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Mehr Rechte für Jäger

Wildschweinen geht es an den Kragen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Afrikanische Schweinepest auch Niedersachsen erreicht, meinen Virologen Fotos: DJV/archiv
 
Helmut Dammann-Tamke
Änderung des Jagdgesetzes geplant: Jäger sollen mehr Wildschweine und Nutria töten dürfen

(bc). Jäger erhalten im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) und die Ausbreitung der Nutria - einer Biberratte südamerikanischer Herkunft - mehr Instrumente an die Hand. Nach dem Willen der SPD/CDU-Landesregierung in Hannover soll das niedersächsische Jagdgesetz verschärft werden. Das Kabinett hat in dieser Woche einen entsprechenden Änderungsentwurf freigegeben. Ziel ist es, dass die Waidmänner mehr Wildschweine und Nutria erlegen können. Bricht die Seuche aus, sollen im entsprechenden Gebiet alle Schwarzkittel getötet werden dürfen.
Das WOCHENBLATT sprach mit Helmut Dammann-Tamke, CDU Landtagsabgeordneter und Präsident der Landesjägerschaft. Er unterteilt die Änderungen in drei Kategorien.
• Endlich dürften auch die Jäger in Niedersachsen einen Schallminderer einsetzen, so Dammann-Tamke. Zumindest sofern sie den Bedarf nachweisen können. Ein Schallminderer reduziere das Knallgeräusch um ein Drittel und diene dem Gesundheitsschutz. Dammann-Tamke: "Der Nachweis einer regelmäßigen Jagd muss als Bedarf reichen."
• Die explosive Ausbreitung der Nutria sei eine Gefahr für den Hochwasserschutz im Land, da die invasive Art unzählige Löcher in Deiche und Uferbefestigungen gräbt, so Dammann-Tamke. Mehr als 20.000 Tiere wurden laut aktueller Streckenstatistik bereits getötet. Das reicht aber wohl nicht. "Es gibt keine Wildart, die sich so schnell vermehrt", so der oberste Jägermeister im Land. Deswegen sei es legitim, dass der Elterntierschutz aufgehoben werde: "Es ist vor einer Schussabgabe nicht zu erkennen, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt." Dammann-Tamke: "Die Jägerschaft erfüllt mit der Nutria-Jagd eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die unter anderem auch die Deichverbände und der Wasserverbandstag befürworten." In den Niederlanden sei die Bejagung allgemeiner gesellschaftlicher Konsens.
• Der dritte Punkt sei entscheidend für eine effektive Prävention der ASP und die Eingrenzung im Fall eines Ausbruchs. "Virologen meinen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann das Virus auch bei uns ankommt", so Dammann-Tamke. Ganz wichtig seien präventive Maßnahmen, wie z.B., dass Hunde bei Drückjagden nicht mehr an der Reviergrenze halt machen müssten. "Je kleiner die Wildschwein-Population in einem großen Revier ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Ausbreitung der Seuche."
Dass zudem die Jagd aus einem Fahrzeug heraus legalisiert werde, habe nichts mit schießwütigen Jägern zu tun, erklärt Dammann-Tamke, sondern habe ganz praktische Gründe. Wenn nämlich der sogenannte Ansitzbock - ein etwa zwei Meter hoher Hochsitz, den Jäger benötigen, um einen sicheren Schuss abgeben zu können - schnell weiter transportiert werden müsste. "Solange würden die Wildschweine nicht warten", sagt Dammann-Tamke.
Im Fall eines ASP-Ausbruchs könnte die oberste Jagdbehörde darüber hinaus die Jäger dazu ermächtigen, auch auf Muttertiere zu schießen, um im Bereich des Infektionsherdes alle Tiere zu töten. Auch der Einsatz von Nachtzielgeräten könne dann erlaubt werden, ebenso wie spezielle Fallen.
Helmut Dammann-Tamke rechnet damit, dass der Landtag zum Oktober die Gesetzesänderung beschließen wird.

Das sagt ein Kreisjägermeister


(bc).
Norbert Leben, Kreisjägermeister im Landkreis Harburg, begrüßt einen Großteil der geplanten Gesetzesänderungen: "Wir Jäger brauchen das entsprechende Handwerkszeug, um Schaden abzuwenden." Entscheidend sei, dass Hunde auch in fremde Reviere eindringen dürften. Nur so könne man großflächig Wildschweine bejagen.