Unkrautvernichter Glyphosat wird von der EU für weitere fünf Jahre zugelassen: Kritik und Lob für die Entscheidung

Glyphosat wird mit einer Feldspritze auf den Äckern ausgebracht
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Stader Kreislandwirt Johann Knabbe: „Ein Baustein unserer Flächenbewirtschaftung“

(ab). (ab). In den vergangenen Jahren war das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das seit den 1970er-Jahren verwendet wird, in den Verdacht geraten, es sei krebserregend und mitverantwortlich für das Insektensterben. Jetzt wurde das Herbizid von der EU-Kommission für weitere fünf Jahre zugelassen. Nach wie vor streiten Experten und Landwirte über die Wirkung.  CSU-Agrarminister Christian Schmidt stimmte der Verlängerung in Brüssel zu, ohne dass es zuvor eindeutige Zustimmung im Kabinett gegeben hatte, und löste damit einen politischen Eklat aus.

„Wir können das politische Theater nicht mehr nachvollziehen“, sagt der Stader Kreislandwirt Johann Knabbe. „Dass dabei auch noch Angstkampagnen unterstützt werden, ist uns unverständlich.“ Glyphosat spiele in der Landwirtschaft in Norddeutschland eine große Rolle. „Es ist ein Baustein unserer Flächenbewirtschaftung“, so Knabbe. Einzige Alternative sei, wieder zum Pflug zu greifen. Die Folgen: „Es ist umweltschädlicher, denn wir müssten beim Beackern der Felder 20 bis 30 Liter Diesel verbrauchen. Und es würde länger dauern“, so Knabbe. Außerdem würde es eine Steigung der Lebensmittelpreise nach sich ziehen.

Eine in diesem Jahr veröffentlichte Langzeitstudie aus den USA habe gezeigt, dass selbst in Gegenden, in denen das Mittel seit mehr als 20 Jahren verwendet wird, es keinen Anstieg an Krebserkrankungen gegeben habe. „Diese Dramatisierung kann ich nicht verstehen.“ In Deutschland werde außerdem die Anwendung nie in landwirtschaftlichen Kulturen und erst recht nicht auf allen Feldern ausgebracht, so Knabbe, sondern nur alle drei bis vier Jahre einmal innerhalb der Fruchtfolge.

Auch das Argument, Glyphosat sei für das Insekten- und Vogelsterben verantwortlich, findet Johann Knabbe unhaltbar: „Absoluter Blödsinn“, erzürnt sich der Kreislandwirt. „Wer im Herbst etwas ausbringen will, sorgt dafür, dass kein grüner Halm mehr auf dem Acker steht - ob mit oder ohne Glyphosat.“

Gegen die Verwendung von Glyphosat spricht sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende aus dem Kreistag des Landkreises Harburg, Ruth Alpers aus. „Es ist ein Skandal, wie die Abstimmung in Brüssel verlaufen ist“, sagt sie. Ihrer Auffassung nach wäre der richtige Schritt gewesen, gegen einen weiteren Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels zu stimmen.

Dass die Landwirte wieder zum Pflug greifen müssten, hält sie für „ein Totschlagargument“: „Es gibt harmlosere Alternativen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden können“, ist sie überzeugt. Das beweise alleine schon der Öko-Anbau, der ohne das Totalherbizid auskomme.

Ruth Alpers: „Auf EU-Ebene ist jetzt alles gelaufen. Aber Deutschland selbst könnte sich umbesinnen“, sagt sie und hofft darauf, dass ein Beschluss auf nationaler Ebene den weiteren Einsatz von Glyphosat verhindert.

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