördert werden, würden nach der vierten Klasse zwar eine drei in Deutsch im Zeugnis stehen haben, jedoch Rechtschreibung nur mangelhaft beherrschen. Das habe in vielen Fällen negative Folgen, so Peinemann. Diese Kinder würden schriftlich nur sehr schwer komplexere Sachverhalte - in den nachfolgen Schuljahren notwendig - zu Papier bringen. Außerdem seien auch Probleme bei Fremdsprachen in vielen Fällen programmiert. "Darüber muss geredet werden", fordert der Experte.
Dass es ein Problem gebe, sieht Björn Peinemann auch dadurch belegt, dass es an vielen Gymnasien Rechtschreib AGs für die Klassen fünf und sechs gebe. "Und dort gibt es meistens nicht genug Plätze für alle Schüler mit Förderbedarf." Dieser Umstand erfordere eine breite Diskussion, die mit öffentlich zugänglichen und aktuellen Daten - wie aus der "Vera"-Studie - hinterlegt werden müsse.
Sebastian Schumacher, Pressesprecher im niedersächsischen Kultusministerium erklärt, dass eine Veröffentlichung dieser Daten auf Grund eines Beschlusses der Kultusministerkonferenz nicht vorgesehen sei. "Diese Daten werden weder für einen Ländervergleich noch für die Veröffentlichung landesinterner Vergleich genutzt", so Schumacher. "Vera" diene der "Schul- und Unterrichtsentwicklung" und gehöre damit den Schulen selbst. Der "Vera"-Test könne zudem, bedingt durch seine Testinstrumente, auch nicht für ein Bildungsmonitoring auf Landesebene genutzt werden.
Björn Peinemann hält dagegen: "In Berlin und Baden-Württemberg werden die Ergebnisse  veröffentlicht."