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Lesung in Buxtehude: "Eine Erosion des Widerstandes"

Trotz des erschütternden Themas brachte Autor Hasnain Kazim sein Buxtehuder Publikum häufig zum Lachen

Hasnain Kazim über gesellschaftsfähigen Rassismus und verzweifelten Humor

ab. Buxtehude.
"Wir hätten mindestens 200 Karten verkaufen können": Die Leiterin der Buxtehuder Stadtbibliothek, Ulrike Mensching, hatte ihr Mögliches getan, doch mehr als 130 Besucher konnte sie bei der Veranstaltung am Dienstagabend beim besten Willen nicht unterbringen. Dort las nämlich Hasnain Kazim, Autor und Spiegel-Auslandskorrespondent, gebürtig aus Hollern-Twielenfleth, aus seinem aktuellen Buch "Post von Karlheinz - Wütende Mails von richtigen Deutschen und was ich ihnen antworte" vor. Dabei gewährte der Journalist dem Publikum tiefe Einblicke in seine Situation, der er seit Jahren mit dem "Humor der Verzweiflung" begegnet. Wie berichtet, wird Hasnain Kazim seit seinem ersten Artikel als Schüler, in dem er sich mit Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzte, mit Hass-Briefen und -Mails mittlerweile überflutet. 52 Mails hatte er ausgewählt und zu einem Buch zusammengefasst.

"Manchmal bekomme ich bis zu 1.000 Mails an einem Tag. Als ich mich einmal in einem Artikel zu Pegida äußerte, sogar 2.500", berichtete Kazim. Was ihn dabei besonders schockiert: "Es ist keine Schande mehr, rassistisch zu sein. Das zieht sich durch alle sozialen Schichten. Menschenfeindliche Kommentare werden inzwischen als mutiger Tabubruch gewertet. Und immer mehr Menschen nehmen das hin, schauen achselzuckend zu." Es sei, so Kazim, "wie eine Erosion des Widerstandes". "Dabei ist es Wahnsinn: Man will mir meine Heimat streitig machen", sagt der Autor, dem ständig befohlen wird, "wieder dahin zu gehen, wo ich hergekommen bin. Aber was soll ich denn als Korrespondent in Hollern-Twielenfleth?"

Trotz des erschütternden Themas bringt der sympathische und streitbare Journalist das Publikum zum Lachen, vor allem dann, wenn er davon erzählt, wie er mit schlagfertigen Dialogen auf manche Hass-Mail reagiert hat. "Ab und zu übertrete ich Grenzen ganz bewusst. Dann bin ich herablassend, arrogant und belehrend. Ich nutze meinen Humor, um das alles auf ein erträgliches Maß zu schrumpfen." Das Provozieren mache ihm auch Spaß, gibt er zu, "selbst wenn es oft nichts bringt". 

Kritische Stimmen sagen, er würde damit Gräben vertiefen und keine Brücken bauen. Hasnain Kazim: "Zu waschechten Rassisten will ich keine Brücken bauen, sondern tatsächlich Gräben vertiefen. Ich werde niemals schweigen, sonst wird Rassismus normal."