Mordprozess gegen 90-jährigen Elbmarscher
Angeklagter wurde bereits 2011 enterbt

thl. Lüneburg. Der Prozess vor der 4. Großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht gegen den 90-Jährigen Ernst H. (Name geändert) aus der Elbmarsch läuft weiter. Statt des von vielen Prozessbeobachtern erwartete Urteil, gab es am zweiten Verhandlungstag am gestrigen Freitag weitere Zeugenvernehmungen.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, muss sich der Senior wegen zweifachen versuchten Mordes an seiner 84-jährigen Ehefrau verantworten. Das Motiv dabei lag bei Streitigkeiten ums Geld.
Zunächst stand ein Ermittler im Zeugenstand, der den Angeklagten nach beiden Taten vernommen hatte. Nach der ersten Tat, wo Ernst H. versuchte hatte, seine schlafende Frau mit einem Kissen zu ersticken, habe der Angeklagte erzählt, er habe seine Frau mit der Attacke nur "besänftigen" wollen, so der Beamte. "Ich bin davon ausgegangen, dass ihm die Tragweite seines Handelns nicht bewusst war", sagte der Kripomann. Anders bei der zweiten Tat. "Er habe seine Frau töten wollen und deshalb extra den Hammer mit der größten Trefffläche ausgewählt, hat er in seiner Vernehmung angegeben", so der Beamte weiter. "Den Hammer habe er schon einen Tag vorher im Bereich der Küche deponiert. Auslöser war wieder Streit ums Geld. Zudem hatte seine Frau schlecht über den verstorbenen Bruder des Angeklagten gesprochen. Ernst H. sagte mir 'Das hätte sie nicht tun sollen' und 'Hätte ich den Hammer nach dem Schlag nicht verloren, hätte ich sie erledigt" - so seine Aussage", führte der Ermittler aus.
Etwas mehr Licht in das doch seltsame Eheleben der Senioren brachten die Aussagen von der Nichte und den Neffen des Opfers, die in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden wohnen. "Es war ein kindischer Kleinkrieg und teilweise eine Spannung zum zerreißen", sagte die Nichte. Den ersten Höhepunkt der Streitereien gab es im Oktober vergangenen Jahres, als die Ehefrau von einem Rehaaufenthalt zurückkam. "Mein Onkel sagte, er wolle seine Frau hier nicht mehr haben, sie krank und dement", so die übereinstimmende Aussage der beiden Zeugen. Auch habe Ernst H. seine Frau keines Blickes gewürdigt. Wenig später kam Gertrud H. (Name geändert) zu den beiden und verlangte einen Briefumschlag zurück, in dem sich ein Tresorschlüssel befand. Kurios: Diesen Umschlag hatten die Senioren ihren Verwandten bereits 2011 mit dem Hinweis "Erst nach unserem Tod öffnen" überreicht. Kurz nach seiner Frau wandte sich auch der Angeklagte mit der Bitte um Rückgabe an Neffe und Nichte.
Ebenfalls kurios: Bereits 2011 hatte Gertrud H. ihr Testament geändert und ihren Mann enterbt.
Der Prozess geht am Donnerstag, 22. August, weiter. Dann sollen zunächst noch zwei Zeugen gehört werden. Die Hoffnung des Gerichtes, danach die Beweisaufnahme abschließen zu können, machte allerdings der Psychiater zunichte, der Ernst H. im Prozess auf dessen Schuldfähigkeit begutachten soll. "An dem Tag habe ich andere Termine", sagte der Arzt. "Dann machen wir es irgendwann mal. Wir arbeiten hier schließlich schon an der Grenze der gesundheitlichen Belastung", konterte der Richter mit klar erkennbaren Frust in der Stimme.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.