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Obwohl 100 Kita-Plätze fehlen, sind in Buxtehude noch welche frei

Wenn Kinder in der Kita angemeldet werden - tatsächlich aber nicht den Platz belegen - sorgt das für Probleme Foto: Fotolia/Gennadiy Poznyakov
Eltern melden Kinder an, die dann nicht in Krippe und Kita gehen

tk. Buxtehude. Der Laie staunt über eine vermeintlich verkehrte Welt: Anfang der Woche sind zehn Plätze frei, dann nur noch sieben und in 14 Tagen kann es schon wieder ganz anders aussehen. Die Rede ist von Kita- und Krippenplätzen und nicht von Börsenschwankungen. Das Erstaunliche daran: Grundsätzlich fehlen in Buxtehude sowohl Krippen- als auch Kitaplätze. Und zwar jeweils 100 für jede der beiden Altersgruppen. Dennoch bleiben Kita- und Krippenplätze unbesetzt. "Es werden Plätze angenommen, von den Kindern dann tatsächlich aber nicht besucht", erklärt Jugendamtsleiterin Andrea Lange-Reichardt den offenkundigen Widerspruch.

In Buxtehude erfolgt die Platzvergabe über ein zentrales Online-Anmeldeverfahren. Damit wird zumindest verhindert, dass Kinder gleich in drei Einrichtungen angemeldet werden, aber nur in eine Kita gehen - und zwei Plätze bei der ersten Vergaberunde vergeblich reserviert bleiben.

Gründe, dass Kinder zwar angemeldet werden, tatsächlich aber nicht kommen, können von Umzug bis zur Entscheidung gegen den Kita-Besuch reichen. Die Zahl der Fälle, in denen eine Anmeldung erfolge, der Platz aber nicht in Anspruch genommen werde, nehme zu, so Andrea Lange-Reichardt. "Ein Bedarf wird angemeldet, der aber offensichtlich nicht vorhanden ist."

Ein extremes Beispiel hat die Jugendamtsleiterin vor einiger Zeit in Ovelgönne erlebt: Mit einer Demo forderten Eltern vehement eine weitere Kita-Gruppe. Am Standort des Kindergartens hatte die Verwaltung daraufhin eine Interims-Containerlösung geplant. Einen Tag, bevor der Auftrag für den Container erteilt werden sollte, hatte Andrea Lange-Reichhardt noch einmal nachgefragt und dabei erfahren, dass aus dem "Riesenbedarf" nur zwei feste Anmeldungen erfolgt sind.

Die Zahl der angemeldeten Kinder, die tatsächlich nicht in die Kita gehen, werde weiter steigen, vermutet die Jugendamtsleiterin. Einer der Gründe: die gebührenfreie Kita ab drei Jahren. Bis zur Einführung der Gebührenfreiheit im August hätten Eltern nämlich zahlen müssen, wenn sie einen Kita-Vertrag unterschrieben hätten - auch dann, wenn der Nachwuchs ohne Abmeldung der Kita fern geblieben ist.

Was in den kommenden Monaten die Vorhersage von fehlenden oder freien Plätzen noch komplizierter machen wird: Durch die Kita-Beitragsfreiheit werden manche Eltern ihre Kinder erst nach dem dritten Geburtstag, also irgendwann im laufenden Kindergartenjahr, anmelden. Das mache Prognosen derzeit schwierig.

Unterm Strich, daran besteht aber kein Zweifel, braucht Buxtehude weitere Krippen- und Kitaplätze. Die Container-Zwischenlösung am Stieglitzweg wird Kapazitäten für 50 Kinder in Elementargruppen und 30 Krippenkinder haben. Zwischen den Eltern, Kita und Verwaltung gebe es bereits Gespräche, so Lange-Reichardt. So sollen Eingewöhnungsangebote geplant werden, damit nicht am Tag X 80 Jungen und Mädchen auf einmal in die neue Kita stürmen. Erfreulich: Von 14 erforderlichen Fachkräften sind schon neun gewonnen worden.
Außer dem beschlossenen Kindergarten-Neubau als Ersatz für den Container-Standort wird eine weitere neue Kita vermutlich im Wohngebiet Giselbertstraße geplant. Ich finde es ausgesprochen unsolidarisch und auch egoistisch, ein Kind in der Kita anzumelden, damit erst einmal einen Platz zu belegen und ihn dann nicht zu nutzen.

Kommentar
Es gibt offenbar eine wachsende Zahl von Eltern, die Krippe und Kita als selbstverständliches Serviceangebot einer Kommune wahrnehmen, das sie nutzen oder eben nicht. Kosten tut's für Kinder ab drei Jahren schließlich auch nichts mehr.
Was an dieser Haltung unsozial ist: Wer dringend einen Kita-Platz braucht, kommt mitunter nicht zum Zug. Oder, noch im besten Fall, erst später, wenn ein theoretisch belegter Platz faktisch frei ist.
Ist dieses Denken Ausdruck einer neuen inneren Haltung: Ich und meine Familie immer zuerst?
Tom Kreib