Dämmung als Feuerfalle?

Styroporplatten sind in Deutschland bei energetischen Sanierungen der gängigste Baustoff. Das Material ist nicht unumstritten
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(bc). Ein Brand in Hamburg lässt die Bewohner im Umland aufhorchen. An der Fassade eines gerade frisch energetisch sanierten Altbaus fraß sich das Feuer am vergangenen Wochenende rasend schnell hinauf, dicker Rauch schwärzte den Himmel. Ein Grund, weshalb sich das Feuer so schnell ausbreiten konnte, sollen die bei der Wärmedämmung eingesetzten Styroporplatten gewesen sein, die laut Hamburger Feuerwehr zwar schwer entflammbar seien, aber trotzdem wie ein Brandbeschleuniger wirken können.

Den Brandbekämpfern der Republik ist das Problem bekannt, nicht zuletzt nach einem Großbrand 2012 in Frankfurt, bei dem eine Hausfassade in Rekordgeschwindigkeit abfackelte. "Wärmedämmverbundsysteme sind ohne Wenn und Aber energetisch sinnvoll, aber aus brandschutztechnischer Sicht zumindest fragwürdig", sagt Peter Winter, Kreisbrandmeister im Landkreis Stade.

Polystyrol-Platten sind laut Stefanie Bender, Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale und als solche tätig für den Landkreis Harburg, der gängigste Baustoff in Deutschland bei Nachrüstungen von Bestandsbauten. Hunderttausendfach werden solche Platten in Deutschland verbaut. Sie seien vom Gesetzgeber geprüft und für zulässig erklärt. "Von Polystyrol kann nur dann eine Gefahr ausgehen, wenn das gesamte Wärmedämmverbundsystem nicht dem gesetzlich geforderten Brandschutz genügt", so Bender.

Bei einer Sanierung müsse sich der Bauherr im Klaren sein, dass das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems nicht nur den Wärmeschutz der Außenwand, sondern u.a. auch den Brandschutz beeinflusst. Nicht jeder Dämmstoff sei für jeden Einsatzbereich geeignet, so Bender. Unterschiedliche Materialien seien in einer Vielzahl am Markt erhältlich, neben Polystyrol, zum Beispiel Mineralfaser, Holzwolle, Mineralschaum etc. Polystyrol werde häufig verwendet, weil es eine günstige Lösung sei.

Generell problematisch sei Polystyrol in puncto Brandschutz aber nicht, erklärt Hartmut Ziebs, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands gegenüber dem Online-Magazin "EnBauSa.de". Entscheidend sei die Dicke des Dämmstoffs. Als kritische Dämmstoffdicke gelten zehn Zentimeter. In Niedrig-Energiehäusern werde aber bereits seit zehn Jahren häufig mit höheren Dämmstoffstärken gearbeitet. In dem Fall seien Sondermaßnahmen notwendig.

Möglich sind laut Ziebs sogenannte Brandriegel, also feuerstoppende Schichten in der Fassade z.B. aus Mineralwolle. In den Zulassungen sind sie für jedes zweite Geschoss bei hohen Dämmstoffdicken vorgeschrieben. Sie sollen verhindern, dass Feuer durch Dämmstoff zusätzliche Nahrung erhalten.

Helmut Marquardt, Professor an der Buxtehuder Hochschule 21 und Experte für energetische Sanierung, hält die Regelung eines Brandriegels nur nach jedem zweiten Geschoss für nicht ausreichend: "Ein Riegel macht nur Sinn, wenn er nach jedem Stockwerk eingebaut wird." Er rechnet damit, dass in Bälde der Gesetzgeber reagieren wird. Schon jetzt beobachte er, wie viele Bauherren auf Mineralwolle als Dämmstoff umsteigen, auch wenn sie etwas teurer ist.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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