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"Die große Glocke Bilfinger wurde über Rotring gestülpt"

Das Unternehmen "Rotring" schließt. Den Unternehmensgründer Michael Schmidt (kl. Foto) macht das betroffen Fotos: tk/archiv
  Michael Schmidt über das Ende seines ehemaligen Unternehmens "Rotring"

tk. Buxtehude. "Natürlich ist das etwas, das mich nicht kalt lässt", sagt Michael Schmidt. Er ist Gründer und langjähriger Inhaber von "Rotring". Vor zehn Jahren hatte er sein Buxtehuder Unternehmen an den Großkonzern "Bilfinger" verkauft. "Rotring" war als Dienstleister ein weltweit gefragter Experte für Ol- und Gasturbinen in Kraftwerken mit 46 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 30 Millionen Euro. Jetzt ist Schluss. Bilfinger hat das Aus für den Standort Buxtehude verkündet. 35 Menschen verlieren ihre Jobs. "Wirtschaftlich nicht mehr lohnend", nannte ein Bilfinger-Sprecher die Begründung (das WOCHENBLATT berichtete).

Michael Schmidt hat ein paar Wochen vor dem Aus davon gehört, dass die Schließung eine  Möglichkeit sei. Doch wie kann binnen zehn Jahren ein hochprofitbaler Spezialist keinen Gewinn mehr erwirtschaften? Michael Schmidt geht davon aus, dass die Strukturen in einem Großunternehmen wie Bilfinger der Grund dafür sein könnten. Zu lange Entscheidungswege, zu wenig Flexibilität, um auf Anforderungen des Marktes zu reagieren. "Wenn endlich das Okay für ein Projekt kommt, hat die Konkurrenz es bereits weggeschnappt."
Bilfinger argumentiert damit, dass sich die Marktlage, besonders im Nahen Osten, negativ verändert habe. Das könne wohl sein, meint Schmidt, der gleichzeitig darauf hinweist, dass direkte Mitbewerber von "Bilfinger Rotring" trotzdem unternehmerisches Wachstum erzielt hätten. "Über 'Rotring' wurde die große Glocke 'Bilfinger' gestülpt", zieht Michael Schmidt als Fazit.

Dabei habe er "Bilfinger" vor zehn Jahren bewusst als Käufer ausgewählt. "Ich wollte an ein deutsches Unternehmen verkaufen", so Schmidt. Interesse habe es auch aus dem Ausland gegeben. "Das Konzept von 'Bilfinger' hat mich überzeugt."  Bei dem Großkonzern habe es damals auch keine Schieflage gegeben, was heute aber der Fall sei.

Mit dem Ex-'Bilfinger'-Vorstandschef, dem vormaligen hessischen CDU-Ministerpräsidenten, habe er sich einmal getroffen. Koch war damals designierter erster Mann des Konzern. Der erfahrene Manager Schmidt habe den Politiker Koch schon damals darauf hingewiesen, dass zu viele Regularien in einem Konzern dazu führten, dass sich ein Unternehmen nicht ausreichend um seine Kunden kümmern könne.

Was Michael Schmidt, der "Rotring" 1988 zuerst mit zwei Mitarbeitern gegründet hat, besonders schmerzt, ist die menschliche Seite der Unternehmensschließung. "Viele Mitarbeiter waren sehr lange dabei." Einige hätten als Studenten angefangen und seien geblieben.

Trotz der Verbundenheit mit seinem ehemaligen Unternehmen habe er keine Sekunde daran gedacht, wieder das Ruder zu übernehmen. Die Entscheidung zum Verkauf sei endgültig gewesen. Michael Schmidt habe damals auch bewusst darauf verzichtet, durch einen Beratervertrag weiterhin mit "Rotring" verbunden zu sein. Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt findet dieses Unternehmensende "sehr bedauerlich". Ein Großkonzern wie "Bilfinger" suche im Vorfeld einer solchen Unternehmensentscheidung nicht das Gespräch mit der Stadt. Daher habe die Verwaltung auch keine Möglichkeit gehabt, an einer anderen Lösung zu arbeiten. Umso wichtiger sei es, bei der Neuansiedlung von Firmen und der Pflege des Unternehmensbestands sehr sorgsam zu sein.
Bei der weiteren Nutzung der freien Gewerbegrundstück (Bacardi, Pioneer sowie Crane und jetzt auch Rotring) leiste die Wirtschaftsförderung Hilfestellung, so Kerstin Maack. Konkrete Ergebnisse oder Namen könne sie aber noch nicht nennen.  Was passiert mit den Grundstücken?