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Nach nur sechs Monaten in Buxtehude: Fachbereichsleiterin Sophie Fredenhagen will weg

Sophie Fredenhagen im Buxtehuder Stadthaus: Wechselt sie nach nur sechs Monaten nach Harburg? Foto: tk
Die Buxtehuder Führungskraft hat sich auf Chefposten im Harburger Bezirksamt beworben

tk. Buxtehude. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Sophie Fredenhagen (53), erst seit sechs Monaten die neue Leiterin des Fachbereichs für Jugend, Soziales, Schulen und Senioren in der Buxtehuder Stadtverwaltung, will wieder weg. Sie hat sich auf die Stelle des im November 2017 verstorbenen Harburger Bezirksamtsleiters Thomas Völsch beworben. Die Reaktionen in der Estestadt reichen in Politik und Verwaltung von Schockstarre bis Entsetzen. Denn: Sophie Fredenhagen wäre bereits die zweite Chefin dieses großen und wichtigen Fachbereichs, die am Ende der Probezeit geht. Und - das wird besonders von Politikern quer durch alle Fraktionen diskutiert - würde ihre Harburger Bewerbung scheitern, wäre dies für Buxtehude ein Riesenproblem: Die Vertrauensbasis habe Risse bekommen. Sophie Fredenhagen selbst sagt: "Das ist keine Entscheidung gegen Buxtehude, sondern für Harburg."

Sophie Fredenhagen leitet den Fachbereich, mit dem jeder Buxtehuder irgendwann zu tun hat. Von Kita bis Seniorenarbeit reichen die Aufgaben. Zudem gehört sie zum Führungsteam der Gesamtverwaltung. Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt sagt, dass sie von Fredenhagens Plänen "überrascht" worden sei. Die Kollegin habe sie aber frühzeitig informiert. Der mögliche Weggang einer kompetenten Fachfrau sei "für Buxtehude eine unglückliche Situation".

Das sehen die Vertreter der verschiedenen Fraktionen ähnlich. Sophie Fredenhagen, die von einem auf Verwaltungen spezialisierten Personaldienstleister vorgeschlagen wurde, sei einstimmig gewählt worden und habe ihre zwei Mitbewerber locker hinter sich gelassen. Dass sie schon jetzt geht, stößt dagegen nur teilweise auf Verständnis. Einige Politiker, die Klartext reden, wenn ihr Name nicht genannt wird, können nachvollziehen, dass sich die Fachfrau, die zuvor das Harburger Jugendamt geleitet hatte, diese Riesenchance nicht entgehen lassen könne. Andere wiederum sagen ganz klar: "So etwas macht man nicht nach so kurzer Zeit." Die offizielle Probezeit Fredenhagens endet am 30. Juni.
Worüber spekuliert wird: Gibt es neben der Herausforderung der Bezirksamtsleitung Harburg noch andere Faktoren, die möglicherweise zu ihrem Wechselwunsch geführt haben? In mehreren Fraktionen wird gemutmaßt, dass es schwierig für sie gewesen sei, ein eigenes Profil und eigene, neue Projekte im Windschatten der Bürgermeisterin zu entwickeln. Katja Oldenburg-Schmidt hat diesen Fachbereich viele Jahre verantwortet und erneut übernommen, als Fredenhagens Vorgänger, Dr. Thorbjörn Ferber, zum Ende seiner Probezeit gegangen ist - in gegenseitigem Einvernehmen, wie es offiziell damals hieß. Faktisch wohl eher, weil er über keine Verwaltungserfahrung verfügte. Katja Oldenburg-Schmidt beteiligt sich nicht an diesen Gedankenspielen, sagte aber: "Weil mir dieser Fachbereich besonders am Herzen liegt, ist es mir daher auch wichtig, dass er mit Esprit, Engagement und Kreativität geführt wird." Attribute, die von Politik und Verwaltung Sophie Fredenhagen im Januar bei ihrem Dienstantritt zugeschrieben wurden.

Für die Mehrheit der Buxtehuder Politiker, mit denen das WOCHENBLATT gesprochen hat, wäre ein Scheitern von Sophie Fredenhagens Harburger Plänen ein Desaster. "Ein Zurück ist für mich kaum vorstellbar", sagt ein Ratsmitglied. Zu tief seien die Gräben, vermutlich auch mit Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich. Und, das führen mehrere Politiker ins Feld, es habe für sie den Anschein gehabt, als ob die Fachbereichsleiterin zuletzt mit "angezogener Handbremse" unterwegs gewesen sei, so ein langjähriges Ratsmitglied. Als Beispiel nennt er die kontroversen Diskussionen um das Wohnraumversorgungskonzept oder die Erweiterung des Schulzentrums Süd. Bei beiden Ausschusssitzungen, bei denen es teils hoch her ging, war Sophie Fredenhagen stummer Zaungast. Für die Verwaltung warfen sich andere, etwa die Bürgermeisterin oder der Erste Stadtrat Nyveld, ins Debattengetümmel. Waren die Abgangspläne schon länger spruchreif, Buxtehude nur der formal notwendige Schritt in einer Führungsposition, um für den Chefposten im Bezirksamt - vergleichbar mit einem Landrat - beim Nachbarn gerüstet zu sein? 

Die Chancen für Sophie Fredenhagen als neue Bezirksamtschefin sollen gut sein. Die parteilose Verwaltungsfachfrau hat zwei Mitbewerber mit CDU- bzw SPD-Parteibuch. Als einzige Kandidatin bringt sie Ortskenntnis und weitreichende Vernetzung in Hamburg mit.
Sophie Fredenhagen begründet ihre Entscheidung damit, dass diese Situation - der Tod von Völsch - völlig unvorhersehbar gewesen sei. Sie habe zu Harburg, wo sie mehr als zehn Jahre gearbeitet habe, nach wie vor eine enge Beziehung. In irgendeiner anderen Stadt oder einen anderen Hamburger Bezirk hätte sie sich nicht beworben. Dass es mit der Kandidatur nicht klappen könnte, habe sie einkalkuliert. Über alles "muss man sprechen, wenn es soweit ist", sagt sie über ein immerhin theoretisches Bleiben in der Estestadt.
Wenn die Entscheidung in Harburg für Sophie Fredenhagen ausfällt, stehen die Buxtehuder vor der Frage: Wie geht es weiter? Soll der Spitzenposten erneut ausgeschrieben werden? Das letzte Verfahren mit einem externen Dienstleister hat nach WOCHENBLATT-Informationen immerhin 30.000 Euro gekostet.