Wie bürgernah sind unsere hauptamtlichen Bürgermeister?

Hinter den Rathaustüren im Landkreis (wie hier in Stade) machen die Bürgermeister ihren Job. Doch wie erreichbar sind sie dabei eigentlich für die Bürger ihrer Kommune und wie kommen sie in Kontakt mit den Einwohnern?
  • Hinter den Rathaustüren im Landkreis (wie hier in Stade) machen die Bürgermeister ihren Job. Doch wie erreichbar sind sie dabei eigentlich für die Bürger ihrer Kommune und wie kommen sie in Kontakt mit den Einwohnern?
  • Foto: archiv/lt
  • hochgeladen von Lena Stehr

(lt). Wer eine Gemeinde oder Stadt leitet und verwaltet, muss wissen, was die Menschen vor Ort bewegt, was sie sich wünschen, womit sie zufrieden und unzufrieden sind. Doch wie nah sind unsere Bürgermeister den Einwohnern ihrer jeweiligen Kommune eigentlich und wie treten sie konkret in Kontakt mit ihnen? Das WOCHENBLATT hat bei einigen hauptamtlichen Verwaltungschefs nachgefragt:
Mit Sicherheit ein Vorreiter in puncto Bürgernähe ist Jorks Verwaltungschef Matthias Riel. Er hat einen eigenen Blog, in dem er über alles Wichtige informiert, auf bevorstehende öffentliche Sitzungen hinweist und offensiv den Austausch mit den Bürgern sucht. Zudem bietet er seine Sprechstunden nicht im Rathaus, sondern an wechselnden Orten in den Mitgliedsgemeinden an.
Ähnlich aktiv ist Mike Eckhoff, Bürgermeister der Gemeinde Drochtersen. Er bietet zwar keine Sprechstunden an, ist aber nach eigener Aussage spontan oder nach telefonischer Absprache im Rathaus erreichbar. Er kommuniziere zudem auch viel via E-Mail, Whatsapp und Facebook mit den Bürgern. Auch er betreibt einen eigenen Blog, allerdings nicht wie Riel über die offizielle Rathaus-Homepage, sondern auf Facebook. Außerdem hat Eckhoff eine eigene Homepage. "Die Technik macht es möglich, dass jeder sein Anliegen 24/7 vorbringen kann", sagt Mike Eckhoff.
Stades Bürgermeister Sönke Hartlef bietet einmal im Monat eine Sprechstunde im Rathaus an. Die Resonanz darauf sei sehr gut. Ins Gespräch komme er mit den Bürgern vor allem auch bei den vielen öffentlichen Veranstaltungen, die er besucht und zu denen er - auch von örtlichen Vereinen - eingeladen werde. Auch via E-Mail, Telefon oder Facebook erfahre er, was den Stadern auf dem Herzen liegt.
Als früherer langjähriger Ortsbürgermeister in Bützfleth empfinde er sich als sehr bürgernah und verwurzelt in der Region. Man müsse die Bürger an politischen Prozessen mehr beteiligen. In Stade suche man dafür gerade nach den geeigneten Instrumenten.
Holger Falcke, Bürgermeister der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten, hält nichts von sozialen Netzwerken, sondern setzt auf persönlichen Kontakt. Am besten sei er zu den Öffnungszeiten im Rathaus, aber auch permanent über E-Mail und Handy zu erreichen. Die entsprechenden Kontaktdaten könne jeder über die Homepage der Samtgemeinde abrufen. Auch über seine private Telefonnummer, die im Telefonbuch steht, werde er gelegentlich angerufen. Auch Falcke hält es für wichtig, aktiv am sozialen Leben in den Mitgliedsgemeinden teilzunehmen. Verschiedenste Jahreshauptversammlungen, Vereins-, Orts- und Schulfeste, der Tag des offenen Rathauses, aber auch die Ratssitzungen in den zehn Mitgliedsgemeinden böten ihm immer wieder die Möglichkeit, mit den anwesenden Bürgern ins Gespräch zu kommen.
Die Struktur der Samtgemeinde biete zudem den Vorteil, dass auch noch zehn ehrenamtliche Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden als Ansprechpersonen vor Ort zur Verfügung stünden.
Rainer Schlichtmann, Samtgemeinde-Bürgermeister in Harsefeld, bietet keine gezielten Sprechstunden für Bürger an. Stattdessen würden Gespräche telefonisch vereinbart und fänden dann häufig auch außerhalb der normalen Sprechstunden des Rathauses statt. Da er seit rund 25 Jahren mit seiner Familie in Harsefeld wohne, sei er stark ins Ortsleben eingebunden und werde - unter anderem auf Veranstaltungen - von vielen Bürgern angesprochen. Schlichtmann setzt auch auf Informationsveranstaltungen zu bestimmten Themen, um die Bürger einzubinden.

Moment mal: Guter und schlechter Service
Auch wenn wohl alle Bürgermeister im Landkreis entweder im Rathaus direkt oder per Mail oder Telefon theoretisch für die Bürger gut erreichbar sind, halte ich den Ansatz von Jorks Bürgermeister Matthias Riel für richtungsweisend. In gezielten Sprechstunden in den Mitgliedsgemeinden auf die Bürger zuzugehen, anstatt im Rathaus darauf zu warten, dass jemand zu ihm kommt, ist die richtige Strategie, um wieder mehr Bürger für Kommunalpolitik zu begeistern und ihnen das Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden. Den Service, den Riel - und auch Mike Eckhoff - in ihren Blogs anbieten, zeugt ebenfalls von echter Bürgernähe.
Als Beispiel für schlechten Service am Bürger sei an dieser Stelle genannt, dass weder Fredenbecks Samtgemeinde-Bürgermeister Ralf Handelsmann noch Nordkehdingens Samtgemeinde-Bürgermeister Edgar Goedecke bis Redaktionsschluss auf die WOCHENBLATT-Anfrage zum Thema Bürgernähe reagiert haben. Aus dem Buxtehuder Stadthaus kam leider "aufgrund von Abwesenheiten der Bürgermeisterin" ebenfalls keine Antwort auf die Fragen. Lena Stehr

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen