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Strengere Abi-Noten? Das sagen unsere Leser

Muss die Benotung im Abi strenger ausfallen?, wollte das WOCHENBLATT von seinen Leserinnen und Lesern wissen Foto: Adobe Stock / Moritz Wussow
Forderung des Philologenverbandes stößt auf ein geteiltes Echo: "Schulen und Lehrer brauchen mehr Freiheit"

tk. Landkreis. Müssen die Noten im Abitur strenger werden?, hatte das WOCHENBLATT seine Leserinnen und Leser gefragt. Hintergrund: Der Deutsche Philologenverband hatte eine härtere Abi-Benotung gefordert, um das Niveau nicht absinken zu lassen. Die beiden Schulleiter Hans-Ludwig Hennig aus Buchholz und Ruprecht Eysholdt aus Buxtehude hatten im WOCHENBLATT-Gespräch betont, dass es viele weitere Problemfelder gebe. Und das sagen die Leser dazu:

In dem selben Maß, wie sich die Gesellschaft das Leben ständig leichter macht, werden unsere Gehirne geschwächt. Die sogenannten "Fachleute", die Schreiben nach Gehör propagiert haben, verstanden nichts von den Zusammenhängen im Gehirn. Unsere Generation hat Schreiben durch ständiges Wiederholen auf der Schiefertafel gelernt. Lernen bedeutet: motiviertes Üben, Üben und nochmals Üben. Darum müssen Leistungen hart und streng bewertet werden, denn nur so sind Höchstleistungen möglich. Aber, und das frage ich mich ständig: Sind unsere Kinder überhaupt noch in der Lage, solche Höchstleistungen zu erbringen? Wenn man das Buch "Das falsche Leben" von Hans Joachim Maaz gelesen hat, dann überkommen einen Zweifel, denn zu viele Eltern packen ihre Kinder in Watte und trauen ihnen nichts zu, oder aber sie bestimmen, was Kinder wann und wie machen sollen. Fragt man den Hirnforscher Gerald Hüther, dann sagt er: Kinder sind Alleskönner, man muss sie nur lassen und motivieren.
Jürgen Pastorino, Buchholz

Die Abiturienten in Niedersachsen haben es im Vergleich zu Schülern aus anderen Bundesländen ohnehin schon schwer. Ein Vergleich der Abi-Noten zeigt das deutlich. Unsere Bildungspläne - und weitergehend die wählbaren Schwerpunkte - gehören aktualisiert. Wer heute nicht weiß, was zum Thema Digitalisierung gelehrt werden sollte, der kann nur am Bedarf vorbei lehren. Die notwendigen Kernkompetenzen sind heute andere als noch vor zehn Jahren. Ich möchte dabei aber betonen, dass es in anderen - laut PISA erfolgreicheren - Ländern nicht wirklich besser vorbereitete junge Menschen gibt. Neben dem verbindlich zu vermittelnden Lehrstoff brauchen Schulen und Lehrer mehr Freiheit zu lehren, was a) zeitgemäß und b) im Interesse des jeweiligen Schülers liegt. Nichts ist für die Ewigkeit und in jedem Beruf müssen die Menschen ständig umdenken und dazu lernen, auch im Bildungsbereich.
Olivia Rieckmannn, Buchholz

Klar ist, dass die beiden Schulleiter ihrer Interessenvertretung (Philologenverband) nicht widersprechen. Außer Allgemeinplätzen tragen sie wenig zur Debatte bei. Bloß nicht anecken. Insbesondere der Leiter des Schulzentrums Süd in Buxtehude scheint ohne Regeln und Erlasse seitens der Schulbehörde nicht auszukommen. Fehler machen die Eltern, indem sie ihre Kinder vermeintlich überfordern, seinen Kollegen an den Grundschulen spricht er die Kompetenz ab, Lesen und Schreiben richtig zu vermitteln, die Bildungspolitik der Länder sei desolat.
Gebraucht wird keine strengere Benotung, diese liegt ohnehin in den Händen eines jeden Lehrers. Vielmehr stünde den Leitern beider Gymnasien etwas mehr Selbstkritik gut zu Gesicht. Was hindert sie daran, Ermessensspielräume auszuschöpfen? Wenn dem Schulleiter Eysholdt als ehem. Fachlehrer für Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik nicht klar ist, welches Wissen Schülerinnen und Schüler auf dem Gebiet der Digitalisierung erwerben müssen, stellt er sich ein Armutszeugnis aus. Die Gymnasien sollten nicht von Philologen, die auf den Befehl von oben warten, geleitet werden, sondern von engagierten Pädagogen, die ihre Schüler fordern aber auch fördern. Es muss möglich sein, Defizite durch engagiertes Handeln auch noch auf dem Gymnasium auszugleichen. Scheinbar fehlt der Wille. Aussieben und Umschulen macht halt weniger Arbeit.
Christian Modrok per E-Mail

Der Artikel zeigt eine seit vielen Jahren anhaltende Entwicklung, die nach meinem Dafürhalten nie zum Erfolg führen kann. Wie die beiden Schuldirektoren Herr Henning und Herr Eysholdt sehr richtig bemerken, möchte natürlich jedes Elternteil für sein Kind das Beste. Dass viele Kinder gar nicht in der Lage sind, den Lehrstoff der Grundschule aufzunehmen und zu verinnerlichen, sieht keiner.
Ich bin Jahrgang 1949 und wir hatten sechs Jahre Hauptschule, danach wurde von den Lehrern gesagt, welcher Schüler wo Chancen hat. Dass es auch damals nicht immer gepasst hat, ist klar, nur hatten die Lehrer in den sechs Jahren viel mehr Zeit, den Lehrstoff auch schwächeren Kindern zu vermitteln. Ich sehe heute bei meiner Enkelin die Unterschiede zu meiner Schulzeit und habe mich auch schon mit dem Klassenlehrer unterhalten. Der komplette Stoff muss in vier Jahren sitzen, wobei es egal ist, ob ein Kind das schafft oder nicht.
Ich war in meinem Berufsleben auch bei der Bahn und da wurde mir beigebracht, dass ein Zug nur so schnell fahren darf wie der langsamste Wagon es zulässt. Genauso müsste es an den Schulen gehandhabt werden, dass schwächste Kind gibt die Geschwindigkeit vor und nur wenn alle im Klassenverband an einem Strang ziehen, können auch diese Kinder mit auf die Reise zum Schulende mitgenommen werden.
Ronald Schmidt, Winsen